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Neues vom JSPS Club 04/2020

 

EDITORIAL

Freiheit der Wissenschaft

von Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, Vorsitzender und Landesbeauftragter Japan

In Japan wird jüngst neuerlich diskutiert, ob die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Wissenschaft gefährdet ist. Hintergrund ist die Ablehnung der Ernennung von sechs vom japanischen Wissenschaftsrat selbst vorgeschlagenen Kandidaten als Nachfolger von turnusmäßig ausgeschiedenen Mitgliedern durch den Ministerpräsidenten. Diese Ablehnung, deren Begründung der Ministerpräsident mit Hinweis auf die Geheimhaltungsbedürftigkeit in Personalsachen verweigert, wird vom Wissenschaftsrat selbst als Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit gewertet. Der Fall hat deshalb eine gewisse Brisanz, weil den sechs Nichternannten durchaus eine kritische Haltung gegenüber Organen des Staates, insbesondere der Exekutive, nachgesagt werden kann. Verschiedene wissenschaftliche Fachgesellschaften in Japan, aber auch im Ausland, haben daraufhin öffentlich protestiert, freilich ohne vorher die tatsächliche und rechtliche Situation ausreichend untersucht zu haben.

Rechtswidrige Eingriffe in die Freiheit der Wissenschaft sind hingegen weder in diesem konkreten Vorgang noch insgesamt einfach zu begründen. Das Grundrecht auf Freiheit der Wissenschaft ist von großer Bedeutung. In Deutschland ist es als Abwehrrecht der Wissenschaftler und der auf wissenschaftliche Erkenntnisse ausgerichteten Organisationen gegenüber dem Staat sogar ohne ausdrückliche Schranke ausgestaltet und wird der objektiven Rechtsordnung als wichtige Wertentscheidung zugeordnet. Doch Wissenschaft kostet Geld und das erzeugt Abhängigkeiten.

Staatliche Organe entdeckten vor etwa 150 Jahren die Möglichkeit, ihre Entscheidungen durch „unabhängige“ Wissenschaftler absegnen zu lassen. Man begann für fast alles wissenschaftliche Beiräte einzurichten, deren Besetzung natürlich dem Gusto ebendieser staatlichen Organe gerecht wurde. Andererseits verstanden es die Wissenschaftler, diese Organe in ihrem Interesse zu nutzen. Es ging insbesondere um die Finanzierung von Forschungsprojekten und -instituten, Organisationen und Positionen. In diesem Interessengeflecht die Grenzlinie zum Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit zu finden, dürfte sehr schwer sein. Die Suche wird noch dadurch verkompliziert, dass ein Großteil der Wissenschaftsträger und -förderer öffentlich-rechtlicher Natur ist und die in ihnen Tätigen öffentlich Bedienstete, d.h. selbst Staat sind, wie etwa auch der japanische Wissenschaftsrat.

Trotz schrankenlos gewährleisteter Freiheit in Deutschland sind der Wissenschaftsfreiheit klare Grenzen gesetzt. Man muss nicht Dürrenmatt gelesen haben, um zu wissen, dass sich die Wissenschaft auch mit der Erkenntnisgewinnung auf Gebieten beschäftigt, die von vielen als Tabu angesehen werden. Dabei geht es gar nicht mal um die stets die Diskussion begleitende Frage, ob die Erkenntnisse auch militärisch verwendbar sind. Beispielsweise die Gentechnologie und die Fortpflanzungsmedizin sind in vielen Staaten juristischen Einschränkungen unterworfen, obwohl diese wenig Einfluss auf das Forscherverhalten zu haben scheinen, wie im letzten Jahr auf einer internationalen Tagung der Genetiker offenkundig wurde.

Auch gibt es eine große Anzahl von Modeerscheinungen und Trends, die die Geldflüsse lenken und den Blick auf andere Disziplinen verengen, wenn nicht gar verdunkeln. Von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen den Natur- und Lebenswissenschaften auf der einen und den Geistes- und Sozialwissenschaften auf der anderen Seite kann schon lange nicht mehr gesprochen werden. Diese Ungleichbehandlung ist infolge eines öffentlich gewordenen Regierungspapiers vor einiger Zeit in Japan Gegenstand der Diskussion geworden, weil die Geistes- und Sozialwissenschaftler um ihre berufliche Zukunft fürchteten. Beide Aspekte gelten auch für die Vergabe von wissenschaftlichen Preisen und Ehrungen.

Ein weiterer Punkt ist die Wirtschaft. Wissenschaft wird weithin als Motor der Wirtschaft angesehen. Dabei stehen die Natur- und Lebenswissenschaften so stark im Fokus, dass die Wissenschaft oft nur noch als Unterabteilung der Wirtschaft wahrgenommen wird. Diese Entwicklung ist zurzeit bei der Suche nach einem Impfstoff für den Corona-Virus deutlich zu erkennen. Millionen – die andernorts fehlen – fließen in die betreffende Forschung. Und Millionen warten auf die Pharma-Unternehmen, sollte sich ein Impfstoff finden, ohne dass sicher ist, ob ein Bruchteil dieser Gelder wieder in die Wissenschaft gesteckt wird. Vor diesem Hintergrund klagt der japanische Nobelpreisträger Honjo gegen ein japanisches Pharma-Unternehmen, das seinen bepreisten Wirkstoff gegen Krebs vermarktet und ihn mit „einem Appel und einem Ei“ abspeist.

In einem Editorial können nicht alle Aspekte des Themas abschließend beleuchtet werden. Aber es sollte doch klargeworden sein, dass man mit dem Vorwurf eines Eingriffs in die Wissenschaftsfreiheit angesichts der geschilderten Abhängigkeiten sehr vorsichtig sein sollte.

Alle sollten sich stattdessen aufgerufen fühlen, trotz der geschilderten Situation nach Instrumenten und Strukturen zu suchen, die dabei helfen, eine Unabhängigkeit der Wissenschaft zu sichern.

 

VERANSTALTUNGSBERICHTE

10. Treffen der JSPS-Club Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar
Mannheim, 18. September und Frankfurt/Main, 25. September 2020

von Vorstandsmitglied Matthias Hofmann

NRW-Symbolisch stehen die Mund-Nasen-Bedeckungen für das 10. Treffen der Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar,
welches durch die Covid-19-Beschränkungen geprägt war.

2020, das ist das Jahr des 25-jährigen Vereinsjubiläums des JSPS-Clubs, welches für den Club ein ganz besonderes Jahr werden sollte: Geplant waren ein Jubiläumssymposium im November in Tokyo und ein weiteres im Mai in Berlin, inklusive eines Empfangs in der japanischen Botschaft.

Passend zu den Vereinsjubiläen plante auch die Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar ihr 10. Regionalgruppentreffen. Der ursprüngliche Termin, der 15. März 2020, sollte die Möglichkeit bieten, die regionalen Mitglieder über das Programm des Symposiums in Berlin zu informieren.

Soweit die Planungen aus den ersten Monaten des Jahres 2020 – bevor sich die SARS-CoV2-Pandemie ihren unbestreitbar „ersten“ Platz in den täglichen Nachrichtenmeldungen sicherte und unsere Tagesabläufe zu verändern begann.

Dementsprechend wurde das Regionalgruppentreffen am 15. März als erste Clubveranstaltung abgesagt. In Folge der im Frühjahr steigenden Fallzahlen kam es kurze Zeit später zur Absage des Jubiläumssymposiums in Berlin. Die geltenden Beschränkungen führten zu Absagen von weiteren regelmäßigen „Japan-Veranstaltungen“ im Rhein-Main-Gebiet bzw. wurden in den virtuellen Raum verlegt, wie z.B. die Nippon Connection 2020. Dadurch wurden die Möglichkeiten, sich auch außerhalb der Regionalgruppe mit Club-Mitgliedern auf anderen Veranstaltungen zu treffen, kontinuierlich reduziert.

Der „Charme“ der Regionalgruppe wird über den gemeinsamen (Japan-)Austausch zwischen langjährigen Mitgliedern aus Akademia und Industrie, sowie neuen Mitgliedern nach ihren ersten Japanaufenthalten geprägt. Dabei ist das Zusammenkommen in gemeinsamer Runde bei einem Abendessen ein zentraler Bestandteil. Aus diesem Grund stellte ein virtuelles Regionalgruppentreffen keine wirkliche Alternative dar.

Innerhalb der im Spätsommer in Deutschland verbesserten Pandemiesituation wurde die Gelegenheit ergriffen und das 10. Regionalgruppentreffen „unter den aktuell geltenden Pandemie-Regeln“ geplant und durchgeführt. Diesbezüglich wurde das Treffen gesplittet, um die Reisewege der Mitglieder sowie die Gruppengröße zu reduzieren und den jeweiligen behördlichen Anforderungen Rechnung zu tragen.

Das 10. Regionalgruppentreffen Rhein-Main-Neckar wurde somit als Doppelveranstaltung am 18. September in Mannheim und am 25. September in Frankfurt/Main durchgeführt. Zusammen nahmen an beiden Treffen 16 Clubmitglieder teil, darunter auch einige Neuzugänge. Für diese bot das Regionalgruppentreffen somit die erste Gelegenheit im Jahr 2020, weitere Clubmitglieder auch persönlich kennenzulernen. Dieser persönliche Kontakt ist es, der uns alle vernetzt. Ich hoffe, bei den nächsten Treffen unsere neuen Mitglieder wieder begrüßen zu können, als auch jene, welche sich aus verständlichen Gründen aufgrund der Pandemie entschlossen hatten, nicht am Regionalgruppentreffen teilzunehmen.

Die Durchführung eines weiteren „Live“-Regionalgruppentreffens in diesem global außergewöhnlichen Jahr 2020 wird sich aufgrund des sich beschleunigten Infektionsgeschehens und strikterer Beschränkungen nicht mehr ergeben. Die vielfältigen Erkenntnisse aus virtuellen Meetings, die sich aber in den letzten Monaten sammeln ließen, lassen doch auch die Möglichkeit realistischer erscheinen, zum Jahresende oder -anfang ein kürzeres virtuelles Regionalgruppentreffen zu organisieren, um den Kontakt zu und zwischen den Mitgliedern zu festigen.

 

AUSZEICHNUNGEN FÜR MITGLIEDER DES JSPS-CLUBS

Falling Walls 2020: Jonas Fischer gewinnt in der Kategorie „Emerging Talents“

von Clubmitglied Dr. Jonas Fischer

Jonas Fischer vor seinem Messaufbau

Mauern in der Wissenschaft einreißen: Unter diesem Motto bringt die „Falling Walls Conference“ seit 2009 jährlich zum 9. November engagierte Nachwuchstalente zusammen und präsentiert dabei die Forschungsarbeit internationaler Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Bereichen.

Ein Format der „Falling Walls“ ist das sogenannte „Falling Walls Lab“, das erstmals im Jahre 2011 in Berlin stattfand, und seither jungen WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt die Möglichkeit bietet, sich und ihre Forschung in einer dreiminütigen englischsprachigen Präsentation einem breiten Publikum und einer Jury vorzustellen, die eine Gewinnerin oder einen Gewinner auszeichnet, die/der sich dann in einem Finale in Berlin erneut einer Konkurrenz zu stellen hat. In Sendai werden als erste Stadt in Japan seit 2013 solche „Falling Walls Labs“ abgehalten. Tokyo ist 2016 nachgezogen, bei dieser Gelegenheit befand sich auch Clubvorstand Prof. Dr. Heinrich Menkhaus im Auswahlkomitee.

Nachdem Dr. Jonas Fischer, der bis vor kurzem als JSPS-Stipendiat an der Universität Tokyo geforscht hat, im August dieses Jahres beim „Falling Walls Lab Sendai“ den zweiten Platz erreichte, wurde sein Vortrag zum Thema „Breaking the Wall of Energy-Efficient Data Storage“ Anfang November als einer von zehn Gewinnern in der Kategorie „Emerging Talents“ ausgewählt. Somit qualifizierte er sich für das Falling Walls Grand Finale am 9. November, bei welchem die „Science Breakthroughs of the Year“ gekürt wurden.

Mit seiner Forschung versucht er, durch neue Materialien dazu beizutragen, die nächste Generation von Computern energieeffizienter zu gestalten. Dazu könnten unter anderem sogenannte „Multiferroika“ beitragen, spezielle Magnete, die sich durch sparsame elektrische Felder kontrollieren lassen. Im Gegensatz dazu benötigen die bisher in Festplatten verwendeten Magnete stets ein energiehungriges magnetisches Feld.

Dr. Fischers Vortrag kann unter dem folgenden Link eingesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=dONbOx6UCWo&feature=youtu.be

 

CLUB-MITGLIEDER IN JAPAN ALS GASTGEBER DEUTSCHER WISSENSCHAFTLER

My experience in Japan during my stay as exchange student and research assistant at Meiji University

von Torben Meyer

As a student of one of Meiji University’s partner universities, the University of Jena, I had the opportunity to study in Tokyo as a part of an international student exchange program. When I started, however, I did not know enough Japanese to participate in classes taught in Japanese and therefore was reliant on classes being taught in English. The Faculty of Law does have such classes, but enrolment is only possible if the applicant has at least mastered the 4th level of the Japanese Language Proficiency Test. So I had to settle for the Faculty of Political Science and Economics, which does not have this requirement.

I stayed at one of Meiji University's own dorms located near the Izumi Campus in Suginami-ku. Overall, the room with its 15 m² was smaller than the rooms I was used to back in Germany. However, compared to the usual size of apartments in Tokyo, this kind of size would be considered large. Another benefit of the room was that it had a bathroom and a shower in it, which was a major convenience. It was also very convenient that stores and restaurants were not far away so that I did not have to take any public transportation to buy daily necessities. One of my favorite things about life in Japan are the so called convenience stores which are open 24/7 and offer a variety of services including payment options for ordering tickets and items online, health insurance payments and even a free microwave option for heating up food. The train station also was only 10 minutes away by walking.

One thing which was a little bit disappointing was the fact that there were no Japanese students living in my dorm. This could have given me the possibility to practice my Japanese conversational skills more and thus advance further with my Japanese. I would also have had easier access to the Japanese culture. However, I was able to make Japanese friends in my classes and had very enriching experiences in participating in Japanese bar culture, traveling, Karaoke and staying overnight at a traditional Japanese inn with other Japanese classmates.

Japanese people are very friendly, but understanding the language makes interaction much easier. It would be safe to say that I wouldn't have made so many experiences if I hadn’t had any knowledge of the Japanese language.

For this reason, I want to stress the importance of knowing the Japanese language when it comes to doing research work. In the Japanese language, there are some expressions, mannerisms and behaviors that just cannot be translated. Also, the translation of Japanese literature on subjects comes at a cost, namely that the true nuances might not be portrayed accurately. This is especially important in law, since the application of law must be understandable. When considering the qualification of foreign legal terms into one's own domestic legal system, foreign language skills can help to capture the intended effect of a principle or a law and thus allow a more effective understanding. Also, having access to Japanese literature on the Japanese legal system is paramount when it comes to analyzing the Japanese law. I have to admit that I did not attend the Japanese language classes offered by the University because they collided with the classes of the subjects I chose to take.

Prof. Dr. Heinrich Menkhaus (l.) and Torben Meyer (r.) in front of the Meiji University

My enriching experience of living in Japan came at a cost, as the cost of living was not cheap. Using trains on a daily basis to get to various places can add up quickly and some groceries are outrageously expensive compared to Germany. Interestingly, restaurants are comparatively cheap at lunch time. Water or tea is always free of charge and prices only slightly exceed the cost of ready made food at most convenience stores, therefore the majority of my living expenses was related to taking the train daily. However, the fee for going by train in Tokyo depends on the line and operator you are taking, so by using apps and doing some research it definitely is possible to reduce costs. In addition, the fact that I was exempted from tuition fees was also a factor that helped my financial situation significantly. Nevertheless, in the first few months I found myself spending a lot more than usual due to tourist related activities such as shopping and visiting tourist attractions.

As for the academic aspect of my stay in Japan, I was most intrigued by learning about the Japanese legal system. Although I was enrolled to the Faculty of Political Science and Economics, I was able to participate in classes of the Faculty of Law. In one of my classes I learned about the Japanese criminal law system and how prosecution works. Also, the connection between religion, culture and law was a unique aspect that is different from the law in Germany. In my comparative law class, I learned about the importance of how culture, religion, literacy, time and geography play a crucial role in different legal cultures and how understanding them is important to properly understand comparative law. I was also able to give a presentation on the importance of law and economics for comparative legal research. Another unique experience was working in a seminar on international law together with other Japanese students. I was able to discuss topics that I had a personal research interest in and was able to engage in serious discussions about topics such as extraterritoriality of EU law, International Maritime Law and WHO Law.

Even though I was able to acquire credit points for my classes, I could not transfer them to my home University because the requirements for graduation from law school in Germany are set by the state and do not fit into a credit system. However, since those requirements also include a minimum amount of internships at law firms and courts, I found out that it’s possible to work at the Meiji Institute of Comparative Law and have that time added to my required minimum amount of internships.

Especially considering that in Germany, the Corona pandemic resulted in classes being held online and libraries only being usable at designated times, I felt that adding a research semester at the Meiji Institute of Comparative Law would make the best out of these difficult times. Currently I am working with Professor Menkhaus, the head of the institute, on a research project in comparative law about the EU-Japan Economic Partnership Agreement and its implications to the legal system.

Overall, there were many challenges in Japan but I learned that ultimately, challenging myself would prove beneficial in the end, as it allowed for many unique experiences.

 

MIT DEM BRIDGE-FELLOWSHIP IN JAPAN

Mein BRIDGE-Aufenthalt zum Thema „Improving the Precision of Earthquake Early Warning“ am Meteorological Research Institute, Tsukuba

von Clubmitglied Dr. Marco Pilz

Besuch des Hanshin-Awaji-Erdbeben-Museums, das an das große Beben in der Bucht von Osaka im Jahr 1995 erinnert. Auf dem Foto sind u.a. Prof. Yamada (links) und der Verfasser (2. von links) zu sehen.

Nach einem Forschungsaufenthalt am Disaster Prevention Research Institute der Universität Kyoto, der 2012/2013 im Rahmen des JSPS-Programms für Postdoktoranden realisiert worden ist, erhielt ich 2018 die Möglichkeit, über das BRIDGE-Fellowship die damals entstandenen Kontakte zu vertiefen und neue aufzubauen. Mein Gastgeber war Dr. Mitsuyuki Hoshiba von der Abteilung Erdbebenfrühwarnung und Tsunami-Forschung der japanischen meteorologischen Behörde in Tsukuba.

Da bereits während meines ersten Aufenthalts in Japan zahlreiche wissenschaftliche Kontakte und auch persönliche Freundschaften entstanden sind, gestaltete sich die Organisation des BRIDGE-Aufenthalts im November 2018 einfach und unproblematisch. Gegenstand meiner Reise war neben den laufenden Forschungsaktivitäten sowohl die Planung eines Kooperationsprojekts zwischen Dr. Hoshiba und mir als auch die Teilnahme und Mitwirkung an Seminaren zum Zweck eines weitergehenden wissenschaftlichen Austausches.

Nach meiner Ankunft und einer ersten Lagebesprechung in Tsukuba ging es aber zunächst einmal für einen Konferenzbesuch nach Kumamoto, wo ich gemeinsam mit meinem Gastgeber an der Tagung des UJNR (United States-Japan Cooperative Program on Natural Resources) teilnehmen konnte. Dort durfte ich unsere Forschungsarbeit zur Erdbebenfrühwarnung vorstellen und mit weiteren führenden japanischen und US-amerikanischen Wissenschaftlern diskutieren.

Zurück in Tsukuba ging es dann an die gemeinsame Forschungsarbeit zu neuen Entwicklungen in der Erdbebenfrühwarnung. Gegenwärtig gibt es operationelle Erdbebenfrühwarnsysteme nur in wenigen Ländern weltweit, wie beispielsweise in Japan, Taiwan und Mexiko, während auf europäischer Seite der Einsatz überschaubar ist. Das Frühwarnsystem erlaubt es, unmittelbar nach dem Auftreten signifikanter Erdstöße in seismisch aktiven Zonen die betroffenen Gebiete über mögliche Gefahren zu informieren. Für alle potenziell betroffenen Gebiete werden automatisch über Fernsehen, Radio oder Mobiltelefon Warnmeldungen über Erschütterungen verbreitet, sodass die Bevölkerung sich möglichst noch innerhalb weniger Sekunden auf das nahende Erdbeben einstellen kann. Insbesondere in Japan gibt es aufgrund der hohen Erdbebengefährdung und den damit einhergehenden großen und hochfinanzierten Forschungsanstrengungen, die Folgen starker Beben zu minimieren, eine exzellente Datengrundlage.

Im Mittelpunkt meines Forschungsaufenthalts stand es, die Genauigkeit von Erdbebenfrühwarnung bei sehr starken Beben bei ungünstigen Standorteigenschaften zu verbessern. In der Regel schwächen sich die Erschütterungen bei einem Beben mit der Entfernung zum Bebenzentrum relativ schnell ab. Jedoch wurden beispielsweise während des Tohoku-Erdbebens 2011 Hochhäuser im Kanto-Becken und im Osaka-Becken, die Luftlinie etwa 200 bzw. 750 km vom Epizentrum des Bebens entfernt sind, so stark erschüttert, dass eine große Anzahl an Gebäuden dennoch Schäden erlitt. Da für solch große Entfernungen vom Erdbebenzentrum langperiodische Bodenbewegungen vorherrschen, wird die korrekte Berücksichtigung dieser Bewegungen für die Zwecke der Erdbebenfrühwarnung sowie für die seismische Intensität immer wichtiger, da in städtischen Gebieten Japans immer mehr relativ hohe Gebäude mit mehr als 20 Stockwerken gebaut werden. Die Forschung mit meinem Gastgeber hat sich auf die Erweiterung bestehender Techniken in der Erdbebenfrühwarnung für die Echtzeit-Vorhersage von Bodenbewegungen an Standorten mit komplexen Bodenbedingungen konzentriert.

Im Rahmen meines Aufenthalts in Tsukuba konnte ich mit allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe von Dr. Hoshiba intensive Gespräche führen und Einblick in die laufenden Forschungsarbeiten auf der japanischen Seite erhalten. Dies reichte von der Vorstellung von Abschlussarbeiten durch Studenten auf Bachelor- und Masterniveau bis hin zur Besprechung gemeinsamer Publikationen und der Planung weiterführender Analysen. Mein Gastgeber bot mir darüber hinaus die Möglichkeit, die Zentrale des Meteorological Research Institute in Tokyo zu besuchen, wo rund um die Uhr eine Vielzahl von Mitarbeitern beschäftigt ist, das Wetter sowie die Gefährdung durch Erdbeben und Tsunamis in ganz Japan zu überwachen und entsprechende Warnungen zu veröffentlichen.

Aufgrund der Tatsache, dass das BRIDGE-Stipendium auch Reisekosten innerhalb Japans abdeckt, war es mir zudem möglich, weitere Forscherinnen und Forscher persönlich zu besuchen. Ich habe Prof. Shinichi Matsushima und Prof. Matsumi Yamada am Forschungsinstitut für Katastrophenverhütung an der Universität Kyoto besucht. Da beide detaillierte Schadens- und Bodenanalysen nach dem Erdbeben von Kumamoto im Jahr 2016 durchgeführt haben, war der Austausch sehr produktiv und führte dazu, einen gemeinsamen Projektplan zu erarbeiten.

Ich bin der JSPS für die Finanzierung und die wunderbare Gelegenheit dankbar, in Japan zu forschen und so viele interessante Personen kennenzulernen. Aus meiner Sicht sind die finanzielle Unterstützung und Dauer perfekt für einen kürzeren Forschungsaufenthalt. Darüber hinaus bot mir mein Gastgeber Dr. Hoshiba eine perfekte Basis für meine Forschung. Die Bearbeitungszeit durch JSPS ist vergleichsweise kurz und die Kommunikation unkompliziert. Gleiches gilt für die Unterstützung durch das JSPS-Büro in Bonn. Vielen Dank an alle Beteiligten!

 

Bericht über mein BRIDGE-Fellowship am RIKEN (Tokio)

von Clubmitglied Prof. Dr. Jana Zaumseil

Nach einem früheren Forschungsaufenthalt in Japan mit einem Kurzstipendium der JSPS und mehreren kurzen Konferenz- und Workshopteilnahmen freute ich mich sehr, im September/Oktober 2019 wieder einige Wochen in einem japanischen Forschungslabor verbringen zu können. Durch einen bilateralen JSPS-DFG Workshop in Hakone hatte ich Prof. Yuichiro Kato kennengelernt, der an der Erforschung der optischen Eigenschaften von Kohlenstoffnanoröhrchen (CNTs) arbeitet. Da dies auch mein Hauptinteressensgebiet ist und Japan das Geburtsland der Kohlenstoffnanoröhrchen ist, waren die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit im Rahmen eines BRIDGE-Fellowships ideal.

Man kann sich Kohlenstoffnanoröhrchen als aufgerolltes Graphen (ein zweidimensionales hexagonales Gitter von Kohlenstoffatomen) vorstellen, wobei die Aufrollrichtung und der finale Durchmesser die elektronischen und optischen Eigenschaften der CNTs bestimmen. Aus dem Element Kohlenstoff lassen sich viele verschiedene Arten von Kohlenstoffnanoröhrchen, u.a. halbleitend oder metallisch, herstellen. Von besonderem Interesse ist der schnelle Ladungstransport innerhalb der CNTs, aber auch ihre Eigenschaft, Licht im nahen Infrarot zu emittieren. Der erste Nachweis von Kohlenstoffnanoröhrchen gelang Prof. Sumio Iijima im Jahr 1991. Seither ist Japan führend auf diesem Forschungsgebiet.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Kato am RIKEN hat sich insbesondere auf die Spektroskopie von freistehend gewachsenen CNTs spezialisiert, während unser Schwerpunkt in Heidelberg die selektive Dispersion und Prozessierung von CNTs aus Lösungsmitteln ist. Ziel des Forschungsaufenthalts war es, die beiden Methoden zu verschmelzen und insbesondere synthetisch eingeführte lumineszierende Defekte im Kohlenstoffgitter der Röhrchen, die noch weiter im nahen Infrarot emittieren, zu untersuchen. Diese sogenannten sp3-Defekte sind für die Einzelphotonemission und somit für sichere Quanten-Kommunikation interessant.

Nach meiner Ankunft in Tokio, dessen U-Bahnsystem durch die Vorbereitungen auf die Olympiade in eine Art Dauerbaustelle verwandelt worden war, konnte ich sehr schnell zusammen mit den Wissenschaftlern des Nanoscale Quantum Photonics Laboratory am RIKEN die ersten Experimente durchführen. Dabei war ich besonders von der weitgehenden Automatisierung der aufwendigen optischen Messungen und Auswertungen beeindruckt, die die Untersuchung einer Vielzahl von individuellen CNTs ermöglichte, ohne zu viel Zeit in einem dunklen optischen Labor zu verbringen. Wir konnten schnell die ersten Ergebnisse erzielen und die in Heidelberg vorbereiteten Proben mit funktionalisierten CNTs charakterisieren.

Intensität der Defektemission von CNTs im nahen Infrarot bei unterschiedlichen Anregungsleistungen (links); Rasterelektronenmikroskopaufnahme eines freistehenden Kohlenstoffnanoröhrchens (rechts)

Anschließend führten wir auch zeitaufgelöste Fluoreszenzmessungen und erste Versuche zu Einzelphotonenmessungen durch. Insgesamt waren die Ergebnisse so vielversprechend, dass Prof. Kato und ich beschlossen, einen meiner Doktoranden für mehrere Wochen ans RIKEN zu schicken, um an neuen Proben weiterzuarbeiten. Leider wurde dieser Aufenthalt im Frühjahr 2020 durch die Corona-Pandemie ungewollt abgekürzt. Wir hoffen aber, diese Zusammenarbeit bald wieder aufnehmen zu können.

Motsunabe-Suppe in einem kleinen Restaurant in Fukuoka

Neben den Experimenten im Labor nutzte ich die Zeit insbesondere für den Besuch weiterer Universitäten und Kollegen, die sich mit Kohlenstoffnanoröhrchen als auch mit organischer Elektronik beschäftigen. Ich hielt eine Reihe von Vorträgen am RIKEN, der University of Tokyo und der Tokyo Metropolitan University, als auch an der Universität Nagoya und der Universität Ōsaka, wo ich 2012 bereits einige Wochen im Rahmen meines JSPS-Kurzstipendiums zu Gast war. So konnte ich alte Bekannte wiedertreffen und auch neue Kooperationen anstoßen. Insbesondere freute ich mich über die Gelegenheit, das erste Mal die südliche Insel Kyūshū und die dortige Universität in der Nähe von Fukuoka zu besuchen. Neben dem wissenschaftlichen Austausch mit der Arbeitsgruppe von Prof. Shiraki konnte ich einige lokale Gerichte wie z.B. Hakata Ramen und Motsunabe-Suppe ausprobieren.

Meine drei Wochen in Japan waren gefüllt mit vielen neuen wissenschaftlichen Eindrücken durch den Austausch mit den Wissenschaftlern vor Ort, aber auch neuen kulturellen Erfahrungen (z.B. das Digital Art Museum Tokyo). Wie immer war die Gastfreundschaft der japanischen Kollegen unübertroffen. Ich hoffe sehr, dass die angestoßenen Kooperationen und der Austausch von Studenten bald wieder möglich sein werden.

 

RÜCKBLICK AUF EIN LEBEN ALS WISSENSCHAFTLER

JAPAN durch ZUFALL? (Teil 3)

von Clubmitglied Prof. Dr. Matthias Rögner

Entwicklung eigenständiger Projekte mit Japan (>1990; „The Japanese Way“)

„Hanami“ vor dem Institute for Protein Research der Osaka-Universität mit der Arbeitsgruppe

Nach der dreijährigen Postdocphase im Labor von H.T. Witt ging ich zu einem zweiten Postdoc in die USA (DuPont Experimental Station in Wilmington, Delaware) und danach auf eine akademische Ratsstelle an die Universität Münster, um mich dort zu habilitieren. Gleichzeitig konnte ich dort meine erste eigene Arbeitsgruppe gründen, und meine ersten beiden Doktoranden gingen natürlich (!) als „frische“ Postdocs nach Japan und waren dort sehr erfolgreich (bei M. Yoshida, dem früheren Ass. Prof. von Y. Kagawa, am Tokyo Institute of Technology, TIT). Eine weitere Intensivierung der Beziehungen zu Japan erlaubte dann mein Ruf auf den Lehrstuhl für Biochemie der Pflanzen an die Ruhr-Universität in Bochum (1996, Nachfolge A. Trebst): Ich konnte jetzt eigene Programme in Kooperation mit den mir vertrauten Partnern in Japan entwickeln und machte davon intensiv Gebrauch.

Meine wichtigsten wissenschaftlichen „Schlüsselerlebnisse“ wurden dabei jeweils durch Sabbaticals in Japan ausgelöst oder vertieft. Von den insgesamt vier Sabbaticals zwischen 2000 und 2010 möchte ich deshalb zwei besonders hervorheben.

Während meines Sabbaticals am TIT (2000–2002, mit Unterbrechung, JSPS Senior research prize), stieß ich auf die Arbeiten von Jun Miyake, der sich auf sehr unkonventionelle Art mit photosynthetischen Modellsystemen beschäftigte. Ein spontanes Treffen zeigte sofort Sympathie und gemeinsame Interessen, die in den prinzipiellen Fragen kulminierten: Sind die Photosysteme im natürlichen System schon „ausgereizt“ oder sind sie möglicherweise viel leistungsfähiger? Könnte man diese Leistungsfähigkeit auch anwendungstechnisch nutzen? Um dies zu untersuchen, muss man die Photosysteme aus ihrer natürlichen Umgebung, die möglicherweise limitierend wirkt, isolieren und in eine „künstliche“ Umgebung mit optimiertem Elektronenzu- und -abgang bringen. Hierfür entwickelten wir das Modell einer „Biobatterie“, welche nur die absolut notwendigen Komponenten für eine Energieumwandlung beinhaltete. „Zählbares“ Ziel dieser Energieumwandlung sollte die Synthese von Wasserstoff mit Hilfe von Elektronen sein, die am Photosystem 2 durch lichtinduzierte Wasserspaltung gewonnen wurden, d.h. wir wollten mit Hilfe der Sonnenenergie und biologischen Komponenten Wasserstoff aus Wasser herstellen.

Modell der „Biobatterie“, in welcher immobilisiertes, gereinigtes Photosystem 2 seine Elektronen von der lichtinduzierten Wasserspaltung auf eine Elektrode überträgt. Durch eine leitende Verbindung und eine zweite Elektrode werden diese auf Photosystem 1 und schließlich eine Hydrogenase (H2ase) übertragen, die damit H2 erzeugt. Die Elektronenübertragung durch künstliche Polymere (rote und blaue Punkte) wurde später in Kollaboration mit Prof. W. Schuhmann (RUB) weiterentwickelt und optimiert.

Besonderes Problem war die hohe Sauerstoffempfindlichkeit des Enzyms, welches Wasserstoff (H2) aus H+ und Elektronen erzeugt (die H2ase), weshalb wir zwei getrennte Reaktionskammern vorschlugen: In einer sollte die Wasserspaltung stattfinden (die Sauerstoff erzeugt), während die andere sauerstofffrei blieb, sodass die H2ase voll aktiv sein konnte. Dies war natürlich ein high-risk Projekt, welches Miyake-sensei beim japanischen Geldgeber NEDO als internationales Projekt beantragen wollte.

Durch die Mitarbeit an diesem Antrag als europäischer Koordinator wurden mir gleichzeitig die prinzipiellen Unterschiede zwischen japanischer und deutscher Forschungsförderung bewusst: Das japanische System verlangte eine „Vision“ (wir hatten ja kaum Evidenzen, dass es klappen könnte!), während ich vom deutschen System, z.B. DFG-Anträgen, gewohnt war, dass man schon zu Antragsbeginn sehr viele Evidenzen vorzeigen muss, die einen Erfolg sehr wahrscheinlich machen. Dementsprechend wollte ich den japanischen Antrag immer wieder umschreiben und abändern, aber trotz meiner Bedenken behielt Miyake-sensei Recht und wir erhielten trotz großer Konkurrenz mit anderen Vorhaben die dreijährige Förderung.

Diese trinationale Förderung (es war Japan mit zwei, Deutschland mit drei und Frankreich mit einer Arbeitsgruppe beteiligt) brachte dieses Modellprojekt erheblich voran, ohne es – in dieser relativ kurzen Zeit! – abschließen zu können. Auch bei hohem Potential und exzellenten Ergebnissen gibt es für solche Projekte auf japanischer Seite keine Anschlussförderung – das Thema ist „abgeschlossen“. Dankenswerterweise konnten wir jedoch anschließend auf deutscher Seite (u.a. durch das BMBF) eine Förderung erhalten, die in modifizierter Form sogar verlängert werden konnte, sodass wir kürzlich innerhalb eines Konsortiums der Ruhr-Universität Bochum erstmals lichtinduzierte Wasserstoffproduktion in nennenswerter Größe nachweisen konnten. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass uns Japan durch NEDO den Start eines wegweisenden, aber riskanten Projektes ermöglicht hat, während deutsche Geldgeber aufgrund dieses „Proof of Principle“ zu einer längerfristigen Förderung bereit waren, die jetzt plötzlich – Stichwort Wasserstoffproduktion – tagesaktuell wird.

Von einem anderen Sabbatical – diesmal 2010 in Osaka – ging eine weitere wichtige Weichenstellung aus: Abgesehen von den oben skizzierten Modellsystemen wollten wir auch die Photosynthese in lebenden Zellen zur biotechnologischen Produktion von verwertbaren Produkten wie z.B. Wasserstoff umfunktionieren, und auch hierfür sind Cyanobakterien aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit (nur Licht und mineralhaltiges Wasser erforderlich) und ihrer hohen Vermehrungsrate die idealen Organismen. Wichtigster Schritt ist hierbei die Abzweigung von Elektronen für das neue Produkt (H2), die in der Wildtypzelle – allerdings mit sehr hohen Verlusten – hauptsächlich zur Zucker- bzw. Stärkesynthese genutzt werden. Im Idealfall könnte in so einer „Designzelle“ die Effizienz der Photosynthese um mehr als den Faktor Zehn gesteigert und für die direkte Erzeugung eines „Biofuels“, H2, genutzt werden.

Veränderung des photosynthetischen Elektronentransports von der Wildtypzelle (links) zur Designzelle (rechts) durch genetische Manipulation: Diese betrifft insbesondere die Übertragung eines möglichst großen Teils der Elektronen aus der Wasserspaltung (Photosystem 2, PS2) auf das in die Zelle eingeführte „neue“ Enzym Hydrogenase (H2ase) zur Wasserstoffproduktion, die zu Lasten der CO2-Fixierung geht.

Prof. T. Hase, ein international bekannter Experte für die gewünschte Elektronenabzweigung in Osaka, bot mir freundlicherweise dieses Sabbatical an, und hieraus entwickelte sich seit 2010 ein sehr intensiver Austausch zwischen unseren Laboren, in den sehr viele Jung- und auch Altforscher involviert waren und noch sind. Obwohl Hase-sensei inzwischen pensioniert ist, ging das Projekt mit der Nachfolgegeneration um Kurisu-sensei lückenlos weiter: Durch die Kombination von Proteinstruktur-Untersuchungen in Osaka (u.a. auch am Synchroton SPring 8) und Mutantenerzeugung / Funktionsuntersuchung in Bochum konnten wir erst kürzlich die erste cyanobakterielle „Designzelle“ herstellen, die allen unseren Anforderungen gerecht wird und einen wichtigen Zwischenschritt zur H2-Erzeugung darstellt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass den Sabbaticals eine wirklich wichtige Bedeutung zukommt, da sie den Rahmen für Neuentdeckungen, Kreativität und neue Kooperationen schaffen, unabhängig von den Alltagsgeschäften.

Als „Nebeneffekt“ kam hinzu, dass ich immer mit Familie zum Sabbatical ging, sodass es nicht nur eine unvergessliche Familienzeit war, sondern auch eine gute Gelegenheit für meine beiden Töchter, ihre zu Hause erlernten japanischen Sprachkenntnisse in der örtlichen japanischen Schule (manchmal allerdings mit Tränen ...) auf die Probe zu stellen.

(Fortsetzung im nächsten NvC)

 

PUBLIKATIONEN VON CLUB-MITGLIEDERN

Evgeni Starikov

A Different Thermodynamics and Its True Heroes
2019, 872 Seiten
ISBN 9780429506505

Modern thermodynamics is a unique but still not a logically self-consistent field of knowledge. It has a proven universal applicability and significance but its actual potential is still latent. The development of the foundations of thermodynamics was in effect non-stop but absolutely no one has any idea about this.

This book is the first of its kind that will motivate researchers to build up a logically consistent field of thermodynamics. It greatly appreciates the actual depth and potential of thermodynamics which might also be of interest to readers in history and philosophy of scientific research.

The book presents the life stories of the protagonists in detail and allows readers to cast a look at the whole scene of the field by showcasing a significant number of their colleagues whose works have fittingly complemented their achievements. It also tries to trigger a detailed analysis of the reasons why the actual work in this extremely important field has in effect gone astray. It comprises five chapters and introduces three scientists in the first two chapters, which are specifically devoted to the Scandinavian achievements in macroscopic thermodynamics. These introductions are novel and call for a detailed reconsideration of the field. The third chapter acquaints the readers with their fourth colleague in Germany who was working on the proper link between the macroscopic thermodynamics, kinetics, and the atomistic representation of matter. The fourth chapter brings in their fifth colleague in the United States who could formally infer the famous formula S = k * ln(W), ingeniously guessed by Ludwig Boltzmann, and thus clarify the physical sense of the entropy notion. The last chapter summarizes the abovementioned discourses.

 

Julius Weitzdörfer

Verbraucherkreditregulierung in Japan
2020, 440 Seiten
ISBN 978-3-16-156966-1

Mit einer Reform des Kreditrechts reagierte Japan zwischen 2000 und 2010 auf kriminelle Entwicklungen im Geschäft mit Konsumentenkrediten – einem Milliardengeschäft, das durch Zinswucher und unseriöse Inkassopraktiken immense soziale Probleme wie Überschuldung und Schuldnersuizide in hoher Zahl verursacht hatte. Die Verbraucherkreditrechtsreform stellt damit den Versuch der Lösung eines der bedeutendsten sozioökonomischen Probleme des Landes dar. In seiner Dissertation analysiert Julius Weitzdörfer, ehemaliger wissenschaftlicher Assistent im Kompetenzzentrum Japan am Max-Planck-Institut für Privatrecht, die wichtigsten Novellierungen auf Basis 15-jähriger Recherchen zur organisierten Finanzkriminalität in Japan.

Seit der Jahrtausendwende hat sich Japans Verbraucherkreditwesen durch intensive Regulierung, extensive Rechtsprechung und forcierte Strafverfolgung grundlegend gewandelt: Zahlreiche Instrumente zum Schutz des Darlehensschuldners wurden geschaffen, jedoch führte die Regulierung beinahe zum Zusammenbruch des Verbraucherkreditmarktes. Dadurch gehört das Kreditrecht zu einem der rechtspolitisch umstrittensten, in der Gerichtspraxis wichtigsten und in der Gesetzgebung dynamischsten Materien des japanischen Rechts.

Julius Weitzdörfer untersucht das reformierte japanische Kreditrecht in seiner legislativen Vielseitigkeit und analysiert es unter Einbeziehung seiner institutionellen Hintergründe. Im Fokus seiner Untersuchungen stehen besondere Vorschriften des Zivil-, Straf- und Wirtschaftsverwaltungsrechts, die im Zusammenhang mit verbrauchertypischen Barkrediten funktional dem Schutz des Schuldners dienen.

Mit seiner Analyse der Ursachen und Folgen organisierter Kreditkriminalität in Japan sowie der Lösungswege aus rechtssoziologischer und rechtsökonomischer Sicht schließt Julius Weitzdörfer nicht nur eine letzte Forschungslücke im Bereich der Finanzmarktreformen seit Beginn der Japankrise vor 30 Jahren. Auch die Aufarbeitung der weltweiten Neuregulierung von Verbraucherkrediten nach der globalen Finanzkrise wird um Japan ergänzt. Dabei entsteht ein empirisch reichhaltiges Bild des japanischen Zivil-, Straf- und Aufsichtsrechts bis zum Ende der Heisei-Periode.

 

Neue Clubmitglieder

  • Dr. Ulrike Münzner
    Osaka University
    Kyoto University 2018–19*

  • Prof. em. Dr. Harald Kleinschmidt
    University of Tsukuba

* von JSPS/STA geförderter Forschungsaufenthalt in Japan

 

Repräsentation des Clubs auf externen Veranstaltungen

  • 30.09.2020: Mitgliederversammlung der OAG | Heinrich Menkhaus

  • 27.11.2020: Konferenz der Europäischen Wissenschaftlervereinigungen in Japan | Heinrich Menkhaus

  • 04.12.2020: French Research Day in Japan | Heinrich Menkhaus, Wolfgang Staguhn

  • 07.12.2020: European Research Day & Night von EURAXESS Japan | Heinrich Menkhaus

  • 07.12.2020: Virtuelles Stipendiatentreffen von JSPS und AvH | Sabine Ganter-Richter

  • 08.12.2020: Koordinationskreis Forschung der Deutschen Botschaft in Tokyo | Heinrich Menkhaus, Wolfgang Staguhn

 

Termine

  • 07./08.05.2021: neuer Termin für verschobenes japanisch-deutsches Symposium „Bioeconomics“ in Berlin

  • 08.05.2021: Jahresmitgliederversammlung des JSPS-Clubs im Rahmen des Symposiums in Berlin

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Herausgeber:
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Redaktion: Sabine Ganter-Richter, Caroline Hoffmann
Verantwortlich:
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Mitgliederversammlung per ZOOM
8. Mai 2021, 10-12 Uhr
(für mehr Informationen bitte in den
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„Orden der Aufgehenden Sonne am Halsband, goldene Strahlen“ (旭日中綬章) der japanischen Regierung für Club-Mitglieder Prof. Dr. Werner Pascha und Prof. Dr. Peter Hennicke
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