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Neues vom JSPS Club 03/2017

 

Editorial

Förderung der wissenschaftlichen Befassung mit Japan

vom Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Menkhaus

Am 21. Juni 2016 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter dem Titel „Kleine Fächer – Große Potentiale“ eine Richtlinie zur Förderung von wissenschaftlichem Nachwuchs in den geistes- und sozialwissenschaftlichen sog. „Kleinen Fächern“ bekanntgemacht. Darin wird an einer Stelle Japan ausdrücklich in Bezug genommen: Unter den Sprach- und Literaturwissenschaften soll die Japanologie bedacht werden.

Damit wird ein Zusammenhang wiederhergestellt, der seit langem überwunden schien, nämlich zwischen Sprach- und Literaturwissenschaften und Japanologie. Schon die Geschichte der geistes- und sozialwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Japan im deutschen Sprachraum beweist, dass diese sich von Anfang an nicht auf die Methodenfächer der Sprach- und Literaturwissenschaften hat festlegen lassen. In Marburg war es beispielsweise die Geographie und in Wien die Ethnologie. Die Reduzierung auf die Sprach- und Literaturwissenschaften entspricht auch nicht dem Selbstverständnis der Japanologen selbst. Das Kleine Wörterbuch der Japanologie sagt: „Im weiteren Sinne müssen auch die archäologischen, ethnologischen, und soziologischen, die rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Aspekte der Japanologie zugeordnet werden, kurzum die Gesamtheit der geisteswissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit Japan befassen.“

Wenn aber die Beschränkung auf die Methodenfächer der Sprach- und Literaturwissenschaften erfolgt, überrascht es nicht, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Japan als „kleines Fach“ identifiziert wird. Diese Ansicht vermittelt aber nach innen – im deutschsprachigen Bereich, wo sie z.B. auch Einfluss auf die Studierendenstatistiken und auf die Besetzung von Fachgremien ausübt – wie nach außen, insbesondere gegenüber Japan selbst, jedoch auch gegenüber anderen Staaten, in denen es eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Japan gibt, einen völlig falschen Eindruck.

Das Fördererfordernis liegt woanders: Japan ist eine der führenden Technik- und Wirtschaftsnationen der Erde. Es muss deshalb auch als Wissenschaftsstandort wahrgenommen werden. Dazu kann eine möglichst breit angelegte wissenschaftliche Befassung mit Japan selbst erheblich beitragen. Grundlegende Kenntnisse über Japan helfen beispielsweise auch anderen Fachdisziplinen wie den Lebens-, Natur- und Ingenieurwissenschaften, die bereits bestehende oder im Entstehen begriffene Kollaborationen mit japanischen Wissenschaftlern zu erweitern und fruchtbar zu gestalten.

 

VERANSTALTUNGSBERICHTE

JSPS-Club vertreten auf der 17. Nippon Connection

von Vorstandsmitglied Dr. Matthias Hofmann und Club-Mitglied Dr. Anita Hofmann

Dr. Matthias Hofmann informiert Besucher über die
Stipendienprogramme der JSPS (Foto: Dr. Krohmer)

Erstmalig hat der JSPS-Club seine Aktivitäten und die Förderprogramme von JSPS an drei Tagen mit einem Stand auf der Nippon Connection dargestellt. Nippon Connection ist das weltweit größte Filmfestival des japanischen Films und fand in diesem Jahr bereits zum 17. Mal in Frankfurt/Main statt. Gegründet aus einer studentischen Initiative und zu Beginn in den Räumlichkeiten der Goethe Universität angesiedelt, hat sich Nippon Connection zu einer zentralen Veranstaltung der Frankfurter Kulturlandschaft entwickelt und ist an zwei Hauptspielorten, der Naxoshalle und dem Mousonturm im Zentrum des Stadtteils Bornheim, beheimatet. Darüber hinaus finden weitere Veranstaltungen z.B. im Kino des Deutschen Filmmuseums statt. Insgesamt über 100 Kurz- und Langfilme aus Japan, darunter zahlreiche Deutschland-, Europa- und Weltpremieren wurden in diesem Jahr neben einem großen japanbezogenen Rahmenprogramm gezeigt. Das Festival wird dabei nicht nur durch die Stadt Frankfurt und das Land Hessen, sondern auch durch die Japan Foundation und die JaDe-Stiftung unterstützt.

Dres. Anita und Matthias Hofmann am Informationsstand des JSPS-Clubs (Foto: Dr. Krohmer)

Das Festival fand vom 23.–28. Mai 2017 statt, und an drei Tagen (24.–26. Mai) war der JSPS-Club mit einem Informationsstand in der Naxoshalle vertreten. Der Stand wurde durch unsere Mitglieder Dres. Anita und Matthias Hofmann betreut. Sie konnten an den drei Tagen eine Vielzahl von Besuchern über die Stipendienprogramme der JSPS und die Arbeit des Clubs informieren. Besonders an Christi Himmelfahrt, dem 25. Mai, war bereits ab 11 Uhr großer Betrieb in den Veranstaltungshallen und auch am Club-Stand. Vor allem Masterstudierende zeigten großes Interesse an den Informationsbroschüren des JSPS Bonn Office bzgl. der Stipendienmöglichkeiten. Auffallend war, dass viele Studierende überrascht waren, dass man auch als „Nicht-Japanologe“ Stipendien für Japan erhalten kann. Darüber hinaus kam es auch zu Gesprächen mit ehemaligen JSPS Stipendiaten, die bislang noch nicht Mitglieder des Clubs sind und sich durch Ausdrucke des NvC über die aktuellen Clubaktivitäten informieren konnten. Insgesamt haben sich an den Standtagen zwischen 30 und 35 Personen über die Stipendienprogramme der JSPS und die Veranstaltungen des Clubs informiert.

Auch weitere Clubmitglieder (Dr. Julia Krohmer, Dr. Thomas Berberich, Dr. Ralph Pflanzer) aus dem Frankfurter Raum konnten am Stand begrüßt und in die Gespräche mit den Standbesuchern miteingebunden werden.

Aus den Gesprächen und dem Interesse der Veranstaltungsbesucher an den JSPS Stipendienprogrammen lässt sich ableiten, dass eine Veranstaltung wie Nippon Connection, die ein großes Spektrum an japaninteressierten Besuchern anzieht, eine sehr gute Plattform zur öffentlichen Präsentation und Wahrnehmung des Clubs sowie der JSPS Stipendienprogramme darstellen kann. Das abschließende Fazit des dreitägigen Informationsstandes kann als rund herum gelungen bezeichnet werden.

 

JUBILÄUM

RIKEN – 100 Jahre jung

von Club-Mitglied Dr. Anton Myalitsin, RIKEN

Das RIKEN (理研) Institut wurde am 20. März 1917 konstituiert, um mit dem globalen Fortschritt in den Naturwissenschaften Schritt zu halten. Eichi Shibusawa, auch bekannt als der „Vater des japanischen Kapitalismus“, gilt gemeinhin als der Gründungsvater des RIKEN. Zusammen mit Jokichi Takamine und Joji Sakurai rief er das Rikagaku Kenkyūsho (理化学研究所) ins Leben – das „Physikalisch-Chemische Institut“. Als Vorbild für RIKEN diente die Kaiser-Wilhelm Gesellschaft, die heutige Max-Planck-Gesellschaft.

Unter der Leitung von Masatoshi Okochi wurde 1922 die Struktur von RIKEN rundum modernisiert. Die Abteilungen für Physik und Chemie wurden abgeschafft. Stattdessen wurden unabhängige Labore eingesetzt, die von „Chief Scientists“ geleitet wurden. Das System hat sich bis heute gehalten. Diese Labore genießen eine große Autonomie in Bezug auf Forschungsthemen, Personal und Budget. Vor allem im stark hierarchisch strukturierten Japan wird diese Atmosphäre sehr wertgeschätzt und von vielen in Japan lebenden Wissenschaftlern als „Paradies für Forscher“ angesehen.

Der große Durchbruch kam für RIKEN 1924, als es dem Forscher Katsumi Takahashi gelang, das Vitamin A zu isolieren. Zusammen mit der Vermarktung von Umetaro Suzukis kürzlich entwickeltem synthetischen Sake gelang es dem jungen Institut sich auf solide finanzielle Beine zu stellen. Die Fokussierung auf angewandte und kommerziell verwertbare Forschung führte zu stetigem Wachstum des RIKEN in den 1930ern und der ersten Hälfte der 1940er Jahre. Zu seinem Höhepunkt bestand das RIKEN aus 63 Tochtergesellschaften.

Der Elektromagnet des 4ten Zyklotrons, das von 1966–90 in Betrieb war. Ausgestellt vor dem Hauptgebäude des
RIKEN, Wako

Mit dem Eintritt Japans in den Zweiten Weltkrieg 1941 wurde Okochi mit der Entwicklung einer Nuklearwaffe beauftragt. Bei den amerikanischen Luftangriffen im April 1945 wurde das RIKEN jedoch zum großen Teil zerstört, darunter auch die Anlagen zur Urananreicherung, was das Projekt effektiv zum Erliegen brachte. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das japanische Atomprogramm endgültig ad acta gelegt. Die beiden Zyklotrone von Yoshio Nishina wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in der Bucht von Tōkyō an unbekannter Stelle versenkt, wo sie bis heute liegen.

Gedenktafel für die Entdeckung des Elementes 113, Nihonium, am Eingang zum Institut

In den Nachkriegsjahren wurde der RIKEN-Konzern zerschlagen. Die komplette Schließung konnte nur durch persönlichen Einsatz des amerikanischen Wissenschaftlers Harry C. Kelly verhindert werden. 1948 wurde RIKEN als KAKEN wiedergegründet. Trotz der schwierigen Zeiten gab es auch Lichtblicke. So wurde 1949 Hideki Yukawa, der in Nishinas Labor geforscht hatte, als erstem Japaner der Nobelpreis verliehen. Ende der 50er Jahre wurde das Institut in die öffentliche Hand überführt. Zugleich wurde der Name zurück zu RIKEN gewechselt. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum im Jahr 1967 zog RIKEN nach Wako um, einem Vorort von Tōkyō, wo es mehr Platz zum Wachsen hatte. Seit den 1980ern ist RIKEN stetig expandiert. Zunächst wurde 1984 in Tsukuba das Zentrum für Genomforschung eröffnet. 1990 kam das Photonikzentrum in Sendai und 1993 das Robotikforschungszentrum in Nagoya dazu. Später kamen die Zentren für Life Science, Genomforschung und Medizin in Yokohama und Entwicklungsbiologie in Kōbe hinzu. Auch im Ausland wurden neue Büros eröffnet, zunächst im Großbritannien und in den USA. Seit einigen Jahren hat RIKEN auch Vertretungen in Singapur und Peking. Zudem betreibt RIKEN das Spring-8 Zyklotron und den freien Elektronen Laser SACLA in Harima.

Im Jahre 2003 übernahm der Nobelpreisträger Ryoji Noyori die Präsidentschaft, während RIKEN in eine unabhängige Verwaltungskörperschaft überführt wurde. Seit April 2015 zählt RIKEN zu den Nationalen Forschungslaboren in Japan. Als jüngsten internationalen Durchbruch wurde RIKEN im Dezember 2015 die Entdeckung des Elements 113 international zuerkannt und damit das Recht auf die Namensgebung erteilt.

Es ist damit das erste Element, das in Asien offiziell benannt werden durfte. Im Juni 2016 entschied man sich für Nihonium (Symbol Nh) als Elementname, mit Referenz auf Japan (Nihon).

Am 23. Oktober 2017 feierte RIKEN sein 100-jähriges Bestehen. Auch nach so vielen Jahren wechselreicher und spannender Geschichte kann es zuversichtlich in die Zukunft blicken.

 

KONFERENZFÖRDERUNG

SUDre – Workshop über nachhaltige universitäre Energieversorgung in Mitaka/Tōkyō

von den Club-Mitgliedern Prof. Dr. Olaf Karthaus, Prof. Dr. Wilfried Wunderlich, Prof. Dr. Eckhard Hitzer

SUDre ist ein englisches Akronym zur nachhaltigen Entwicklung von Universitäten (sustainable university development) mit Schwerpunkt auf erneuerbare Energien. Unser Mitglied Eckhard Hitzer organisierte am 27. Mai 2017 mithilfe seiner Kollegen an der Internationalen Christlichen Universität (ICU) und von fünf weiteren japanischen Universitäten unterstützt diesen eintägigen, intensiven Workshop. Finanzielle Unterstützung wurde von der Japan ICU Foundation in New York und dem JSPS-Club gewährt; auch die österreichische Botschaft, Teaspoons of Change (NPO) und eine Vielzahl von freiwilligen Helfern unterstützten das Organisationsteam. Die Englisch und Japanisch simultan übersetzten 20 Redner aus sechs Ländern diskutierten zusammen mit fünf Moderatoren und insgesamt fast 120 Teilnehmern in einem schönen Hörsaal der ICU in Mikata/Tōkyō, der von drei Seiten mit großen, grünen Bäumen umsäumt ist.

Bei der Herausforderung unsere Umwelt nachhaltig zu schützen und zu bewahren, spielen Universitäten in der Ausbildung der nächsten Generation von Verantwortlichen eine wichtige Rolle. In einer vorausgehenden Seminarreihe hatte sich die Idee herausgebildet, alle Redner zusammenzubringen, um Gemeinsames zu vollbringen; das Vorhaben wurde nun erstmals realisiert und kann als voller Erfolg gewertet werden.

Das eröffnende Grußwort sprach der Botschafter von Island in Japan, Herr Hannes Heimisson, über die nationale Bedeutung von erneuerbarer Energie für sein Land und für die enge Partnerschaft mit Japan auf diesem Gebiet, gefolgt von unserem Mitglied Olaf Karthaus, der den Club kurz vorstellte und auch dessen finanzielle Unterstützung des Workshops erwähnte.

Die universitäre Nutzung erneuerbarer Energien wie Wind, Solar, Erdwärme und Biomasse war der Schwerpunkt der Workshops und wurde ergänzt durch den Hauptvortrag von Prof. Gudni A. Johannesson (Generaldirektor der nationalen Energieagentur von Island) über vielfältige Aspekte der Geothermie, Management von Energiequalität, Innenklima, Beleuchtung, thermischen Komfort, Wasserversorgung, Energiespeicherung, Energieverteilung, konkret mögliche Handlungsempfehlungen und Forschungsfragen.

Gruppenfoto (Foto: Hana Kamio)

Er stellte fest, dass die so wörtlich „unbegrenzte Phantasie von Ideen“ der Hochschuldozierenden – u.a. neue Projekte zur Nutzung von Erdwärme und heißen Quellen – gefördert werden sollten. Erdwärme zur Stromerzeugung ist besonders in Island und Japan sehr aussichtsreich. Geothermische Restwärme sollte direkt zur Klimatisierung von Wohnraum genutzt werden, was weltweit überall möglich ist. Der geothermische Anteil an Islands Elektrizitätsversorgung steigt von Jahr zu Jahr weiter an, und erreichte 2015 30%, der Rest wird von Wasserkraft gedeckt.

Der japanische Experte für erneuerbare Energie, Prof. Izumi Ushiyama (ehemaliger Präsident des Ashikaga Institute of Technology), konnte seine Studenten motivieren, gleich eine ganze Sammlung von verschiedenen Windrädern, Solarpanels und Bioenergieanlagen zu bauen, und zeigte, dass die Kombination aller drei Methoden in der Tat eine zuverlässige Energieversorgung gewährleisten kann. Diese Diversifizierung in Form eines Minigrids ist gleichzeitig unabhängig vom Netz mit inerter Sicherheit gegen Naturkatastrophen, politische Veränderungen oder Zerstörung. Dr. Tsuyoshi Yoshioka (Institute of Sustainable Energy Policy) stellte eine neuartige Wärmepumpe nach dem Prinzip japanischer Klimaanlagen vor, bei der anstelle des Wärmeaustausches mit Oberflächenluft dieser in zehn Meter Tiefe mit der Erde stattfindet. Die bereits über 2200 installierten Anlagen, vor allem im Norden Japans, sind sehr erfolgreich und ihre Zahl steigt stetig an. „Jeder noch so kleine Beitrag“, die sogenannte „Teelöffel-Veränderung“, kann zur Umweltbewahrung beisteuern, ist die wichtigste These des australischen Gründers d’Arcy Lunn der Nicht-Regierungs-Organisation Teaspoons of Change. Durch Apelle wie „Kleine Aktionen, große Wirkung“ oder „Lokale Aktionen haben globale Wirkung“ versucht er das Bewusstsein für die Umwelt zu schärfen und mit Crowdfunding nachhaltige Projekte zu betreiben. Er baut Brücken zwischen denen, die Gutes wollen, und denen, die Gutes tun. Sein Foto von einem selbst gebauten Minihaus mit Nullenergieverbrauch wurde in der Diskussion so kommentiert, dass es in der Nähe der ICU bereits ein Ein-Tatami-Haus gäbe. Unter den Zuhörern gab es überraschend viele Bürger und Mitglieder von NPOs, die an solchen Beispielen sehr interessiert waren. So fragte eine Frau, wie sie auf Anfragen und Sticheleien von Nachbarn reagieren soll, die ihre Umweltaktionen belächelten.

Weitere Vorträge dokumentierten die erfolgreiche Umstellung auf fast vollständig erneuerbare Energieversorgung: eine dänische Müllverbrennungsanlage mit dem Spitznamen „Nimby = not in my back yard“ (nicht in meinem Hinterhof) oder eine Kunstaktion zum Weltkulturerbe Dänemarks. Weitere Vorträge behandelten Projekte von IKEA zur Umstellung auf 100%ige Versorgung mit erneuerbarer Energie, einer Solaranlage auf dem Dach einer philippinischen Universität, sowie von zwei Unternehmen zur Biomassenenergieerzeugung mittels Holzvergasung und Kraftwärmekopplung. Der Bürgermeister der kleinen japanischen Stadt Maniwa in der Präfektur Okayama stellte eine wachsende Biomassenenergieversorgung städtischer Einrichtungen und privater Unternehmen vor. Prof. Yurika Ayukawa von der Chiba University of Commerce berichtet von mehreren Aktionen, bei denen Studenten durch das Zählen von Neonröhren, Thermokamerabildgebung und der Berechnung des Energiespareffekts von LEDs, ihr Bewusstsein schärfen, und zu einem regierungsgeförderten Projekt der Universität zur Umstellung auf 100% Versorgung mit erneuerbarer Energie beitragen.

Eckhard Hitzer (links), Keynote-Sprecher Prof. Johannesson (Fotos: W. Wunderlich)

Die Podiumsdiskussionen verdeutlichten, dass Energieversorgung ein typisches systemingenieur-wissenschaftliches Problem ist. Einerseits sind für Laien wichtige Details oft nur schwer zu verstehen und zu beurteilen; wie Fragen zu Amortisierung von erneuerbaren Energieanlagen. Andererseits sind neue Innovationen gefragt. Zum Beispiel der Einsatz des IoT (Internet of Things) und das Auswerten der Verbrauchsdaten (big data) kann durch geschickte Umverteilung von Energienachfrage und -versorgung zu erheblichen Einsparungen führen. Auch das Dilemma der Universitäten wurde deutlich. Während sie natürlich in der Pflicht stehen, in der Ausbildung neueste Erkenntnisse und Technologien zu vermitteln, fehlt ihnen andererseits oft das Detailwissen zur Ermittlung der für sie optimalen technischen Lösungen, die auch langfristig wirtschaftlich sind. Wenn sich jedoch private Investoren oder eine praxiserfahrene Umweltorganisation als Partner finden, und auf diese Weise gemeinsam ein unternehmerisch und ökologisch sinnvolles, medienwirksames Vorzeigeprojekt entsteht, ist beiden geholfen.

Der Abend endete mit dem Dokumentarfilm „Japan und Atomkraft“ (Nihon to genpatsu 日本と原発) von Hiroyuki Kawai, einem bekannten japanischen Rechtsanwalt, der Bürgerinteressen in der Anti-Atomkraft-Bewegung aktiv vertritt. In dem Film bezeugt unter anderem der ehemalige Ministerpräsident Jun'ichirō Koizumi sehr deutlich, dass Japan bestens mit natürlichen Quellen erneuerbarer Energie ausgestattet sei, und diesen klaren Vorzug vor riskanter Atomkraft und teuren umweltbelastenden fossilen Energieträgern geben sollte.

Wir leben in einem Zeitalter eines subtilen Lobbyismus, dem die Gesellschaft und selbst neutrale Wissensexperten und Wissenschaftsorganisationen oft mehr oder weniger ungewollt zum Opfer fallen. Wenn Verantwortliche oder Politiker es nicht schaffen, die Umwelt zu bewahren, so bleibt immer noch der moralische Wille der Bürger, lokale Umweltinitiativen und lokale Projekte zur erneuerbaren Energieversorgung, selbständige Bürgerinformation (citizen science) usw. Deutschland hat mit der Energiewende die Zeichen der Zeit erkannt und sieht die Förderung erneuerbarer Energien als Investition in die eigene Zukunft an. Es bleibt zu hoffen, dass sich durch solche Vortragsveranstaltungen alle an japanischen Universitäten beteiligten Studenten, Professoren, technische Mitarbeiter, Verwaltungskräfte und Aufsichtsräte sowie alle verantwortungsbewussten Bürger motiviert fühlen, sich für eine nachhaltige umweltfreundliche Energieversorgung von Universitäten und in der Zukunft von ganz Japan zu engagieren.

Auch für das leibliche Wohl der Teilnehmer war mit fair gehandeltem Kaffee, biologischem Tee, biologischen obentō, Kuchen und Pizzen (von unserem Mitglied Olaf Karthaus organisiert) aus Bäckereien, die Behinderte beschäftigen, bestens gesorgt. Über 20 motivierte studentische Freiwillige hatten wesentlichen Anteil am Erfolg des Workshops.

Weitere Informationen (Programm, Vortragsunterlagen, Bilder, etc.) zu SUDre2017 finden Sie hier: https://sudworkshops.wordpress.com/

 

Hallo Deutschland 2017 und der 11. Deutsch-Japanische Youth Summit

von Ariane Herold, Deutsch-Japanische Jugendgesellschaft e.V.

Ende August kamen erneut 40 junge Menschen im Alter von 18–30 Jahren aus Deutschland und Japan zu einem Jugendgipfel zusammen, um sich über Themen aus den Bereichen Politik, Bildung, Kultur, Umwelt und Gesellschaft auszutauschen. In diesem Jahr stand der von der Deutsch-Japanischen Jugendgesellschaf (DJJG) und dem Japanisch-Deutschen Jugendnetzwerk organisierte Austausch unter dem Motto: „Freiheit – mit Grenzen?“

Der Alltag junger Menschen wird zunehmend durch häufige Arbeits- und Wohnortwechsel, die Sozialen Medien oder durch unendliche Konsumoptionen geprägt. Möglichkeiten und Ressourcen erscheinen unerschöpflich. Doch haben alle Menschen in Deutschland und Japan die gleichen Chancen auf diese Vielfalt? Wird die Zahl der Optionen auch in Zukunft weiterwachsen? Welche Hindernisse gibt es?

Die Teilnehmenden aus sämtlichen Studien- und Berufszweigen recherchierten in Hamburg und Berlin zu folgenden Fragen:

  • Politik ohne Jugend – Politik ohne Zukunft: Findet die Stimme der Jugend angesichts des demographischen Wandels überhaupt noch Gehör?
  • Bildung auf Umwegen – Führen auch Alternativen zum Erfolg?
  • Kulturelle Identität – Was macht uns zu dem, was wir sind?
  • Unser Konsum – die Grenzen der anderen? Wie lokaler Konsum zu globalen Wasserproblemen führt.
  • Wie das Internet unsere Meinung beeinflusst (Stichwort „Fake-News“).

Teilnehmer des 11. Deutsch-Japanischen Youth Summit

Zu ihren jeweiligen Themen besuchten sie Forschungseinrichtungen, Ministerien und Parteien, NGOs, Medienhäuser und weitere spannende Orte. Die Erlebnisse des Tages wurden in den Gruppen angeregt diskutiert und mit eigenen Erfahrungen abgeglichen. DolmetscherInnen unterstützten bei den Terminen; die Diskussionen sowie die Erarbeitung der Abschlusspräsentationen mussten die Teilnehmenden, die allesamt über grundlegende Deutsch- und Japanisch-Kenntnisse verfügten, aber bewusst selbst bewältigen.

Alle Gruppen stellten ihre Ergebnisse am 2. September im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) einem interessierten Publikum vor. Neben der stellvertretenden Generalsekretärin des JDZB, Frau Tokiko Kiyota, richteten auch Frau Dr. Julia Münch, Mitglied im Vorstand des Verbandes der Deutsch-Japanischen Gesellschaften, sowie Herr Dr. Matthias Hofmann vom JSPS-Club Grußworte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten: Die durchaus sehenswerten Präsentationen können über unseren YouTube-Kanal „DJJGev“ ab-gerufen werden. Neben den inhaltlichen Ergebnissen sind es aber vor allem auch die vielen Anregungen, interkulturellen Aha-Erlebnisse und Freundschaften, die unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit nach Hause nehmen. Wir freuen uns daher bereits auf die Fortsetzung unseres Programms im nächsten Jahr in Japan.

Großer Dank gilt wie immer unseren zahlreichen Förderern, Unterstützern und Ehrenamtlichen, die dieses Programm ermöglicht haben. Hierzu zählt das Engagement der Botschaft von Japan, des JDZB, der Robert Bosch Stiftung, des Bankhaus Metzler, der Deutsch-Japanischen Gesellschaften in Rostock (Ausflugsprogramm) und Lüneburg (Organisation Homestay für die japanischen Teilnehmer vor Beginn des Youth Summit) sowie des Verbandes der Deutsch-Japanischen Gesellschaften, der JDG Tōkyō sowie des JSPS-Club.

 

Konferenz „EXA – Exotic Atoms and Related Topics” www.exa2017.at

vom Länderbeauftragten des Clubs in Österreich Prof. Dr. Eberhard Widmann

Konferenzteilnehmer während der Eröffnung im Theatersaal der ÖAW

Das Stefan-Meyer-Institut für Subatomare Physik (SMI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) organisierte zum nun 6. Mal die EXA-Konferenz im Theatersaal der ÖAW in Wien.

Diese Konferenz wurde im Jahr 2002 etabliert und umfasst die Themengebiete aus dem Forschungsportfolio des Instituts, das sich traditionell mit dem Studium exotischer Atome (Atome, bei denen ein Elektron durch ein anderes negativ geladenes Elementarteilchen ersetzt wird) befasst. Diese Atome dienen dazu, die Eigenschaften (z.B. die Masse) der Elementarteilchen sowie deren Wechselwirkung mit dem Atomkern zu untersuchen.

Seit der Berufung von Prof. Eberhard Widmann, dem Beauftragten des Clubs für Österreich, zum SMI Direktor hat sich das Forschungsprogramm stetig erweitert und schließt nun die Untersuchung von Antimaterie am CERN, den Neutronenzerfall und das Studium von durch die starke Wechselwirkung (eine der vier fundamentalen Wechselwirkungen) gebundenen Systemen bis hin zu Schwerionenstößen bei höchsten Energien bei ALICE am LHC ein.

Das Themenfeld ist durch eine starke Präsenz von japanischen Gruppen sowie japanischer Forschungseinrichtungen gekennzeichnet, an denen einige der Experimente stattfinden. Das SMI ist durch das von Direktor E. Widmann eingebrachte Netzwerk mit Kollegen der Universitäten Tōkyō, Kyōto, Hiroshima und Sendai, des RIKEN (Wako, Saitama), des Research Centers for Nuclear Physics der Universität Ōsaka und anderen japanischen Einrichtungen in Kollaborationen an Experimenten in Europa und Japan beteiligt. Bei den japanischen Forschungszentren handelt es sich um die KEK (High Energy Accelerator Research Organisation) in Tsukuba (Ibaraki) und die neue J-PARC Anlage (Japan Proton Accelerator Complex) in Tōkai, ebenfalls in der Präfektur Ibaraki gelegen.

Die Konferenz fand vom 10.–15. September 2017 in Wien statt. Mehr als 120 Teilnehmer hielten 67 Vorträge in 14 Plenarsitzungen und acht Parallelsitzungen. Zwölf Vorträge wurden von japanischen Kollegen gehalten, darunter Übersichtsvorträge über das BELLE Experiment der KEK und das Forschungsprogramm der J-PARC Anlage. Weitere Teilnehmer kamen aus Österreich, Bulgarien, Tschechien, Canada, Kroatien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Iran, Israel, Italien, Holland, Polen, Russland, Schweiz und den Vereinigten Staaten. 18 Poster wurden in einer eigenen Sitzung vor allem von Diplomanden und Doktoranden gezeigt. Aber auch für Entspannung war gesorgt: neben den traditionellen Programmpunkten wie Willkommensempfang am SMI und Konferenzdinner spielte während und nach der Poster-Session ein aus Musikstudenten bestehendes Jazztrio, das Aseo Friesacher Trio, dessen Bandleader – passend zum Charakter der Konferenz – Wurzeln in Österreich und Japan hat.

Aufgrund des Erfolges wird die vom JSPS-Club unterstützte Konferenz in drei Jahren wieder in Wien stattfinden.

 

PREISE / AUSZEICHNUNGEN

JSPS Alumni Club Award 2017

vom Länderbeauftragten des Clubs in Österreich Prof. Dr. Eberhard Widmann und von Club-Mitglied Dr. Iris Mach

Preisverleihung des JSPS Alumni Club Award 2017 an Dr. Mach durch Prof. Dr. Menkhaus

Der JSPS Alumni Club Award 2017 wurde am 19. Mai im Rahmen des diesjährigen deutsch-japanischen Symposiums in Ulm vom Vorstandvorsitzenden des JSPS-Clubs, Prof. Heinrich Menkhaus, an Dipl.-Ing. Dr. techn. Iris Mach verliehen. Dr. Mach ist Leiterin des Japan Austria Science Exchange Center (JASEC) der Technischen Universität Wien, einer interdisziplinären Serviceeinrichtung zur Koordinierung des wissenschaftlichen Austausches zwischen den Fakultäten der TU Wien und japanischen Forschungseinrichtungen.

Die Kooperation zwischen der TU Wien und Japan hat bereits seit über 35 Jahren Bestand. Sie wurde durch Prof. Simoncsics begründet, der 1981 das erste wissenschaftliche Kooperationsabkommen mit der University of Tōkyō initiiert hatte, das einen Austausch von etwa ein bis zwei StudentInnen pro Jahr in beide Richtungen ermöglichte. Um auch die Forschungskooperation zu fördern, wurde an der TU Wien im Jahr 2000 ein internationales Symposium mit Ausstellung zum Thema „Disaster Mitigation“ organisiert, an dem 20 österreichische und 25 japanische Experten aus den Bereichen Erdbeben, Überschwemmungen, Hangrutsch, Lawinen, Klima und Informationssysteme teilnahmen. In Folge wurden an der TU Wien sogenannte „forschungsgeleitete Entwerfen“ zum Thema Katastrophenschutz eingeführt, die der Entwicklung von katastrophensicheren Gebäude und/oder Krisenzentren für die Unterbringung von Katastrophenopfern in Kooperation mit japanischen Experten dienen sollten. Japanische Kooperationspartner waren z.B. im Bereich Erdbeben Prof. Shimazaki von der Tōkai University und Prof. Kobori von der Kajima Corporation, sowie im Bereich Hangrutsch Prof. Marui von der Niigata University in Zusammenarbeit mit Betreuern und Experten von der TU Wien.

Im Rahmen der Teilnahme an einem solchen Entwerfen gewann Dr. Iris Mach im Jahr 2002 den 2. Preis bei einem Studentenwettbewerb mit einem gegen Hangrutsch geschützten Kulturzentrum für die Präfektur Niigata und konnte erstmals für vier Wochen nach Japan reisen. Auf Basis dieser Eindrücke verfasste sie ihre Masterarbeit über einen architektonischen Vergleich der finnischen Sauna und des japanischen Teehauses und schloss ihr Diplomstudium im Jahr 2004 mit Auszeichnung ab.

Als Studienassistentin von Prof. Simoncsics folgten von 2002 bis 2006 jährliche etwa 1-monatige Forschungsreisen, bei denen sie auch zahlreiche Kontakte in Japan knüpfen konnte, so z.B. hinsichtlich der Forschungsthemen traditionelle japanische Architektur und erdbebensicheres Bauen an der University of Tōkyō und dem Kyōto Institute of Technology im Jahr 2004 sowie anlässlich eines Forschungsprojektes zum Wiederaufbau nach dem Chūetsu Erdbeben am INTER-PRAEVENT Kongress im Jahr 2006.

Während ihres Doktoratsstudiums verbrachte Dr. Mach von 2007–2009 18 Monate als Monbuka-gakusho-Stipendiatin an der University of Tōkyō, wo sie zum Thema „Vom Teehaus zum Themenpark – Rauminszenierung in der japanischen Architektur“ forschte. Ihre Dissertation schloss sie im Jahr 2010 an der TU Wien mit Auszeichnung ab und erhielt gleich im Anschluss ein JSPS short term postdoctoral fellowship für einen einmonatigen Aufenthalt an der University of Tōkyō, wo sie sich wiederum dem Thema Katastrophenschutz widmete und am Institut von Prof. Takada, einem langjährigen Kooperationspartner, über Notunterkünfte für Katastrophenopfer forschte. Im Jahr 2011 fand das 30-jährige Jubiläum der Kooperation zwischen der TU Wien und der University of Tōkyō statt, welches sowohl in Wien als auch Tōkyō feierlich begangen wurde.

Während der gesamten Zeit war sie als Assistentin an der sogenannten „Key Station“ beschäftigt, die damals die Kooperation der TU Wien mit Japan koordinierte, und betreute neben dem Studentenaustausch auch die Lehrveranstaltungen „Angewandte Ästhetik“ und „Disaster Mitigation“.

Aufgrund der langjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit mit Japan entschied das Rektorat der TU Wien im Jahr 2014, die Key Station in eine eigenständige, überfakultäre Organisationseinheit umzuwandeln und unter der Bezeichnung „JASEC“ (Japan Austria Science Exchange Center) als zentrale Japan-Koordinationsstelle für sämtliche Fachrichtungen der TU Wien einzurichten.

Als Nachfolgerin von Prof. Simoncsics wurde Dr. Mach mit der Leitung betraut und wechselte in Folge als Senior Scientist von der Architekturfakultät in das Vizerektorat für Forschung, wo sie sich neben ihrer eigenen Forschung nun überwiegend der Koordination der Aktivitäten zwischen der TU Wien und japanischen Partneruniversitäten widmet. Deren Zahl ist mittlerweile auf 14 angewachsen und auch der Studentenaustausch hat sich von ursprünglich ein bis zwei pro Jahr auf bis zu acht ForschungsstipendiatInnen pro Semester in beide Richtungen erhöht. Außerdem bietet JASEC Unterstützung bei Förderanträgen sowie bei der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern in Japan.

Neben diesen Dienstleistungen wird auch ein Japanisch-Sprachkurs für TU StudentInnen, sowie ein Arbeitsraum für japanische StipendiatInnen angeboten, da es JASEC ein Anliegen ist, neben der wissenschaftlichen Kooperation auch das gegenseitige sprachliche und kulturelle Verständnis sowie die Vernetzung von StudentInnen und WissenschaftlerInnen auf einer persönlichen Ebene zu fördern.

Weitere Informationen auf der Homepage des JASEC.

 

Eugen und Ilse Seibold-Preis der DFG für Clubmitglied Prof. Dr.-Ing. Thomas Bock

von Vorstandsmitglied Dr. Chantal Weber

Der JSPS-Club gratuliert herzlich unserem Mitglied Prof. Dr.-Ing. Thomas Bock zum Erhalt des diesjährigen Eugen und Ilse Siebold-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Preisverleihung fand am 10. Oktober in Bonn statt. Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Staguhn vertrat den JSPS-Club bei der Veranstaltung.

Von rechts nach links: Dr. Ursula Seibold-Bultmann, Tochter des Stifterehepaars, Preisträger Prof. Dr. Takeshi Tsubata, Preisträger Prof. Dr. Thomas Bock, Prof. Dr. Katja Becker, Vizepräsidentin der DFG

Prof. Bock wird zusammen mit Prof. Dr. Takeshi Tsubata ausgezeichnet. In der offiziellen Begründung heißt es: „Takeshi Tsubata und Thomas Bock sind nicht nur in ihrem jeweiligen Land und in ihrem Fach als hervorragende Wissenschaftler bekannt. Sie genießen auch im jeweils anderen Land hohes Ansehen und haben in besonderer Weise zum deutsch-japanischen Verständnis beigetragen – sei es auf fachwissenschaftlicher Ebene, in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, in der Gremienarbeit oder in der Politikberatung.“

Prof. Bock studierte Bauingenieurwesen und Architektur an der Universität Stuttgart sowie am Illinois Institute of Technology (IIT) in Chicago, bevor er als Stipendiat des japanischen Kulturministeriums (Monbukagakusho) an die Universität Tōkyō wechselte und dort mit einer Arbeit zum Thema „A Study on Robot-oriented Construction and Building System“ promoviert wurde. 1989 erhielt er einen Ruf an die Professur für Automatisierung im Baubetrieb an der Bauingenieurfakultät der Universität Karlsruhe (TH, ab 2009 Karlsruher Institut für Technologie), um dann 1997 an die TU München als Ordinarius für Baurealisierung und Bauinformatik (jetzt: Baurealisierung und Baurobotik) zu wechseln. Dort war er maßgeblich am Aufbau von Austauschprogrammen mit verschiedenen japanischen Universitäten beteiligt. Darüber hinaus initiierte er 2002 das „Architecture and Urbanism Student Mobility International Program“ (AUSMIP) der Europäischen Union, welches einen interdisziplinären Austausch mit Japan zum Ziel hat. 2011 erhielt Prof. Bock für seine Verdienste um die deutsch-japanischen Beziehungen eine Auszeichnung des japanischen Außenministers.

Die Laudation während der Preisverleihung in Bonn hob neben den zahlreichen internationalen Kooperationen von Prof. Bock seine Rolle im wissenschaftlichen Austausch hervor. Besonders zeichnen ihn innovative Ansätze für schwierige Problemstellung aus, in dem er neben der Robotik in der Baurealisierung auch (japanische) traditionellen Methoden in seine Lösungsansätze einbezieht.

Der Eugen und Ilse Seibold-Preis wird seit 1994 alle zwei Jahre ausgelobt und an einen japanischen und einen deutschen Wissenschaftler verliehen, die sich in besonderer Weise zum Verständnis des jeweils anderen Landes beigetragen haben. Der Club gratuliert Herrn Prof. Bock herzlich zu dieser außerordentlichen Auszeichnung!

Weitere Informationen zur Person und zu Projekten von Prof. Dr.-Ing. Thomas Bock siehe: http://www.professoren.tum.de/de/bock-thomas/

Weitere Informationen zum Eugen und Ilse Seibold-Preis der DFG siehe: http://www.dfg.de/foerderung/programme/preise/seibold-preis/index.html

Pressemitteilung der DFG vom 7. Juli 2017

 

PUBLIKATIONEN VON CLUB-MITGLIEDERN

Japans Ansatz zur Förderung der Arbeit im Alter
Altersbeschäftigung im japanischen Mittelstand des verarbeitenden Gewerbes

Monographie. XII, 726 Seiten, 2017
ISBN 978-3-11-052845-9

Alexander Paul Witzke (Universität Bonn)

Die Verlängerung von Lebensarbeitszeit gilt als Schlüssel zur Bewältigung des Bevölkerungswandels. So universell die korrespondierenden Herausforderungen, so unterschiedlich präsentieren sich jedoch die nationalen Voraussetzungen. Mit Interesse fällt daher der Blick auf Japan – einem Pionier der demographischen Entwicklung wie auch der ökonomischen Teilhabe im Alter.

Selbstredend wird der japanischen Stellung bei der Förderung von Altersbeschäftigung keine monokausale Erklärung gerecht. Die unternehmensinterne Verlängerung von Erwerbsbiographien über das betriebliche Rentenalter hinaus muss jedoch als wesentlich angesehen werden. Diesen Maßnahmen zur betrieblichen Beschäftigungsverlängerung widmet sich die hiesige Monographie. Wie funktionieren diese Systeme bezüglich der Gestaltung von Arbeitsinhalt und Beschäftigungskonditionen? Welche Motive speisen die Verlängerung der Beschäftigungsdauer von Seiten der Unternehmen und ihrer Beschäftigten? Und zu welchem Urteil gelangen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der Beurteilung dieser Instrumentarien? Dies sind die leitenden Forschungsfragen im Rahmen einer multiperspektivischen Untersuchung der Altersbeschäftigung durch kleine und mittlere Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Japan an der Schnittstelle von betriebswirtschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Betrachtungsweise.

Der einleitende Teil dient der multidisziplinären Einordnung des Untersuchungsgegenstands. Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung und ihre sozioökonomischen Implikationen, die Stellung Älterer auf Arbeitsmärkten, die rechtliche Grundlage zur Förderung von Altersarbeit oder einhergehende Interessenskonstellationen der Sozialpartner werden in diesem Sinne thematisiert. Folgende Kapitel rücken die Resultate der quantitativen wie qualitativen Studie von Strukturrahmen, Motivation und Evaluation der betrieblichen Beschäftigungsfortsetzung in den Mittelpunkt. Die Bilanzierung der gängigen Fortbeschäftigungspraxis diskutiert Auswirkungen auf den Dualismus japanischer Wirtschaftsstrukturen sowie sozialer Stratifikationstendenzen. Präsentiert wird ferner eine Typologisierung der Funktionsweise von Fortbeschäftigung im Spiegelbild von Unternehmensgrößen, die zur weiteren Auseinandersetzung einlädt. Abschließende Passagen sind einer Debatte der zukünftigen Aussichten der Arbeit im Alter in Japan vorbehalten, die zumindest langfristig einen Paradigmenwechsel der beschäftigungspolitischen Leitplanken Japans in Form einer Abschaffung des betrieblichen Rentenalters ratsam erscheinen lässt.

Denn angesichts identifizierter Schattenseiten mit mikro- und makroökonomischer wie sozialer Brisanz ist auch in der betrieblichen Beschäftigungsfortsetzung kein Königsweg der Förderung von Altersarbeit erkennbar, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen zu Gute kommt. Die betrieblich zumeist erforderliche Absenkung des Gehaltsniveaus, die aus Arbeitnehmersicht kaum überraschend auf wenig Gegenliebe stößt, ist hierbei hervorzuheben. Und doch kann dieser Mechanismus gemäß seiner diversen Implementierungsformen zugleich als Reflektion von second-career, gradual retirement oder work-life-balance (im Alter) dienen. Konzepte, die förderlich zur Stärkung wirtschaftlicher Teilhabe im Alter betrachtet werden, ohne jedoch etwa in Deutschland bislang tiefer greifende Verankerung zu finden. Angesicht auch positiver Deutungsformen wie dieser, verbleibt die betriebliche Beschäftigungsfortsetzung in Japan als Komponente einer international vitalen Debatte um Möglichkeiten der Stärkung von Altersarbeit. Denn auch Inspirationen zur Öffnung von Denkens- und Handlungstraditionen europäischer Beschäftigungspartner können hierdurch an Kontur gewinnen.

 

Repräsentation des Clubs auf externen Veranstaltungen

  • 08.09.2017: JSPS-Abend in Bonn | Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, Sabine Ganter-Richter, Dr. Wolfgang Staguhn, Dr. Matthias Hofmann, Dr. Arnulf Jäger-Waldau, Prof. Dr. Eberhard Widmann

  • 02.10.2017: DJW Symposium „Wasserstoffwirtschaft – Die Realisierung einer Vision? Japanische und deutsche Ansätze“ in Tōkyō | Prof. Dr. Heinrich Menkhaus

  • 07.10.2017: Besuch einer Delegation der Universität Bonn an der Universität Waseda | Prof. Dr. Heinrich Menkhaus

  • 10.10.2017: Verleihung des Eugen und Ilse Seibold-Preis 2017 | Dr. Wolfgang Staguhn

  • 16.10.2017: Wissenschaftlicher Gesprächskreis mit Referentin Prof. Dr. Yoko Kawamura im DAAD in Tōkyō | Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, Sabine Ganter-Richter

  • 18./19.10.2017: 2017 Blue Planet Prize Commemorative Lectures in Tōkyō | Prof. Dr. Heinrich Menkhaus

  • 18.–20.10.2017: Netzwerktagung der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bielefeld | Dr. Wolfgang Staguhn

  • 27./28.10.2017: Vertretung des Clubs bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Humboldtianer e.V. (DGH) | Dr. Wolfgang Staguhn

  • 01./02.11.2017: VSJF Annual Conference in Wien | Prof. Dr. Eberhard Widmann

 

Termine

  • 20./21.04.2018: Japanisch-Deutsches Symposium, Frankfurt

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Impressum

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Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
Redaktion: Dr. Chantal Weber
Mitarbeit: Laura Johnen
Verantwortlich:
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