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Neues vom JSPS Club 03/2015

 

EDITORIAL

vom Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Menkhaus

Am 6. Juli 2015 wurde die Ausstellung „Was Deutschland und Japan verbindet – 150 Jahre Freundschaft zwischen Deutschland und Japan“ im Nationalmuseum für japanische Geschichte in Sakura, Präfektur Chiba, feierlich eröffnet. Anlässlich der Eröffnungsfeier fand eine Veranstaltung mit dem Titel „Zusammenkunft von Vertretern von Freundschaftsorganisationen und Partnerstädten sowie Regionen aus Japan und Deutschland“ statt.

In die Zusammenkunft selbst wurde durch eine pragmatische Rede des Vorsitzenden des Verbandes der Deutsch-Japanischen Gesellschaften, Dr. Ruprecht Vondran, eingeführt, der unter Rückgriff auf Zitate von deutschen und japanischen Autoren, grundlegende Probleme der Zusammenarbeit ansprach. Anschließend diskutierten die Repräsentanten der deutschen und japanischen Partnerstädte in einer Gruppe und die Repräsentanten der deutsch-japanischen bzw. japanisch-deutschen Gesellschaften in einer anderen Gruppe etwa 30 Minuten über das vom Veranstalter vorgegebene Thema der „weiteren Vertiefung der bilateralen Beziehungen“. Als Vertreter des JSPS-Clubs nahm der Verfasser an der zweiten Gruppe teil, in der Redner, die sich vorher angemeldet hatten, zu Wort kommen sollten. Aus Zeitmangel wurde dies jedoch nur einem Teil ermöglicht, und diese beschränkten sich meist auf eine Wiederholung der schon im Anlageband zum Ausstellungskatalog genannten Punkte. In diesem Anlageband hatten die teilnehmenden Organisationen Gelegenheit erhalten, sich vorzustellen.

Die Idee, eine solche Partnerkonferenz ins Leben zu rufen, ist gut und die Verknüpfung mit einer Ausstellung, die mehr als 150 Jahre bilaterale Geschichte abbildet, auch. Denn eine Plattform für den gegenseitigen Meinungsaustausch haben bisher nur die Verbände der Deutsch-Japanischen und Japanisch-Deutschen Gesellschaften, die in der Tat „Partnerkonferenz“ genannt, aber viel zu wenig genutzt wird.

Dabei liegen die diskussionswürdigen Punkte auf der Hand, wie die Rede des Vorsitzenden des Verbandes der deutsch-japanischen Gesellschaften, die leider völlig ohne „Gegenrede“ von japanischer Seite blieb, deutlich gemacht haben dürfte. Es geht doch immer darum: Welche Formate gegenseitiger Zusammenarbeit sich eigentlich als tragfähig erweisen; welches Bild des jeweils anderen Landes besteht und wie es notfalls korrigiert werden kann; welches Bild des eigenen Landes vermittelt wird bzw. vermittelt werden sollte, um die Wirklichkeit wenigstens annähernd abzubilden; wie man das gegenseitige Verständnis fördern kann; wie man attraktive Veranstaltungen erarbeitet, bewirbt, finanziert und durchführt – um nur einige Schwerpunkte zu nennen.

Die diesmalige Zusammenkunft hat in dieser Hinsicht keine Fortschritte oder Erfolge erreicht. Zum einen saßen die falschen Partner zusammen – denn wie gesagt, hat die überwiegende Zahl der Teilnehmer bereits eine „Partnerkonferenz“. Zum anderen fehlten wichtige Partner am Tisch, die so etwas nicht haben. Denn es sind nicht nur Städte und Gemeinden, die Partnerschaften unterhalten, sondern auch Präfekturen/Bundesländer, Häfen, Stadtteile, Museen und andere Einrichtungen, ja es gibt sogar Deutsch-Japanische Gesellschaften, die mit Japanisch-Deutschen Gesellschaften partnerschaftlich verbunden sind. Auch bedarf es rein zeitlich eines viel größeren Rahmens, um einer „Partnerschafts-Konferenz“ gerecht zu werden. Es bleibt deshalb nur zu hoffen, dass die gute Idee bald wieder aufgegriffen und effektiv umgesetzt wird.

 

KONFERENZFÖRDERUNG

Die ostasiatische Dimension des Ersten Weltkriegs: Der „Deutsch-Japanische Krieg“ und China, 1914–1919

von Clubmitglied Prof. Dr. Katja Schmidtpott, Freie Universität Berlin; Dr. Jan Schmidt, Ruhr-Universität Bochum; Juliane Aso, M.A., DIJ Tōkyō

Gemeinsam mit Dr. Jan Schmidt (Ruhr-Universität Bochum) richtete ich vom 5.–7. September 2014 eine internationale Konferenz zur Geschichte des Ersten Weltkriegs in Ostasien aus. Sie fand im Konferenzzentrum der Ruhr-Universität Bochum statt und wurde wesentlich gefördert vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland sowie von der Japan Foundation und der JaDe-Stiftung. Auch der JSPS-Club unterstützte uns mit einem finanziellen Beitrag, für den wir herzlich danken. Der Club wurde vor Ort vertreten durch Sabine Ganter-Richter, die auch ein Grußwort sprach.

Der Erste Weltkrieg war ein globaler Krieg, der enorme Auswirkungen auf die politische, ökonomische und soziale Entwicklung vieler Länder in allen Erdteilen hatte. Die bisherige deutsche und auch euroamerikanische Forschung hat sich jedoch hauptsächlich auf die kriegführenden Nationen in Europa sowie die USA konzentriert und wird daher der Globalität dieses Krieges kaum gerecht. Erst seit kurzer Zeit entstehen Arbeiten über Staaten und Regionen, die entweder gar nicht oder nur marginal an den militärischen Auseinandersetzungen des Ersten Weltkriegs beteiligt waren. Hierzu zählen auch die ostasiatischen Staaten Japan, inklusive seines Kolonialreichs, und China. Die japanische Geschichtswissenschaft hat sich, abgesehen von einigen Teilaspekten, mit dem Ersten Weltkrieg bislang nur wenig beschäftigt.

Die Konferenz betrat daher in vielfacher Hinsicht Neuland, indem sie Historiker und Historikerinnen aus Deutschland, Großbritannien, Österreich, Japan, Taiwan und der Volksrepublik China zusammenbrachte, um über Kernfragen der Geschichte des Ersten Weltkrieges in Ostasien zu diskutieren. Die Referate behandelten den Krieg zwischen Japan und Deutschland über das deutsche Pachtgebiet Qingdao in China, aber auch die mediale Repräsentation des Kriegs in Ostasien, seinen Einfluss auf militärische und ökonomische Entwicklungen in der Region und schließlich auch, wie der Krieg bis heute öffentlich erinnert wird. Diese Fragen wurden aus den Perspektiven der Diplomatie- und Politikgeschichte, Mediengeschichte, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und Public History untersucht. Für die keynote lectures konnten mit Oliver Janz (Berlin) und Gerhard Hirschfeld (Stuttgart) zwei renommierte Historiker gewonnen werden, die den Ersten Weltkrieg aus Sicht der Globalgeschichte und der neueren Kulturgeschichte betrachteten.

Der aus deutscher Sicht bekannteste Aspekt des Ersten Weltkriegs in Ostasien ist sicherlich die Gefangenschaft deutscher Soldaten im Anschluss an die Eroberung der deutschen Kolonialgebiete in China. Mahon Murphy (Dublin) verglich die Behandlung der deutschen Gefangenen im Musterlager Bandō mit der Situation der deutschen Kriegsgefangenen in Großbritannien. Ōtsuru Atsushi (Kōbe) befasste sich mit Kriegsgefangenen aus österreichisch-ungarischen k. u. k.-Monarchie im Lager Aonogahara und zeigte, wie der Zerfall des Vielvölkerstaates zu Problemen unter den Angehörigen der verschiedenen ethnischen Gruppen im Lager führte. In umgekehrter Blickrichtung beleuchtete Naraoka Sōchi (Kyōto) die bislang nahezu unbekannten Schicksale von Japanern, die während des Ersten Weltkrieges in Deutschland interniert waren. Zhang Yan (Hong Kong) untersuchte die Motive der ca. 145.000 chinesischen Arbeiter, die während des Krieges vor allem aus der Provinz Shandong nach Frankreich migrierten.

Tajima Nobuo (Tōkyō) zeigte, wie die deutsche Außenpolitik darauf abzielte, anti-japanische Aufstände in Ostasien anzustiften. Gerhard Krebs (Berlin) referierte über das Zimmermann-Telegramm und seine Bedeutung für die deutsch-japanischen Beziehungen.

Eine große Rolle spielte die Repräsentation des Kriegs in den Massenmedien. Morohashi Eiichi (Tōkyō) analysierte, dass die japanischen Medien Japans Engagement im Ersten Weltkrieg damit begründeten, dass es Japans „Mission“ sei, die „Ordnung in Ostasien“ sichern zu müssen, und hervorhoben, dass Japan sich als Teil des alliierten Lagers auf Augenhöhe mit den westlichen Großmächten befand. Sepp Linhart (Wien) arbeitete die Darstellung des Feindes Japan auf deutschen Kriegspostkarten als unzivilisiert und rassisch unterlegen heraus, während Susanne Formanek (Wien) komplementär dazu japanische Kriegspostkarten des vor allem als Architekten bekannten Itō Chūta analysierte, die wiederum unter anderem eine Verächtlichmachung Chinas erkennen ließen.

In einer Sonderveranstaltung zum japanischen Stummfilmkino während des Ersten Weltkrieges im Stadtarchiv Bochum hielt Ogawa Sawako (Kyōto) einen Vortrag über das japanische Kino zur Zeit des Ersten Weltkriegs, der als wissenschaftliche Einleitung für ein archetypisches Filmprogramm der Jahre 1914 bis 1918 diente, das im Kino des Stadtarchivs gezeigt und gefördert durch das Arts Council Tōkyō von Kataoka Ichirō (Tōkyō), einem professionellen Filmerzähler (benshi), begleitet wurde.

Ein weiterer Themenkomplex behandelte die transnationale Verbreitung von Wissen. Kudō Akira (Tōkyō) stellte die nationale Mobilisierungsstrategie von Nagata Tetsuzan vor, der während des Ersten Weltkrieges als Teil einer eigens zur Erforschung des Weltkriegs eingesetzten Forschungskommission des Heeres in Europa war. Shimizu Yūichirō (Tōkyō) argumentierte, dass der Erste Weltkrieg einen Wendepunkt in der Ausbildung japanischer Bürokraten darstellte, da Beamte nun in größerem Ausmaß als bisher zu Studienaufenthalten ins euroamerikanische Ausland geschickt wurden. Suzuki Jun (Tōkyō) referierte am Beispiel des japanischen Militärs über den Transfer technischen Wissens von Europa nach Japan. Eugene W. Chiu (Taichung) sprach über die unterschiedliche Interpretation des Ersten Weltkriegs durch chinesische Intellektuelle und was dies für den Moderne-Begriff zu bedeuten habe. Während eine Strömung für die fortgesetzte Übernahme westlicher Ideen plädierte, sprach sich eine andere für eine Abkehr von den Wissenschaften des imperialistischen Europas aus, dessen moralische Krise ihrer Ansicht nach der Erste Weltkrieg aufgedeckt hatte.

Auch globale und regionale Dimensionen wurden in den Blick genommen. Wu Lin-Chun (Shoufeng) referierte über die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkrieges in China. Der Krieg stellte einen Wendepunkt in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen dar, da Europa als Handelspartner wegfiel und China sich stärker in Richtung der USA orientierte. Urs Matthias Zachmann (Edinburgh) untersuchte, welche Auswirkungen der Erste Weltkrieg und seine politisch-rechtlichen Folgen auf die Völkerrechtsdebatte unter japanischen Juristen hatten.

Schließlich ging es auch um den Ersten Weltkrieg in der öffentlichen Erinnerung. Harayama Kōsuke (Sakura) berichtete, dass der Erste Weltkrieg in der Dauerausstellung des japanischen Nationalmuseums für Geschichte beispielsweise de facto gar nicht erwähnt wird. Zeitgleiche Ereignisse und Entwicklungen wie der Aufstieg sozialer Bewegungen, die Sibirienintervention (1918–1922/25) oder der enorme Wirtschaftsboom während des Kriegs und die Finanzkrise nach Kriegsende werden bislang nicht in den globalen Kontext des Ersten Weltkriegs gestellt. Hans-Joachim Schmidt (Heusweiler-Kutzhof) stellte sein historisch-biografisches Projekt „Die Verteidiger von Tsingtau und ihre Gefangenschaft in Japan 1914–1920“ vor. Er stellte die These auf, dass die Kampfhandlungen um Qingdao und die anschließende Gefangenschaft deutscher Soldaten in Japan nur marginalen Einfluss auf die deutsch-japanischen Beziehungen gehabt hätten. Ōtsuru Atsushi (Kōbe) und Ishii Daisuke (Kōbe) berichteten über eine von ihnen konzipierte Ausstellung über das Gefangenenlager Aonogahara bei Kōbe, die 2006 in Kōbe, 2008 in Wien und 2011 in Ono gezeigt wurde. Zhang Yan (Hong Kong) stellte drei Ausstellungen über chinesische Arbeitsmigranten im Ersten Weltkrieg vor, die 2008 in Weihai, 2010 in Ypern und 2014 in Shandong zu sehen waren.

 

Bericht zur „12th International Conference on Computability and Complexity in Analysis“ vom 12. bis 15. Juli 2015 an der Meiji Universität in Tōkyō

von den Clubmitgliedern Prof. Dr. Kawamura Akitoshi und Prof. Dr. Martin Ziegler

„Reine“ Wissenschaften genießen seit jeher besonderes Ansehen (vgl. u.a. Hans-Georg Gadamer „Lob der Theorie“), in der Gesellschaft gleichermaßen wie in der breiten Forschungslandschaft: bilden sie doch die Grundlagen und wesentlichen Eckpfeiler für die meisten angewandten und Ingenieurs-Disziplinen! So überrascht es kaum, dass unter den zahlreichen Fächern mit langjähriger erfolgreicher Kooperation zwischen Deutschland und Japan auch beispielsweise Reelle Analysis, Mathematische Logik oder Theoretische Informatik prominente Rollen spielen. Jenseits jeglicher Vollständigkeit seien hier repräsentativ das internationale DFG-JSPS-Graduiertenkolleg 1529 „Mathematical Fluid Dynamics“ genannt; oder die EU FP7 Marie Curie Projekte 294962 COMPUTAL und 612638 CORCON; oder das Monbukagakushō Projekt ELC; oder eben Berechenbarkeits- und Komplexitätstheorie in Analysis – als algorithmische Grundlage hochpräziser Numerik gewissermaßen eine interdisziplinäre Synthese aus Analysis, Logik und Informatik mit besonderen Schwerpunkten in Deutschland und Japan. Dementsprechend fand die internationale Konferenzreihe „Computability and Complexity in Analysis“ zu diesem Thema unter anderem 2004 und 2014 in Wittenberg bzw. Darmstadt sowie 2005 und 2015 in Kyōto bzw. Tōkyō statt. Über letztere an dieser Stelle zu berichten, ist uns eine große Freude und Ehre!

Organisiert wurde die Tagung von den Professoren Eguchi Naohi und Higuchi Kojirō (beide Chiba Universität), Miyabe Kenshi (Meiji Universität), Mori Ryūhei (Tōkyō Institute of Technology) und Tsuiki Hideki (Kyōto Universität) unter dem Vorsitz vom JSPS Alumni Club Preisträger 2015 Kawamura Akitoshi (Universität Tōkyō). Sie fand statt an der Meiji Universität in Ochanomizu mit finanzieller Unterstützung durch die Universität selbst, das erwähnte ELC Projekt, JSPS Wissenschaftsförderung, die Kayamori Foundation of Informational Science Advancement – und durch den JSPS Club. Darüber hinaus opferte Vorstandsvorsitzender Prof. Heinrich Menkhaus (Meiji Universität) seinen freien Sonntag, um zur Veranstaltungseröffnung die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan zu würdigen und vor interessiertem Publikum die zahlreichen Vorteile einer Clubmitgliedschaft herauszustellen.

Inhaltlich geht es bei Berechenbarkeits- und Komplexitätsheorie in Analysis um die algorithmischen Grundlagen hochpräziser Numerik, wie sie 1937 von Alan M. Turing eingeführt und inzwischen regelmäßig Anwendung findet; so beispielsweise bei der Widerlegung der Mertens Vermutung [Odlyzko & te Riele 1985], der Analyse des seltsamen Lorenz-Attraktors [Tucker 1998], dem Beweis der Kepler-Vermutung [Hales 1998] oder Computer-unterstützten Existenzbeweisen für Lösungen partieller Differentialgleichungen: vgl. bspw. die — oftmals ebenfalls deutsch-japanisch-kooperativen – Arbeiten von Nagatō Kaori, Nakao Mitsuhiro, Ogita Takeshi, Oishi Shin’ichi, Michael Plum und Siegfried M. Rump. Und so war der erste Tag der Konferenz mit einem „German-Japanese Workshop on Theory and Practice of Real Computation“, finanziell gefördert durch das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) Tōkyō unter Leitung von Konferenzteilnehmer David Pinsker, ausdrücklich den Verbindungen zwischen Theorie und Praxis in diesem Gebiet gewidmet.

Dem schlossen sich über drei weitere Tage 25 eingereichte und fünf eingeladene Vorträge an – ausgewählt durch das Programmkomitee unter dem Vorsitz von Prof. Martin Ziegler und ebenfalls über die gesamte Bandbreite hinweg von abstrakt bis konkret, von Mathematik über Logik bis Informatik. Beispielsweise verband Prof. Kohei Suenaga (Kyōto) Nichtstandard-Analysis mit der Theorie der Programmiersprachen; klassifizierte Dr. Pedro Francisco Valencia Vizcaíno (Greifswald) Operatoren für Blum-Shub-Smale Random-Access-Machines; identifizierte Yoshimura Kazuto (JAIST) die algebraische Struktur von Weihrauch-Graden; untersuchte Dr. Arno Pauly (Cambridge) die Berechenbarkeit abzählbar-unendlicher Ordinalzahlen im Hinblick auf eine effektive Verschärfung des Hausdorff-Kuratowski Theorems; verglich Katayama Tomohiro (Universität Tōkyō) die Komplexität verschiedener Berechenbarkeitsbegriffe für Kurven; identifizierte Dr. Alexander Kreuzer (NUS) den algorithmischen Gehalt der Berechenbarkeitstheorie (sic!) und Prof. Vasco Brattka (UniBwM) den von Ramseys Theorem; stellte Makoto Fujiwara (JAIST) Aspekte seiner Dissertation vor; schlug Kei Matsumoto (RIMS) Räume von Graphen als Grundlage für Rekursive Analysis vor; setzte Dr. Matthew de Brecht (NICT/CiNet) stetige Valuationen auf quasi-polnischen Räumen zu Borel-Maßen fort; demonstrierte Prof. Katrin Tent (Uni Münster) den Nutzen Theoretischer Informatik für offene Probleme in der Algebra/Modelltheorie; verwandte Prof. Norbert Preining (JAIST) die algebraische Spezifikationssprache CafeOBJ als Theorembeweissystem für reelle Probleme; und entwickelte Florian Steinberg (TU Darmstadt) eine Komplexitätstheorie für fortgeschrittene Funktionenräume der Analysis – um nur einige zu nennen.

Der vollständige Auflaufplan mit allen Beiträgen im PDF-Format ist auf der Webseite der Konferenz einzusehen – welche auch einen wichtigen sozialen Programmpunkt benennt: das Bankett! Am Dienstagabend konnten wir eine Fahrt auf einem traditionellen Yakatabune Hausboot genießen: bei köstlichen japanischen Gerichten und Getränken den Sumida Fluß hinunter zur Bucht von Tōkyō mit dem beeindruckenden Panorama der nächtlich erleuchteten Skyline und zurück.

Am Mittwochnachmittag schloss nach vier erfüllenden Tagen die zwölfte internationale Konferenz Computability and Complexity in Analysis (CCA) dann mit einer Zusammenfassung durch den CCA-Vorstandsvorsitzenden Prof. Vasco Brattka und der Ankündigung, dass die dreizehnte Tagung CCA 2016 von Prof. Daniel S. Graça in Portugal ausgerichtet wird. Wir dürfen uns an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bedanken: für die finanzielle Unterstützung insbesondere durch den JSPS-Club und das DWIH, für das Interesse und die Beteiligung ihrer Repräsentanten, für die hervorragende Vorbereitung durch das Programm- und das Organisationskomitee. Wir danken den Vortragenden des deutsch-japanischen Workshops, den Sitzungsleitern der Konferenz, dem Programmkomitee, den eingeladenen Sprecher/innen – und natürlich ganz besonders den Autor/innen der eingereichten Beiträge.

Foto: Autoren

 

9. Deutsch-Japanischer Youth Summit, 23.–30.08.2015, Berlin

vom Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Menkhaus

Im Rahmen des deutsch-japanischen Jugendaustausches finden seit einigen Jahren alternierend die Veranstaltungen „Hallo Deutschland“ und „Hallo Japan“ statt. Etwa 30 Personen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, zur einen Hälfte aus Japan, zur anderen aus Deutschland, erhalten während eines zweiwöchige Aufenthalts die Gelegenheit, sich mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen, indem sie Interviews mit einschlägig tätigen Repräsentanten von verschiedenen Organisationen führen und Materialien recherchieren. Der jeweilige Youth Summit bildet den Abschluss, auf dem die Erkenntnisse den anderen Teilnehmern, den geladenen Gästen sowie den Alumni des Programms vorgestellt werden.

Getragen wird das Austauschprogramm auf deutscher Seite von der Deutsch-Japanischen Jugendgesellschaft, die nicht zuletzt zu diesem Zweck vor 10 Jahren gegründet wurde. Auf japanischer Seite ist die Trägerschaft etwas anders organisiert. Innerhalb des Verbandes der Japanisch-Deutschen Gesellschaften ist ein Komitee gegründet worden, dessen Geschäftsstelle im Büro der Japanisch-Deutschen Gesellschaft Tōkyō angesiedelt ist.

Da die Förderung des Nachwuchses auch dem Club ein wichtiges Anliegen ist und die ausgewählten Teilnehmer fast alle ein Studium absolviert haben oder noch absolvieren, fördert der Club das Austauschprogramm finanziell nunmehr schon seit drei Jahren. Die erste Förderung galt dem „Hallo Deutschland“ 2013, die zweite dem „Hallo Japan“ 2014 und nunmehr die Dritte dem „Hallo Deutschland“ 2015. Über die ersten beiden Veranstaltungen ist auch an dieser Stelle schon berichtet worden. (NvC 03/2013 und NvC 02-03/2014) Dank der finanziellen Unterstützung wird der Vorsitzende zum jeweiligen Summit eingeladen und erhält die Gelegenheit ein Grußwort zu sprechen. Der Youth Summit fand wie schon im Jahre 2013 auch dieses Jahr wieder im Gebäude des Japanisch Deutschen Zentrums Berlin statt. Insgesamt wurden die Ergebnisse von fünf Arbeitsgruppen präsentiert. In der Gruppe „Deutschland und Japans Rolle in der Welt“ wurden die Flüchtlingsproblematik, der Nationalismus und die Rolle des Militärs diskutiert. Die Gruppe, die sich mit dem Thema Politik befasste, ging der Frage nach ob der „Uniabschluss = Jobgarantie?“ gesetzt werden könne, was eindeutig verneint wurde. Bei der „Deutschen und Japanischen Esskultur“ ging es um Fragen, die den Club in seinem Symposium 2015 in Potsdam beschäftigt haben – Versorgungs- und Nahrungsmittelsicherheit. Die Umweltgruppe ging das aktuelle Thema „Erneuerbare Energien in Deutschland und Japan“ an, das den Club bei seinem Geburtstagssymposium am 6. Oktober 2015 in Tōkyō ebenfalls beschäftigt hat. Schließlich widmete sich die Gruppe Gesellschaft dem „Medienwandel in Deutschland und Japan“.

Obwohl die schwerwiegenden Themen nicht in ihrer vollen Breite erfasst werden konnten, wurde erneut das ernsthafte Bemühen deutlich, mit dem sich beide Seiten des Themas angenommen hatten. Auch wurde erneut die schon fortgeschrittene Kompetenz der Teilnehmer in der Sprache des jeweils anderen Landes deutlich. Die von einem der Organisatoren auf deutscher Seite, Matthias Hirschfeld, im Verband der Deutsch-Japanischen Gesellschaften zugleich zuständig für die Jugendarbeit, geleitete Podiumsdiskussion über die Gründe und Erfolge der Teilnahme am Programm erhielt eine besondere Note durch die Teilnahme des ehemaligen deutschen Botschafters in Japan, Joachim Daerr, der mit dem Programm vertraut ist, weil es schon zu seiner Zeit als Botschafter in Japan abgehalten wurde.

Das nächste „Hallo Japan“ wird im Jahre 2016 wiederum in Japan stattfinden.

 

VERANSTALTUNGSBERICHTE

DJW „Asa no Kai“ in Frankfurt, 26.06.2015

von Vorstandsmitglied Dr. Matthias Hofmann

Referent Axel Hellmann, CFO, Eintracht Frankfurt Fußball AG (Foto: Anne Pomsel, DJW)

Am 26.06.2015 veranstaltete der Deutsch-Japanische Wirtschaftskreis e.V. (DJW) ein „Asa no Kai“ in Frankfurt. Unser Vorstandsmitglied Dr. Matthias Hofmann hat hierbei die Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. (JSPS-Club) vertreten. Die Frühstücks-Veranstaltung stand unter der Thematik, dass Fußball in unserer modernen Welt ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig geworden ist. Der wirtschaftliche Nutzen ist nicht mehr nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene zu finden. In der letzten Bundesliga-Saison standen bis zu 12 japanische Fußballer auf dem Platz und werben somit für die Bundesliga und Deutschland in ihrem Heimatland. Als fachkundiger Referent des Tages konnte Axel Hellmann, Chief Financial Officer der Eintracht Frankfurt Fußball AG, gewonnen werden.

Nach Grußworten des wenige Tage zuvor neu in Frankfurt eingetroffenen japanischen Generalkonsuls Kamiyama Takeshi (Generalkonsulat Frankfurt), eröffnete der Vorsitzende des DJW, Gerhard Wiesheu, die Veranstaltung mit der Vorstellung des Redners Axel Hellmann. In seinem Vortrag unter dem Titel „Long-Term Economic Effects of Japanese Roots in German Football“ unterstrich Hellmann die langfristigen sozio-politischen und ökonomischen Effekte, die durch die Einbindung japanischer Spieler in die Bundesliga entstehen können. Zum einen wird der Stellenwert der Bundesliga, als eine der besten Fußballligen weltweit in Japan gegenüber der Konkurrenz der englischen Premier League stark erhöht. Darüber hinaus bieten sich deutschen Unternehmen Vorteile auf dem japanischen Markt, wenn sie durch die japanischen Spieler der Bundesliga einem breiten japanischen Publikum zugänglich gemacht werden. Aber auch japanische Unternehmen profitieren von der Bekanntheit der in der Bundesliga spielenden Fußballer und der Popularität der Bundesliga in Japan. Als Beispiel sei der Touristikkonzern H.I.S genannt, der mittlerweile sehr erfolgreich Deutschlandreisen inkl. Besuch eines Fußballspiels anbietet

An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, dass allen JSPS-Clubmitgliedern die Teilnahme am DJW „Asa no kai“ möglich ist. Die Beiträge beziehen sich auf Themen aus der Wirtschaft im deutsch-japanischen Kontext, die Veranstaltungssprache ist Englisch. Einladungen zu DJW-Veranstaltungen werden über die JSPS-Club Mailingliste verteilt oder sind auf www.djw.de zu finden.

Sollten auch Sie Interesse haben, bei einem der nächsten „Asa no Kai“ einen Vortrag zu halten, sprechen Sie bitte den Vorstand des JSPS-Clubs an – wir freuen uns über Ihre aktive Unterstützung!

 

Vortrag des hessischen Ministerpräsidenten und Präsidenten des Bundesrates Hr. Volker Bouffier an der Todai, 02.07.2015

von Vorstandsmitglied Dr. Matthias Hofmann

Vortrag des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier auf dem Komaba Campus der Todai (Foto: Dr. Matthias Hofmann)

„Die europäische Integrationsentwicklung aus dem Blickwinkel einer starken Region im Zentrum Europas“ lautete der Titel eines Vortrages, den der hessische Ministerpräsident und Präsident des Bundesrates, Hr. Volker Bouffier, am 02. Juli 2015 auf dem Komaba Campus der Tōdai hielt. Sein Vortrag erfolgte im Rahmen einer Delegationsreise nach Singapur und Japan, auf Einladung des Zentrums für Deutschland und Europa Studien (DESK) der Tōkyō University (Tōdai) und des DAAD Tōkyō Büros. Die Reise des Ministerpräsidenten wurde von einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft begleitet, u.a. den Universitätspräsidenten der Goethe Universität Frankfurt/Main Fr. Prof. Dr. Birgitta Wolff und der Justus-Liebig Universität Gießen Hr. Prof. Dr. Joybrato Mukherjee (Vizepräsident des DAAD).

In seinem Vortrag entführte Hr. Bouffier die Zuhörer zunächst auf eine Zeitreise durch die Entwicklungsgeschichte der heutigen Europäischen Union von der Montanunion (1951) über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (Römische Verträge, 1957), die Europäische Gemeinschaft (Vertrag von Maastricht, 1993) bis zur Europäischen Union (Vertrag von Lissabon, 2009). Im Anschluss erläuterte Hr. Bouffier am Beispiel des Bundeslandes Hessen, wie eine Region innerhalb der EU ihre Wirtschaftskraft in der Gemeinschaft weiter stärken und den politischen Prozess in Brüssel selbstständig mitbeeinflussen kann. Hier spielt nicht nur die Politik des Bundes eine Rolle, sondern das Land unterhält selbst eine Vertretung in Brüssel, welche sich für die wirtschaftlichen Schlüsselressorts des Landes (Finanzwirtschaft, Pharmaindustrie und chemische Industrie) einsetzt. Des Weiteren tritt Hessen in Brüssel oft zusammen mit seinen interregionalen Partnerregionen Emilia-Romagna und Aquitaine auf, um den politischen Anliegen ein stärkeres europäisches Gewicht geben zu können. Zum Abschluss seines Vortrages kam Hr. Bouffier auf die aktuellen Probleme der EU in Bezug auf die griechische Finanzkrise zu sprechen.

In der sich anschließenden offenen Fragerunde wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Themen, von Fragen zum Arbeitsrecht, über das Ehrenamt in Deutschland (am Beispiel der Freiwilligen Feuerwehren), Föderalismus bis zur Finanzkrise in Griechenland, angesprochen.

Der JSPS-Club wurde auf der Veranstaltung durch seinen Vorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Menkhaus und Vorstandsmitglied Dr. Matthias Hofmann vertreten.

 

Eröffnung der Ausstellung „Was Deutschland mit Japan verbindet – 150 Jahre Freundschaft zwischen Deutschland und Japan“

vom Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Menkhaus

Einige von Ihnen werden sich erinnern: Anlässlich des 150. Jubiläums der deutsch-japanischen diplomatischen Beziehungen wurde im Jahre 2011 im Reiss Engelhorn-Museum in Mannheim eine Ausstellung mit dem Titel „Ferne Gefährten: 150 Jahre Deutsch-Japanische Beziehungen“ gezeigt. Sie ist im Begleitband zur Sonderausstellung (erschienen 2011 bei Schnell & Steiner) gut dokumentiert.

Eine entsprechende Ausstellung sollte auch in Japan stattfinden. Leider hat das große Tōhoku Erdbeben vom März des Jahres mit den beiden Folgekatastrophen, dem Tsunami an der Sanriku Küste und der Havarie des Kernkraftwerks Fukushima, diesen Plan seinerzeit zunächst zunichte gemacht. Der Gedanke ist indes nicht begraben worden, sondern die geplante Ausstellung lief seit dem 7. Juli diesen Jahres im Nationalmuseum für japanische Geschichte in der Stadt Sakura der an Tōkyō grenzenden Präfektur Chiba und hat nach ihrem Ende am 6. September 2015 von dort ihre Reise durch verschiedene andere Museen Japans in Yokohama, Naruto und Nagasaki angetreten.

Zu der Eröffnung der Ausstellung am 6. Juli waren bedeutende Personen gekommen: Das Bundeskanzleramt war durch die Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters, vertreten, das japanische Außenministerium entsandte den fließend Deutsch sprechenden Vizeminister Kiuchi Minoru. Die japanisch-deutsche Parlamentariergruppe war durch ihren Vorsitzenden, den Abgeordneten Kawasaki Jirō vertreten, die Deutsche Botschaft Tōkyō wurde repräsentiert durch den ständigen Vertreter des Botschafters, Gesandter Stefan Herzberg. Das Museum selbst war vertreten durch seinen Direktor Prof. Dr. Kurushima Hiroshi und durch den Präsidenten der Stiftung für Historische Museen in Japan, den ehemaligen Botschafter Kondō Seiichi. Die Erinnerung an die Anfänge der offiziellen deutsch-japanischen Beziehungen im Jahre 1860/61 wurde durch die Anwesenheit von Nachkommen der seinerzeit am Vertragsschluss des Preußisch-Japanischen Vertrages beteiligten Personen wachgerufen. Die Tokugawa Familie war vertreten durch den Vorsitzenden der Tokugawa Stiftung, Tokugawa Iehiro, die Familie Ando, einer der Unterzeichner des Vertrages auf japanischer Seite, durch Ando Ayanobu, die Familie Eulenburg, der Unterzeichner auf preußischer Seite, durch Siegwart Graf zu Eulenburg und Hertefeld und die Familie Aoki, später einer der ersten japanischen Diplomaten in Preußen, durch Niklas Altgraf von Salm-Reifferscheidt. Dies waren auch die Personen, die das traditionelle Band vor dem Eingangsportal zur Ausstellung zerschnitten.

Der Aufbau der Ausstellung wurde von dem Kurator, Prof. Hoya Tōru von der Universität Tōkyō erklärt. Sie ist alles andere als eine Kopie der Ausstellung in Mannheim und schon deshalb sehr sehenswert. Leider hat man sich nicht die Mühe gemacht, alle japanischsprachigen Texte in die englische oder deutsche Sprache zu übersetzen. Vier Club-Mitglieder haben aktiv durch Texte und Exponate an der Ausstellung mitgewirkt: Takii Kazuhiro, Katja Schmidtpott, Reinhard Zöllner und Heinrich Menkhaus. Für diejenigen, die keine Gelegenheit haben, sich die Ausstellung anzusehen, sei ihr Katalog unter dem Titel: Was Deutschland und Japan verbindet – 150 Jahre Freundschaft zwischen Deutschland und Japan. National Museum of Japanese History 2015, empfohlen.

 

PREISE

Der Philipp Franz von Siebold-Preisträger 2015 Club-Mitglied Takii Kazuhiro

Der Rechtshistoriker Takii Kazuhiro, 1967 geboren, zählt zu den weltweit führenden Kennern der Verbindungen zwischen deutscher und japanischer Staatslehre zum Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts. Er gilt in Japan wie in Deutschland als Experte für die Rezeptionsgeschichte der deutschen Rechts- und Staatswissenschaft im Japan der damaligen Meiji-Ära. Schon in seiner Promotion rekonstruierte Takii die persönlichen und intellektuellen Beziehungen zwischen deutschen und japanischen Wissenschaftlern während der Entstehung der so genannten Meiji-Verfassung, der ersten japanischen Verfassung im modernen Sinne.

Takii ist Professor am International Research Center for Japanese Studies in Kyōto, Japan. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaft und der europäischen Rechtsgeschichte wurde er 1998 an der Kyōto University promoviert. 2007 wechselte er nach Stationen an der Kōbe University und der University of Hyōgo zunächst als Associate Professor an das International Research Center for Japanese Studies, Kyōto. Takii forschte mehrfach im Ausland, für Quellenrecherchen insbesondere in Deutschland. 2013 verbrachte er einen Forschungsaufenthalt als Gastwissenschaftler an der Harvard University in Cambridge, USA.

Takii Kazuhiro engagiert sich seit Jahren für den wissenschaftlichen, intellektuellen und kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Japan. Neben Gastvorträgen an deutschen Universitäten und Forschungsinstituten bringt sich Takii auch über die Wissenschaft hinaus für das deutsch-japanische Verhältnis ein. So war er beispielsweise an mehreren Projekten anlässlich des 150. Jubiläums der deutsch-japanischen Beziehungen 2011 beteiligt, wie etwa der Mannheimer Ausstellung „Ferne Gefährten“. Ebenso wirkte er bei der Konzeption der Ausstellung „Was Deutschland und Japan verbindet“ des National Museum of Japanese History in Sakura, Japan, mit.

Quelle: www.humboldt-foundation.de/pls/web/docs/F801215020/Infoblatt_Sieboldpreis.pdf

 

German Innovation Award 2015

vom Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Menkhaus

Am 30. Juni wurde im Rahmen einer Feierstunde zum 7. Mal der Gottfried Wagener Preis, auch German Innovation Award, in Tōkyō verliehen. Der Preis nahm seinen Ausgangspunkt bei einem Konsortium deutschkapitalisierter Unternehmen in Japan, die an japanischen Forschungsergebnissen partizipieren wollten und deshalb einen Preis für japanische Nachwuchswissenschaftler auslobten. Das Verfahren wird heute von dem später gegründeten Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses in Tōkyō administriert.

In Abweichung zu den Vorjahren wurden diesmal erstmals Preise in vier verschiedenen Kategorien vergeben: Mobilität, Materialien, Lebenswissenschaften sowie Industrie & Energie. Die Vergabe der Preise und die Begründung für die Preisvergabe erfolgte, wie in den Vorjahren auch, durch Prof. Dr. Aizawa Masuo, den Vorsitzenden der Auswahlkommission und gleichzeitig Berater des Präsidenten der Japan Science and Technology Agency. Dem Club ist Aizawa schon deshalb vertraut, weil er seinerzeit als Professor an der Tōkyō Kōgyō Universität beim Symposium in Halle als Referent aufgetreten ist.

Der Preisverleihung gingen einige Grußworte voraus. Von dem scheidenden Geschäftsführer der Deutschen Auslandshandelskammer Japan, Manfred Hofmann, dem Ständigen Vertreter des Deutschen Botschafters in Tōkyō und Gesandten der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Stefan Herzberg, dem Minister für Science and Technology im Amt des japanischen Ministerpräsidenten, Yamaguchi Shun’ichi, und dem Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages in Berlin, Dr. Martin Wansleben.

Die Preisträger und ihre preisgekrönten Arbeiten lassen sich der Homepage des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses entnehmen. Alle vier Preisträger hatten die Gelegenheit, dem geladenen Publikum ihre jeweiligen Arbeiten vorzustellen. Bemerkenswert ist, dass zum ersten Mal in der Geschichte des Preises dieser an einen in Japan tätigen ausländischen Wissenschaftler vergeben wurde. Der Preis für Materialien ging nämlich an den Iraner Dr. Hossein Sepheri-Amin.

Die Aufgabe des JSPS Clubs hatte bisher darin bestanden, für die 2. Auswahlrunde unter den Bewerbern unabhängige Gutachter aus den Reihen der Mitglieder zu benennen. Im letzten Jahr waren das sechs Gutachten, die von Mitgliedern verfasst wurden. In diesem Jahr ist diese Auswahlrunde zwecks Verschlankung des Auswahlprozederes entfallen und das Verfahren auf eine Auswahlrunde bei den Preis tragenden Unternehmen und der Jury reduziert worden. Der JSPS Club hat den Unternehmen angeboten, die Auswahl mit Hilfe seiner Mitglieder von diesen unterstützen zu lassen. Bisher ist indes keine Antwort erfolgt, sodass die Beteiligung des JSPS Clubs an dem Verfahren für die Zukunft in Zweifel steht.

 

Eugen und Ilse Seibold-Preis 2015

Mit der Familien- und Sozialrechtlerin Professor Motozawa Miyoko und der Politikwissenschaftlerin und Japanologin Professor Gesine Foljanty-Jost erhalten 2015 zwei Wissenschaftlerinnen den Eugen und Ilse Seibold-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), für den der Club ein Vorschlagsrecht hat. Sie werden ausgezeichnet für ihr jahrelanges erfolgreiches Engagement, das zum deutsch-japanischen Wissenschaftsaustausch und in besonderer Weise zum Verständnis des jeweils anderen Landes beigetragen hat. „Wir freuen uns, mit Frau Foljanty-Jost und Frau Motozawa zwei herausragende Persönlichkeiten auszeichnen zu können, die beide durch einen enormen persönlichen Einsatz und eine breite Vernetzung die bilateralen Beziehungen stärken – sei es auf fachwissenschaftlicher Ebene, in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, in der Gremienarbeit oder der Politikberatung“, lobte die Juryvorsitzende Professor Katja Becker, Vizepräsidentin der DFG. Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis wurde am 7. Oktober 2015 in Bonn verliehen.

Ein Beispiel dafür, wie sich über die Brücken der Wissenschaft nachhaltig das Verhältnis von Deutschland und Japan bereichern lässt, liefert die Arbeit der Juristin Motozawa Miyoko von der Universität Tsukuba. Bereits seit Mitte der 1970er-Jahre untersucht die Japanerin verschiedene Aspekte des deutschen Familien- und Sozialrechts wie beispielsweise das Scheidungsrecht, den Versorgungsausgleich oder Fragen zu Erziehungsurlaub und -geld. Bei einem zweijährigen Aufenthalt am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Sozialrecht in München führte Motozawa mit zahlreichen Akteuren der deutschen Pflegeversicherung qualitative Interviews. Auf dieser Basis publizierte sie 1996 eine viel beachtete Monografie, die mit großem Interesse von der japanischen Politik analysiert und als Grundlage für eine Novellierung der japanischen Pflegeversicherung herangezogen wurde.

Als interdisziplinär arbeitende und vernetzte Juristin veranstaltete Motozawa Miyoko zahlreiche Seminare und Kongresse in Japan und Deutschland, zu denen sie Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und der Medizin zusammenbringen konnte, um Themen wie Sozialrecht und Pflegeversicherung ganzheitlich zu beleuchten. Aktuell ist Motozawa mit der Neugründung eines internationalen und interdisziplinären Forschungszentrums beschäftigt, das sich dem weltweit herausfordernden Thema „Global Ageing“ widmet.

Auch Gesine Foljanty-Jost hat sich über Jahrzehnte für den Austausch und die Kooperation zwischen Deutschland und Japan eingesetzt und einen zentralen sozialwissenschaftlichen Beitrag zur Japanforschung in Deutschland geleistet. Sie war langjähriges Vorstandsmitglied der 1988 gegründeten Vereinigung für sozialwissenschaftliche Japanforschung (VSJF) und engagierte sich als Mitglied, Beraterin oder in leitender Funktion in bilateralen Einrichtungen wie dem Deutsch-Japanischen Forum, dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin und dem Deutschen Institut für Japanstudien in Tōkyō.

Die promovierte Politikwissenschaftlerin Gesine Foljanty-Jost folgte 1992 einem Ruf an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo sie einen Lehrstuhl für Japanologie aufbaute. Sie initiierte wichtige Universitätspartnerschaften mit Senshū, Tōkyō, Waseda, Dokkyō und Tsukuba. Außerdem warb sie das DFG-geförderte Internationale Graduiertenkolleg zwischen Deutschland und Japan (Universität Tōkyō) ein, das unter dem Titel „Formwandel der Bürgergesellschaft. Japan und Deutschland im Vergleich“ den wissenschaftlichen Nachwuchs ausbildet. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeiten war die japanische Umweltpolitik – ihre in den 1990er-Jahren erschienenen Beiträge dazu konnten die in der deutschen Umweltpolitik geführten Debatten befruchten. Für ihren hohen Einsatz für die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und Deutschland verlieh die japanische Regierung 2013 Frau Foljanty-Jost bereits den Orden der aufgehenden Sonne.

Quelle: www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2015/pressemitteilung_nr_35/

 

BETREUUNG DEUTSCHER NACHWUCHS-WISSENSCHAFTLER DURCH CLUB-MITGLIEDER IN JAPAN

Ein Beispiel für die Betreuung deutscher NachwuchsforscherInnen durch Clubmitglieder in Japan

von Kai Oliver Thiele, Doctoral Researcher Mergers & Acquisitions, Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH), Hamburg, betreut durch den Gastgeber Prof. Dr. Ralf Bebenroth, Research Institute for Economics and Business Administration, Universität Kōbe, Kōbe

Seit Februar 2015 forsche ich zu den Erfolgsfaktoren von Cross-Border Mergers & Acquisitions in Japan am Research Institute for Economics and Business Administration an der Universität Kōbe. Betreut werde ich hierbei von Prof. Dr. Bebenroth, Full Professor an der Universität Kōbe und ehemaliger JSPS sowie DAAD Stipendiat. Der Aufenthalt selbst wird mir dabei durch ein Jahresstipendium des DAAD für Doktoranden ermöglicht.

Kurz nach Beginn meiner Promotion im Jahr 2013 lernte ich Professor Bebenroth bei einem seiner Vorträge in Hamburg kennen. Mit zahlreichen Publikationen über Mergers & Acquisitions und mittlerweile mehr als 15 Jahren Erfahrung vor Ort in Japan verfügt Prof. Bebenroth über eine einzigartige Expertise, weshalb ich mich sehr darüber freue, dass wir uns in Hamburg kennengelernt haben. Da mein Dissertationsvorhaben in das Forschungsgebiet von Prof. Bebenroth fällt, hat er mir angeboten, mich als Gastforscher an die Universität Kōbe einzuladen.

In Japan forsche ich nun hier vor Ort zu den Erfolgsfaktoren von internationalen Unternehmenszusammenschlüssen aus der Mitarbeiterperspektive. Insbesondere interessiert mich dabei, was für japanische Mitarbeiter wichtig ist, damit diese sich für einen Unternehmenszusammenschluss aussprechen. Dies ist vor dem Hintergrund relevant, dass in Zukunft wohl mit einem Anstieg von ausländischen Akquisitionen in Japan gerechnet werden kann. Da jedoch immer noch viele Akquisitionen scheitern, ist es wichtig, sich mit den Ursachen zu beschäftigen. Gerade in Japan spielt hierbei der „Faktor Mensch“ eine wohl entscheidende Rolle, weshalb ich den Fokus meiner Arbeit hierauf gerichtet habe. Mit meiner Forschung möchte ich einen Beitrag zur Steigerung der Anzahl erfolgreich abgeschlossener Akquisitionen leisten.

Durch Prof. Bebenroth erfahre ich während meines Aufenthaltes eine hervorragende Betreuung. Wir treffen uns regelmäßig in gemeinsamen Meetings und diskutieren über die aktuellen Arbeitsstände. Zudem sind wir zusammen aktiv in gemeinsamen Forschungsprojekten, so dass innerhalb kurzer Zeit ein erstes Diskussionspapier entstanden ist. Kern dieses wissenschaftlichen Beitrages ist die Wirkung von Fairness auf das Commitment der Mitarbeiter nach einer Akquisition. Am Research Institute for Economics and Business Administration der Universität Kōbe haben wir zudem im vergangenen Mai den „M&A Workshop 2015“ durchgeführt, bei dem Prof. Bebenroth sein weitreichendes Netzwerk genutzt und Experten aus der Wissenschaft und Wirtschaft als Sprecher eingeladen hat. Fokus war hierbei die erfolgreiche Gestaltung der Post-Merger Integration. Die Ergebnisse des Workshops lieferten mir ebenfalls wichtigen Input für meine Forschung. Dank Prof. Bebenroth war es mir auch möglich, innerhalb kurzer Zeit ein eigenes umfangreiches wissenschaftliches Netzwerk in Japan aufbauen, welches eine hohe Relevanz für meine derzeitige und zukünftige Forschung hat.

Die Umsetzung meines Forschungsvorhabens in Japan wäre ohne die Unterstützung von Prof. Bebenroth wohl nicht möglich gewesen. Ich bin daher sehr dankbar und würde mich freuen, irgendwann einmal selber einen Nachwuchsforscher oder eine Nachwuchsforscherin auf diese Weise unterstützen zu können.

 

IN EIGENER SACHE

Verlängerung reduzierter Mitgliedsbeitrag

Eine Anzahl von Ihnen hat einen reduzierten Mitgliedsbeitrag beantragt. Ich bitte alle Mitglieder, die einen reduzierten Mitgliedbeitrag weiterhin in Anspruch nehmen, um eine kurze Mitteilung mit Nachweis bis zum Ende des Jahres 2015.

Dies betrifft nicht diejenigen Mitglieder, die in diesem Jahr beigetreten sind.

Vielen Dank und mit freundlichem Gruß,
Arnulf Jäger-Waldau (Schatzmeister)

 

Repräsentation des Clubs auf externen Veranstaltungen

03.06.2015: Vortrag der Siebold Preisträgerin Fr. Prof. Aeka Ishihara im Siebold Museum Würzburg | Matthias Hofmann

24.06.2015: „Asa no Kai“ des DJW in Frankfurt, Vortrag von Hr. Axel Hellmann, CFO, Eintracht Frankfurt Fußball AG | Matthias Hofmann

30.06.2015: Vertretung durch Heinrich Menkhaus beim German Innovation Award

02.07.2015: Vortrag des Hess. Ministerpräsident, Todai | Heinrich Menkhaus

06.07.2015: Eröffnung der Ausstellung Sakura | Heinrich Menkhaus

06.07.2015: Symposium Partnerschaften Sakura | Heinrich Menkhaus

12.07.2015: „International Conference on Computability and Complexity in Analysis“, Meiji University | Heinrich Menkhaus

29.08.2015: Grußwort von Heinrich Menkhaus beim „Youth Summit Berlin“

02.09.2015: JSPS Abend | gesamter Vorstand

22.09.2015: Gesprächsrunde der DJGen in NRW auf Einladung der DJG am Niederrhein e.V. In Düsseldorf | Sabine Ganter-Richter

 

Mit dem BRIDGE Fellowship Program bietet die JSPS seit 2009 ehemaligen JSPS-Stipendiaten, die Mitglieder einer JSPS-Alumnivereinigung sind, die Möglichkeit zu einem erneuten Japanaufenthalt (14–45 Tage).

Im Januar 2016 wird wieder das BRIDGE-Programm ausgeschrieben werden. Bewerben können sich nur Mitglieder der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. Da der Einsendeschluss für die Bewerbungen voraussichtlich vier Wochen nach Ausschreibung sein wird, möchten wir Sie schon jetzt darüber informieren, damit Sie die Möglichkeit haben, sich bereits vorzubereiten, falls Sie planen sich zu bewerben.

Weitere Informationen finden Sie auf der folgenden Homepage:
www.jsps.go.jp/english/e-plaza/bridge/index.html.

 

Termin

  • 20./21.05.2016: Japanisch-Deutsches Symposium in Oldenburg zum Thema „Higher Education – Challenges and Current Developments“ (vorläufiger Titel)

 

Impressum

Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
Redaktion: Dr. Chantal Weber
Mitarbeit: Dr. Meike Albers
Verantwortlich:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
c/o JSPS Bonn Office, Ahrstr. 58, 53175 Bonn
Tel.: 0228/375050, Fax: 0228/957777
E-mail

Die in den Beiträgen geäußerten Ansichten geben nicht
unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.

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