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Neues vom JSPS Club 01/2014

 

DJW „Asa no Kai“ mit Clubmitglied Dr. Ludger Neumann

von Vorstandsmitglied Sabine Ganter-Richter

Dr. Ludger Neumann beim DJW „Asa no Kai“ (Foto: DJW)

Seit einigen Jahren verbindet eine gegenseitige Mitgliedschaft die Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. (JSPS-Club) und den Deutsch-Japanischen Wirtschaftskreis e.V. (DJW). Um diese Partnerschaft mit neuem Leben zu füllen, haben die Vorstände der beiden Vereine die Zusammenarbeit beim sogenannten DJW „Asa no Kai“ vereinbart. Zwei Mal pro Jahr können Mitglieder des JSPS-Clubs als Vortragende bei diesen Frühstückstreffen mitwirken. In Deutschland organisiert der DJW diese Veranstaltungsreihe jährlich etwa sechs Mal in unterschiedlichen Städten.

Den Auftakt am 2. Dezember 2013 in Düsseldorf machte JSPS-Clubmitglied Dr. Ludger Neumann (Scientific Director L'Oréal Germany) mit dem Vortrag „Geocosmetics – Differences in customer beauty habits and preferences in Germany and Japan and their influence on L'Oréal's market strategies“. Diejenigen, die 2006 der Einladung von Dr. Neumann zu Mitglieder laden Mitglieder ein zu L'Oréal nach Düsseldorf gefolgt sind, erinnern sich bestimmt an dieses für lebhafte und anregende Gespräche sorgende Thema.

In Grußworten stellte der Vorsitzende des JSPS-Clubs, Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, den über 40 Gästen des „Asa no Kai“ die Aktivitäten des JSPS-Clubs vor und dankte dem DJW für die Kooperation.

Allen JSPS-Clubmitgliedern ist selbstverständlich die Teilnahme an diesem Netzwerktreffen zur Frühstückszeit möglich. Die Beiträge beziehen sich auf ein Thema aus der Wirtschaft im deutsch-japanischen Kontext, die Veranstaltungssprache ist Englisch. Einladungen zu DJW-Veranstaltungen werden über die JSPS-Club mailingliste verteilt oder sind auf www.djw.de zu finden.

Sollten auch Sie Interesse haben, bei einem der nächsten „Asa no Kai“ einen Vortrag zu halten, sprechen Sie bitte den Vorstand des JSPS-Clubs an – wir freuen uns über Ihre aktive Unterstützung!

 

JaDe-Preisverleihung 2014 an Prof. Hashimoto Takashi und Dr. Torsten Weber

von Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Staguhn

Mit dem JaDe-Preis werden seit 2001 Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um die wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Japan und Deutschland verdient gemacht haben. In diesem Jahr wurde der Preis an Prof. Hashimoto Takashi und Dr. Torsten Weber verliehen. Die Verleihung fand wie in den Jahren zuvor im großen Saal der Japan Foundation in Köln statt. Die Laudatio für beide Preisträger trug Prof. Dr. Werner Pascha vor, der neu gewählte Vorstandsvorsitzende der JaDe-Stiftung.

Die erste Würdigung galt Hashimoto Takashi für sein Lebenswerk. Hashimoto ist Jurist und Germanist und seit 2000 von der Universität Utsunomiya emeritiert. Er hat sich mit der Erforschung und Übersetzung der Märchen der Brüder Grimm in Japan einen Namen gemacht. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit hat er sich insbesondere nach seiner Emeritierung sehr intensiv und unermüdlich dem Jugendaustausch und Städtepartnerschaften zwischen beiden Ländern gewidmet. Diese Arbeit erfolgte im engen Austausch mit den Deutsch-Japanischen Gesellschaften in Japan und Deutschland. Gleichzeitig ist er Vizepräsident des Verbandes der Deutsch-Japanischen Gesellschaften in Japan, und langjähriger Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Tochigi. Nach der Dreifachkatastrophe 2011 gründete er das Deutsch-Japanische Synergie-Forum „Sanriku Fukkō“. Das Ziel dieses Forums ist es, insbesondere unter der Jugend aus beiden Ländern das gegenseitige Verständnis und Interesse zu fördern. Zu einer Sommer-Universität 2012 konnten viele junge Menschen eingeladen werden. Das Werk von Prof. Hashimoto umfasst mehr als fünfzig Jahre Kultur- und Wissensvermittlung zwischen Japan und Deutschland.

Danach folgte die Würdigung von Torsten Weber für seine Dissertation. Weber (Deutsches Institut für Japanstudien – Tokyo), dessen Forschungsschwerpunkt die Moderne Geschichte Ostasiens ist, schrieb über: „Embracing 'Asia'. Japanese Asianism Discourse in a Transnational Setting, 1912–1933“. In seiner Arbeit geht er den historischen Wurzeln des Asianismusdiskurses nach und der Frage, welche Verbindungslinien bis in die Gegenwart hinein wirken. Die Arbeit zielt auf die Entfaltung eines transnationalen Bewusstseins im historischen Aussöhnungsprozess zwischen den Ländern Japan, Korea und China. Die Behandlung dieses anspruchsvollen Themas ist gerade für die Gegenwart angesichts der vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen in Ostasien eine Bereicherung.

Gleichzeitig mit der Preisverleihung wurde an das 40-jährige Bestehen der JaDe-Stiftung erinnert und in diesem Zusammenhang in einer Podiumsdiskussion versucht, die neuen Herausforderungen an die deutsch-japanischen Beziehungen zu artikulieren. Die JaDe-Stiftung ging aus einem Kapitalstock der japanischen Regierung hervor. Ins Leben gerufen wurde sie vom damaligen Premierminister Tanaka bei einem Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1973.

 

Aufenthalt am International Research Center for Japanese Studies in Kyoto

von Clubmitglied Anja Batram, Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion Geschichte Japans, Ruhr-Universität Bochum

Schreingebäude (l.) und Souvenirshops (r.) des Fushimi Inari-Schreins in Kyoto

Die Wahl, meinen Aufenthalt im Rahmen des JSPS Summer Programs 2013 am International Research Center for Japanese Studies (Kokusai Nihon Bunka Kenkyū Sentaa, kurz: Nichibunken) in Kyoto zu absolvieren, hatte verschiedene Gründe. Zunächst ist das Nichibunken ein Forschungszentrum, das sich mit verschiedensten Bereichen der japanischen Kultur und Geschichte, unter anderem der Religionsgeschichte, beschäftigt, und es eignet sich somit hervorragend für meinen Forschungsschwerpunkt.

Als Japanhistorikerin forsche ich zur Frühen Neuzeit, die in Japan von ca. 1600 bis zum Jahr 1868 andauerte. Nachdem ich mich während meiner Studienzeit viel mit dem Shinto, heutzutage neben dem Buddhismus allgemein als eine der japanischen Religionen bekannt, beschäftigte, möchte ich mich nun in meiner Doktorarbeit mit den Organisationsstrukturen von Shinto-Schreinen in der Frühen Neuzeit befassen. Dies ist ein interessantes Thema, da zu dieser Zeit an vielen shintoistischen Schreinen und buddhistischen Tempeln synkretistische Praktiken durchgeführt wurden, d.h. sowohl Buddhas als auch indigene Gottheiten verehrt wurden und eine klare Trennung zwischen den beiden religiösen Systemen kaum möglich ist. Untersuchungen der sehr stark ausdifferenzierten Tempelhierarchien sind zahlreich, weshalb eine Untersuchung von Arten und Netzwerken der Schreinverwaltung jenseits einer klaren Zuordnung zu „Shinto“ oder „Buddhismus“ Aufschluss darüber geben könnte, wie außerhalb der buddhistischen Tempel die regionale, aber auch überregionale Durchführung von religiösen Praktiken an Schreinen organisiert war.

Das Nichibunken verfügt über eine sehr gut ausgestattete Bibliothek, von der ich während der zwei Monate ausgiebig Gebrauch machen konnte. Da HistorikerInnen sich bekanntermaßen vor allem mit Texten beschäftigen, verbrachte ich die meiste Zeit mit dem Zusammentragen, Scannen und weiteren Recherchieren von Sekundärliteratur und möglichen Quellenkompilationen, um mir in meinem noch recht frühen Stadium der Doktorarbeit auf Grundlage des Materials einen Forschungsstand erarbeiten zu können, wie es mir in Deutschland niemals möglich gewesen wäre. So konnte ich im Laufe des Aufenthalts und während der Bearbeitung des dort gefundenen Materials nach der Rückkehr nach Deutschland meinen Themenfokus schärfen und mich so gut auf die Planung der nächsten Arbeitsschritte und Auslandsaufenthalte vorbereiten.

Dadurch, dass meine Ansprechperson vor Ort, Prof. John Breen, sich primär mit dem Shinto beschäftigt und gerade zur Zeit meines Forschungsaufenthalts ein Symposium zu einem der zentralen Schreine in Japan, dem Ise Jingū, abhielt, war es mir zudem möglich, direkt mit vielen wichtigen Forschern aus meinem Fachgebiet in Kontakt zu kommen und mein wissenschaftliches Netzwerk auszubauen. Auch die regelmäßigen Vorträge und Treffen aller internationalen Forscher am Nichibunken zur Diskussion ihrer aktuellen Forschungsstände und -ergebnisse waren sehr befruchtend und schafften trotz der kleinen Anzahl von Doktoranden und der im Gegensatz zu einer Universität an einem Forschungszentrum üblichen Abwesenheit von Studierenden, einen sozialen Kontext, in dem man gut fachlichen und persönlichen Kontakt aufbauen konnte. Auch die Lounge mit den jederzeit bereitgestellten Getränken bot eine gute Möglichkeit, sich in den Nachmittagsstunden mit Kollegen zusammenzusetzen und zu diskutieren.

Das Nichibunken liegt zwar ein wenig einsam, aber in landschaftlich wunderschöner Umgebung am Rande von Kyoto – was für die Forschungsatmosphäre sehr förderlich ist –, es ist dennoch einfach, in die Innenstadt mit all ihren kulturellen und historischen Attraktionen zu gelangen, weshalb ich neben meinen theoretischen Forschungen zu Schreinen auch die Möglichkeit hatte, mir meinen Forschungsgegenstand in der Praxis anzusehen. Die vielen Schreine in der alten Hauptstadt Japans und das gerade zum Zeitpunkt des JSPS Summer Programs stattfindende größte Schreinfestival der Stadt, das „Gion Matsuri“, boten mir dazu beste Gelegenheit und waren in Kombination mit den guten Forschungsmöglichkeiten am Nichibunken eine hervorragende Grundlage für einen sehr inspirierenden und ertragreichen Aufenthalt in Japan.

 

Antisemitismus... In Japan?! Bericht einer kurzen Forschungsreise an die Sophia-Universität in Tokyo

von Clubmitglied Johann Nicolai, Historisches Institut der Universität Potsdam

Bis zu meiner Teilnahme am JSPS-Sommerprogramm 2013 hatte ich keinerlei Bezug zu Japan. Ich studierte seit 2000 Judaistik an der Freien Universität Berlin und setzte mein Studium 2004 an der Hebräischen Universität Jerusalem in Israel fort. 2011 nahm ich die Arbeit an meiner Dissertation im Fach Geschichte am Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam zu einer deutsch-jüdischen Organisation in den 1930er Jahren auf. Darüber hinaus führten mich weitere Forschungsaufenthalte unter anderem in die USA, nach England und Russland und boten mir die Gelegenheit, mich mit der Geschichte der Juden und der Judenverfolgung in diesen Ländern in ihrer spezifischen Konstellation auseinanderzusetzen. Alle Länder, in denen ich zum Judentum forschte, hatten aber gemein, dass es in ihnen eine größere jüdische Minderheit gab, die das kulturelle Leben ihres Heimatlandes mit prägten. Im Gegensatz dazu ist die jüdische Bevölkerung in Japan heute mit wenigen hundert Menschen sehr überschaubar. Dennoch existiert in Japan das Phänomen des „Antisemitismus ohne Juden“, welches mein Interesse sofort auf sich zog. Es erschien mir widersinnig, warum in einem Land ohne nennenswerte Anzahl von Juden, ohne jegliche erwähnenswerte Präsenz jüdischer Kultur sich eine ablehnende Haltung gegen Menschen herausbilden konnte, die man dort gar nicht kannte.

Nach einigen Recherchen gelang es mir, eine Betreuung für mein Forschungsprojekt am Institute for Comparative Culture (ICC) an der Sophia-Universität in Tokyo zu organisieren. Dort konnte ich von der hervorragend ausgestatteten Universitätsbibliothek profitieren, die mir Zugang zu allerhand Publikationen zu meinem Thema bot. Hilfreich waren aber auch Datenbanken von Presseartikeln amerikanischer und britischer Zeitungen aus den 1980er Jahren, als eine obskure Welle des japanischen Antisemitismus in Form von Verschwörungsliteratur der Autoren Uno Masami und Yajima Kinji existierte, welche nichts desto trotz von der angelsächsischen Presse sehr ernst genommen wurde. Im Kontrast zu diesen recht verstörenden Einblicken in die jüngere japanische Geschichte standen Gespräche mit Forschern der Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG) und einem Historiker der Seijō-Universität in Tokyo, welche meinem ersten Eindruck widersprachen, Antisemitismus sei ein einflussreicher Faktor in der japanischen Öffentlichkeit in ähnlicher Form wie etwa in Europa, Vorderasien oder Nordamerika. Wenngleich es gerade im Zuge der Gründung der „Achse“ mit Nazi-Deutschland in den 1930er Jahren auch Übersetzungen von antisemitischer Literatur in die japanische Sprache gab, so wurde dieser Diskurs vor allem in akademischen Kreisen gepflegt und fand durchaus Widerspruch in philosemitischen Positionen. Insgesamt zeigt sich also die japanische Position zum Antisemitismus – für welchen in Japan treffender Weise eher der Begriff „Judeophobie“ verwendet wird – durchaus differenziert und fordert geradezu dazu auf, dem Phänomen weiter auf den Grund zu gehen.

 

Erfahrungsbericht Short Term Postdoctoral Fellowship am AIST in Tsukuba

von Clubmitglied Dr.-Ing. Rita Streblow, RWTH Aachen

Ende April 2013 sollte es für mich im Rahmen eines Short Term Postdoc Fellowships für sechs Monate in das ferne Land der aufgehenden Sonne gehen. Ich muss gestehen, dass das Land bis dahin für mich nicht nur fern, sondern auch weitestgehend unbekannt war. Bei meiner Arbeit an der RWTH Aachen beschäftige ich mich mit der Untersuchung dezentraler Energieversorgungs-Konzepte für Gebäude und Stadtquartiere zur verstärkten Einbindung regenerativer Energien. So war meine Entscheidung für einen Forschungsaufenthalt in Japan getrieben von dem Interesse, wie sich das Land nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima den Herausforderungen der Energieeinsparung und möglichen Umstellungen in der Energieversorgung stellt und wie weit Konzepte des intelligenten Energiemanagements verbreitet sind. So trat ich voller Neugier und mit den klischeehaften Vorstellungen, dass ich in ein immer freundliches Land, in dem es für fast alles Regeln gibt, meine Reise an.

Mein Aufenthalt brachte mir viele spannende Erlebnisse und Bereicherungen und auch meine Erwartungen bestätigten sich. Doch ich lernte sie in sehr positivem Sinne schätzen. Mit sehr großer Rücksichtnahme aufeinander und die Belange der Gruppe berücksichtigend wurde mir immer und überall sehr freundlich und hilfsbereit begegnet. Ich kenne bisher kein anderes Land, in dem man in einem Restaurant nach einem anderen Restaurant fragen kann und ein Mitarbeiter sofort im Internet sucht und noch zwei weitere Kollegen für die Wegbeschreibung bemüht werden, da Sorge besteht, dass man sich in einem japanisch-englischen Sprachgemisch nicht verständlich ausdrücken kann. Wie sagt man aber in einem Land, in dem eigentlich nie „nein“ gesagt wird, an der Kasse im Supermarkt „Nein, bitte keine Essstäbchen dazu“? Nach einigen Essstäbchen zu viel in der Tasche hatte ich aber auch dies raus und mein „Vielen Dank, es geht auch so“ wurde akzeptiert.

Auch den Ausspruch, dass die Japaner „die Preußen Asiens“ seien, würde ich mittlerweile sofort unterschreiben. Die Liebe zu klaren Strukturen und Regeln ist überall anzutreffen. Von den markierten Warteschlangen bei der Bahn, die immer ordentlich zugeklebten Plastiktüten bei jedem Einkauf bis hin zu vielen zu stempelnden Dokumenten. Ich war äußerst gespannt auf das Leben in den großen Städten wie Tokyo. Hier lernte ich, dass genau diese Strukturen den Alltag trotz der Menschenmassen äußerst entspannt machen. Wo sich in meiner Heimatstadt Berlin in einer überfüllten U-Bahn schon leichte Aggressivität, mich nicht ausgenommen, breit macht, blieb ich in der Metro in Tokyo komplett gelassen. Man meistert die Situation gemeinsam, denn es geht nicht anders und jeder möchte nur an’s Ziel.

Auch bei meiner Arbeit in der Energy Network Group am National Institute for Advanced Industrial Science and Technology (AIST) in Tsukuba wurde ich sehr freundlich aufgenommen. Während meines Aufenthalts beschäftigte ich mich mit dezentralen Energieversorgungskonzepten für Einfamilienhäuser auf dem deutschen und japanischen Markt. Durch den Einsatz von dezentralen Energiewandlern, wie Wärmepumpen und der Kraft-Wärme-Kopplung, ändert sich die Rolle des Gebäudes vom bisherigen ausschließlich passiven Konsumenten immer stärker hin zu einem Teilnehmer des zukünftigen Energienetzes. Das Gebäude bekommt somit einen aktiven Part für die Möglichkeiten der Lastverschiebung zur Aufnahme von fluktuierenden erneuerbaren Energien aus Quellen wie Wind und Sonne. Mehr Speicherkapazität erhöht dabei die notwendige Flexibilität. Konventionelle Wasserspeicher sind dabei gegenüber Batteriespeichern deutlich kostengünstiger. Die wirtschaftliche Kombination beider Speichertechnologien in möglichen zukünftigen Betreibermodellen stand dabei im Fokus meiner Arbeit. Ich konnte mir in den sechs Monaten eine Basis erarbeiten, die ich nun im Rahmen weitergehender Betrachtungen zur Bestimmung optimaler Sanierungspakete mit Maßnahmen an Gebäudehülle und Anlagentechnik weiter vertiefen und ausbauen kann. Ich werde den japanischen Markt dabei mit großem Interesse weiter verfolgen, denn die Ansätze zu Anlagenkombinationen und der intelligenten „Managementbox“ im Gebäude sind hier schon klarer ausgearbeitet als momentan noch am deutschen Markt. Eine mir noch nicht sehr stark ausgeprägt erscheinende Diskussion über alternative Energiekonzepte und die aktuell verstärkte Tendenz zur Rückkehr zur Atomenergie waren jedoch ein kleiner Wermutstropfen.

Das Lernen der japanischen Sprache ging für mich nur sehr langsam voran und nach sechs Monaten reichte es leider nur für ganz einfache Kommunikationen. So blieb mir dadurch sicher viel weiteres Spannendes in diesem Land verschlossen. Gewärmte Toilettenbrillen, viele kleine kulinarische Köstlichkeiten, die Entspannung im onsen und einiges mehr nach meiner Rückkehr nach Deutschland zu vermissen; der verwunderte Blick meines Gegenübers, wenn ich ein Dokument ordentlich in Leserichtung ausgerichtet übergebe oder der Hinweis des Kollegen, dass ich mich nicht entschuldigen muss, denn ich sei schließlich wieder in Deutschland, zeigten mir aber, dass ich Land und Leute und insbesondere die Liebe zum Detail lieben und schätzen lernte und gerne noch einmal wieder komme.

 

Es begann in Uji... Entwicklung eines Kooperationsnetzwerkes mit Japan, Teil 6

von Clubmitglied Dr. Andreas Schaper, Materials Science Center, Philipps-Universität Marburg

Prof. Hisada auf dem International Symposium on Advanced Fiber/Textile Science and Technology (ISAF) in Fukui am 18. März 2013

Der Autor gemeinsam mit Prof. Irie und Prof. Nemoto beim Besuch des Eiheiji-Tempels

...und setzte sich 2013 in Uji fort, am Institute for Chemical Research der Universität Kyoto im Laboratory of Electron Microscopy and Crystal Chemistry, Advanced Research Center for Beam Science, das von Prof. Kurata Hiroki geleitet wird. Kaum eingecheckt im Obaku Guest House, nahm mich mein Gastgeber auf meinen Wunsch hin mit zum Yoshida Campus, dort war ein Kolloquium über Kryo-Electronen-Tomographie von Prof. Fujiyoshi Yoshinori anberaumt, den ich von seiner Zeit an der Universität Kyoto her kannte und der jetzt an der Universität Nagoya tätig ist.

Die erste Woche begann mit einer Fahrt zusammen mit Prof. Nemoto Takashi nach Fukui an der Westküste auf Einladung von Prof. Hisada Kenji und Prof. Irie Satoshi zum International Symposium on Advanced Fiber/Textile Science and Technology (ISAF). Mein eingeladener Beitrag hatte den Titel „Supermolecular structure, properties and applications of natural and man-made fibers and nanotubes“. Ein sehr interessantes Treffen mit Teilnehmern aus verschiedenen asiatischen Staaten, ein Dinner mit exzellentem Seafood und zum Abschluss ein Ausflug zum nahegelegenen „Tempel des ewigen Friedens“ der Sōtō-Schule Eiheiji, der von Dōgen Zenji im Jahr 1244 gegründet wurde und abgelegen in den Bergen in einem uralten Zedernwald liegt.

li: Süsser Willkommensgruß durch MC. Yamaguchi, re: Prof. Ono schenkt DC. Saitō ein

Zurückgekehrt aus Fukui lud die Kurata-Gruppe zu einem Willkommensempfang in den Seminarraum ein, der Gaumenfreuden und ausgelassene Stimmung bereithielt. Als weiterer Gast des Abends wurde Prof. emer. Ono Kotaro von der Universität Shimane begrüsst, der ein idealer Gesprächspartner ist. In allen dienstlichen Belangen stand mir ab dann Mrs. Tsujii Ako zur Seite, die es sogar fertigbrachte, mir ein gebrauchtes Fahrrad zu beschaffen, mit dem ich viele Wege in Uji sehr viel leichter erledigen konnte.

Die gemeinsame Forschungsarbeit begann mit Untersuchungen von Hornissenseide unter Einsatz der Helium-Kryo-Elektronenmikroskopie, die von Prof. Ogawa Tetsuya betreut wird. Es ging uns um die Aufklärung der Besonderheiten der coiled coil-Helix-Struktur und der Beta-Faltblatt-Struktur, die die Seidenproteine in den Kokonfäden annehmen. Wir erweiterten diese Studien dann in den folgenden Wochen durch ausgedehnte Röntgenbeugungs-Experimente an Gel-Filmen und Faserbündeln in Kooperation mit Prof. Nemoto Takashi und Prof. Tosaka Masatoshi. Voraussetzung dafür waren Absprachen mit Prof. Kameda Tsunenori, der am National Institute for Agrobiological Sciences (NIAS) die Seidenforschung betreibt. Im Vorfeld dieser Kooperation war er Ende November 2012 bereits Gast in unserem EM&Mlab in Marburg gewesen, und kam jetzt kurzerhand von Tsukuba nach Uji, wo wir gemeinsam mit Prof. Kurata und Prof. Nemoto die Vorgehensweise bei den geplanten Experimenten diskutierten.

li: Prof. Shiojiri mit meinem Gastgeber Prof. Kurata, re: der Chef erläutert die Menükarte

li: Prof. Kameda zu Gast am Materials Science Center der Philipps-Universität in Marburg, re: Bekanntschaft mit Dr. Fujishiro vom MPI für terrestrische Mikrobiologie

Am Institute for Chemical Research der Universität Kyoto in Uji

Ende März besuchte ich erstmals die Kyoto Concert Hall anlässlich eines Benefizkonzertes für die Betroffenen des Tōhoku-Erdbebens zwei Jahre zuvor. Das Konzert wurde eine begeisternde Darbietung überwiegend junger Musiker mit dem f-moll Klavierkonzert von Chopin und den Symphonischen Tänzen aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein als Höhepunkten, und einem höchst heiteren Ausklang mit der „Ode an die Freude“ unter Mitwirkung des gesamten Publikums.

Noch in den Märztagen gab es ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Alexander von Humboldt- Fellow Dr. Yoshioka Taiyo, der seit über zwei Jahren am Toyota Institute of Technology in Nagoya forscht. Wir trafen uns am Nanzenji-Tempel in Kyoto, auch die Familie war gekommen. Die Diskussion der neuesten Ergebnisse aus Streu-Experimenten mit der Synchrotron-Strahlung am SPring-8 (Harima Science Park, Hyōgo) zum Deformationsverhalten von Seide und anderen Fasern setzten wir später zu zweit fort.

Profs. Tosaka und Nemoto bei der Durchführung von Röntgenstreu-Experimenten an Seidenfäden
Elektronenbeugungsdiagramm von Hornissenseide (Prof. Ogawa, Dr. Schaper)

Die Arbeitsgruppe erhielt Besuch aus Kanada von Prof. Ray Egerton und Frau von der University of Alberta, zu dessen Vortrag es eine Nachsitzung in Kyoto downtown gab, bei der ich die Gelegenheit hatte, auch Prof. Shiojiri Makoto kennenzulernen, den ehemaligen Präsidenten der Japanese Society of Electron Microscopy (JSEM), jetzt Japanese Society of Microscopy (JSM), sowie bis Ende 2004 Präsident des Komitees der Asia-Pacific Societies for Electron Microscopy und bis Ende 2012 deren Vizepräsident. 1999 war Prof. Shiojiri vom Kyoto Institute of Technology emeritiert worden. Weitere Teilnehmer an der Nachsitzungsrunde waren Prof. Isoda Seiji und Prof. Haruta Mitsutaka. Neben der Elektronenspektroskopie, den Strahlenschäden und den neuesten Entwicklungen in der Kurzzeitmikroskopie machten Themen wie die Besonderheiten der Sprache der Kyoto’er und ihre Küchenspezialitäten den Abend interessant und kurzweilig.

Die Forschungsaktivitäten setzten sich fort mit speziellen Untersuchungen an Kohlenstoff-Nanoröhren unter Anwendung der Nano-Diffraktion und Mikroskopie mit weitgehend kohärentem Elektronenstrahl. Bei diesen Arbeiten stand mir der Doktor-Kandidat Saitō Hikaru als äußerst geschickter Mikroskopiker zur Seite. Eine andere Versuchsserie betraf den Einsatz der High Angle Annular Dark-Field (HAADF) Technik für die Charaktersierung organischer Strukturen wie Cytochrome-c-behandelter Mitochondrien in ultra-dünnen Schnitten. Prof. Haruta Mitsutaka war hierbei mein Ansprech- und Kooperationspartner, das Probenmaterial verdankten wir der Kooperation mit der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie der Universität Marburg.

Mitte April hielt ich in der Arbeitsgruppe einen Seminarvortrag zu dem Thema „Microscopy of organic fibers and nanotubes“. Auch Prof. Isoda war anwesend, die Diskussion war anregend und ausgedehnt. Am darauffolgenden Tag, einem Samstag, war das traditionelle Barbecue an den Ufern des Flusses Uji angesagt. Meine Frau war auch eingeladen, man zog mit ‚Kind und Kegel’, Getränken und reichlich Grillgut flussaufwärts in Richtung Staumauer...und bald rauchten die Feuer zwischen den Findlingssteinen am Rande des Flussbetts. Der Gang von Grillrost zu Grillrost glich einer wahren Verkostung feinsten Beefs, mit haargenauer Beschreibung der Herkunft jedes einzelnen Stückes. Plötzlicher Regen setzte diesem ‚wilden’ Schlemmermahl nach ca. drei Stunden ein abruptes Ende.

Im Kōrakuen-Park von Okayama

Es schlossen sich Ausflüge nach Amanohashidate und Okayama an, danach ging die Reise nach Tsukuba, um Prof. Kameda einen Besuch abzustatten, mit ihm und seinem Mitarbeiter Dr. Teramoto Hidetoshi die jüngsten Ergebnisse zu diskutieren und neue Proben vorzubereiten. Bei ihm lernte ich auch Prof. Tamda Yasushi kennen, der kurz vorher an die Universität Shinshū gewechselt war.

Eine zweite Diskussionsrunde kam mit Prof. Kojima Katsura und Dr. Kuwana Yoshihiko zustande, in der es um die Interpretation von Messungen zu den mechanischen Eigenschaften von Faserkompositen aus verschiedenen Seidenproteinen ging. Hier konnten unsere im Rahmen der Humboldt-Förderung gewonnenen und gerade veröffentlichten Arbeiten eine konkrete Lösung aufzeigen. Mein Gastgeber zeigte mir im Anschluß die Anlagen für die Seidenraupenzucht und die Käfige für die Hornissennester, am Rande des Geländes ging der Blick über die Plantagen zum Anbau von Maulbeerbäumen. Unterkunft in Tsukuba bot uns wiederum das hervorragende Ninomiya Guest House, wo man sich noch gut an uns erinnerte.

li: Treffen mit Prof. Kawahara in Yokohama, re:Plakat an der dortigen JR-Station über den Wiederaufbau des Rokkakudō von Okakura Tenshin

Von Tsukuba aus führten Tagesausflüge nicht nur in das Onsen auf dem Mt. Tsukuba, sondern auch nach Tokyo und nach Yokohama. Eines der Ziele in Tokyo war der Skytree, errichtet auf dem historischen Stadtgebiet des Fürsten „Mu-sa-shi“ – sagenhafte 634 m hoch ist deshalb der Turm! Die Auffahrt haben wir leider auf ein nächstes Mal verschieben müssen, denn die Zeiten in der Warteschlange betrugen etwa sechs Stunden. In Yokohama, seiner Heimatstadt, erwartete uns der Kollege Kawahara, der uns durch China-Town mit seinen engen Gassen, Geschäften und Restaurants und einem unglaublich dichten Menschengewirr führte, mit uns am Pier entlang zum Marine Tower spazierte und uns dann den Blick vom 70-stöckigen Landmark Tower zeigte: unter uns die quirlige Stadt, die Parks, Wolkenkratzer und Hafenanlagen, die gewaltige doppelstöckige Yokohama Bay-Bridge und im Dunst der Ferne – der Tokyo Skytree!

Fare-well party, arrangiert von den Mitgliedern der Kurata-Gruppe in einem Restaurant in Uji

Ausgangspunkt unseres Rundganges durch Yokohama war die Bahnstation Kannai. Am Bahnsteig fiel uns ein Plakat in die Augen, das auf die Wiedererrichtung des „Rokkakudō“ von Meister Okakura Tenshin an den Izura-Klippen hinwies. Wir waren im Herbst 2010 dort gewesen, das Erdbeben und der Tsunami hatten dieses besondere Refugium 2011 dann völlig zerstört. Der Wiederaufbau stellt ein schönes und hoffnungsvolles Zeichen für die so sehr geschädigte Fukushima-Region dar.

Mit einem Besuch der Universität Dōshisha in Kyoto und einer Vorführung der Orgel in der Clarke Memorial Hall von 1893 durch Tsuda Yoshito ging der touristische Teil unseres Japanaufenthaltes 2013 zu Ende. Es folgten noch einige abschließende Experimente und dann stieg eine ausgelassene Abschiedsparty im Restaurant Madang gegenüber dem Uji-Campus.

 

Repräsentation des Clubs auf externen Veranstaltungen

  • 30.01.2014: „Wege nach Japan – Insidertipps nicht nur für Japanologen!“ Vortrag von Sabine Ganter-Richter bei der Study Japan! Fair 2014 im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin

  • 12.03.2014: DJW-Kai Lunch Seminar „Toward Strengthening the Economic Relationship between Japan and EU“ in Frankfurt | Dr. Matthias Hofmann

 

Termine

  • 17.05.2014: Treffen der Club-Mitglieder in Japan (Chitose, Hokkaido)
  • 23./24.05.2014: JSPS-Symposium in Erlangen
  • 28./29.11.2014: Mitglieder laden Mitglieder ein in Wien

 

Impressum

Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
Redaktion: Dr. Katja Schmidtpott
Mitarbeit: Meike Albers
Verantwortlich:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
c/o JSPS Bonn Office, Ahrstr. 58, 53175 Bonn
Tel.: 0228/375050, Fax: 0228/957777
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