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Neues vom JSPS Club 01/2011

 

Alexander Schnase zur Situation in Tōkaimura nach der Erdbebenkatastrophe
(Stand: 28. März 2011)

Unser Clubmitglied Dr. Alexander Schnase (Foto) ist Ingenieur der Elektrotechnik. Er hält sich seit August 2003 am J-PARC in Tōkaimura, Präfektur Ibaraki, auf.


Zur Tätigkeit von Herrn Schnase am J-PARC in Tōkaimura

J-PARC ist ein Protonenbeschleuniger für die Grundlagenforschung. J-PARC erzeugt einen Neutronenstrahl für die Materialforschung mit 3 GeV Protonen vom RCS (Rapid Cycling Synchrotron) sowie einen Neutrinostrahl für die Neutrinoforschung in Kamiokande mit 30 GeV Protonen vom MR (Main-Ring). Genauere Informationen unter: http://j-parc.jp/.

Alexander Schnase arbeitet in der Hochfrequenzgruppe, die für die beiden Synchrotronringe RCS und Main-Ring von J-PARC zuständig ist.

Seine Arbeit bestand zunächst im Design des digitalen Systems für die Kontrolle und Ansteuerung der Beschleunigerkavitäten von RCS und MR, sowie damit zusammenhängend aus der Weiterentwicklung des Hochleistungsteils der Beschleunigerstationen, der Verstärker, der Röhrensender und der Beschleunigerkavitäten selber.

Das RCS ist bereits im Routinebetrieb, und es werden bis zu 200 kW Strahlleistung auf dem Neutronentarget abgeliefert. In Zukunft sind bis 1 MW geplant und man steht damit in friedlicher Konkurrenz zur SNS (Spallation Neutron Source) in Knoxville, USA. Das zweite Synchrotron MR ist noch auf dem Weg zum Routinebetrieb. Für das Neutrinotarget, welches Neutrinos durch die Erde Richtung Kamiokande schickt, konnten derzeit bis zu 150 kW bereitgestellt werden (s. dazu: www.kek.jp/intra-e/press/2010/T2KfirstEvent.html).

Die Gruppe von Alexander Schnase sorgt dafür, dass die inzwischen 11 Hochfrequenz-Stationen im RCS und die 6 Stationen im MR gut funktionieren, bzw., falls nötig, Reparaturen vorzunehmen. Ein aktuelles Thema sind Modifikationen des Materials FineMet, um die Beschleunigungsspannung zu erhöhen, die nötig ist, um die Strahlintensität in Richtung des Neutrinotargets zu verstärken.

Alexander Schnase ist nach dem Erdbeben in Tōkaimura geblieben und hat Katja Schmidtpott per email Auskunft über seine dortige Lebens- und Arbeitssituation gegeben.

Wie und wo erlebten Sie das Erdbeben und den Tsunami?

Als das Erdbeben zuschlug, war ich in meinem Büro am Schreibtisch. Ich war dabei, Dateien mit bandbegrenztem Rauschen mit zwei Computern zu optimieren.

Als das Erdbeben losging, gab es noch eine Durchsage als Warnung, die aber dann schon von der Wirklichkeit übertroffen wurde. Ich dachte zuerst, das ist ja nicht so schlimm, und sitzend auf einem Bürostuhl mit Rollen muss man nicht alle Bewegungen mitmachen. Dann merkte ich, dass das Beben stärker und stärker wurde, der Strom fiel aus, und die Notbeleuchtung ging an. Ich hatte mich dann zwischen Schränke und Schreibtische gestellt und mir einen Schutzhelm aufgesetzt. Die Schränke sind nicht umgefallen, aber Bücher und Blätter haben sich weit verteilt (Abb. 1 + 2). Zwei Schranktüren sind aus der Halterung gesprungen, haben aber keinen Schaden genommen.

Seine Arbeit bestand zunächst im Design des digitalen Systems für die Kontrolle und Ansteuerung der Beschleunigerkavitäten von RCS und MR, sowie damit zusammenhängend aus der Weiterentwicklung des Hochleistungsteils der Beschleunigerstationen, der Verstärker, der Röhrensender und der Beschleunigerkavitäten selber.

Das RCS ist bereits im Routinebetrieb, und es werden bis zu 200 kW Strahlleistung auf dem Neutronentarget abgeliefert. In Zukunft sind bis 1 MW geplant und man steht damit in friedlicher Konkurrenz zur SNS (Spallation Neutron Source) in Knoxville, USA. Das zweite Synchrotron MR ist noch auf dem Weg zum Routinebetrieb. Für das Neutrinotarget, welches Neutrinos durch die Erde Richtung Kamiokande schickt, konnten derzeit bis zu 150 kW bereitgestellt werden (s. dazu: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kek.jp/intra-e/press/2010/T2KfirstEvent.html).

Die Gruppe von Alexander Schnase sorgt dafür, dass die inzwischen 11 Hochfrequenz-Stationen im RCS und die 6 Stationen im MR gut funktionieren, bzw., falls nötig, Reparaturen vorzunehmen. Ein aktuelles Thema sind Modifikationen des Materials FineMet, um die Beschleunigungsspannung zu erhöhen, die nötig ist, um die Strahlintensität in Richtung des Neutrinotargets zu verstärken.

Alexander Schnase ist nach dem Erdbeben in Tōkaimura geblieben und hat Katja Schmidtpott per email Auskunft über seine dortige Lebens- und Arbeitssituation gegeben.

Abb. 1: Das Büro von Alexander Schnase nach dem Beben. Es hat keinen großen Schaden genommen, die Schränke waren schnell wieder eingeräumt

Abb. 2: Im Labor war jedoch einiges umgefallen und das große Rolltor ist defekt.

Abb. 3: Gesperrte Strasse in der Nähe des J-PARC

Abb. 4: Straße in Tōkaimura in der Nähe des Bahnhofs. Sie wurde inzwischen einspurig repariert.

Abb. 5: Das Wohnzimmer von Familie Schnase. Das Erdbeben warf ungesicherte Regale um, Bücher und Spielsachen sind überall verstreut

Wie und wo erlebten Sie das Erdbeben und den Tsunami?

Als das Erdbeben zuschlug, war ich in meinem Büro am Schreibtisch. Ich war dabei, Dateien mit bandbegrenztem Rauschen mit zwei Computern zu optimieren.

Als das Erdbeben losging, gab es noch eine Durchsage als Warnung, die aber dann schon von der Wirklichkeit übertroffen wurde. Ich dachte zuerst, das ist ja nicht so schlimm, und sitzend auf einem Bürostuhl mit Rollen muss man nicht alle Bewegungen mitmachen. Dann merkte ich, dass das Beben stärker und stärker wurde, der Strom fiel aus, und die Notbeleuchtung ging an. Ich hatte mich dann zwischen Schränke und Schreibtische gestellt und mir einen Schutzhelm aufgesetzt. Die Schränke sind nicht umgefallen, aber Bücher und Blätter haben sich weit verteilt (Abb. 1 + 2). Zwei Schranktüren sind aus der Halterung gesprungen, haben aber keinen Schaden genommen.

Als das Beben dann nachließ, raus aus dem Büro nach draußen zum Sammelplatz. Nach dem „Sammeln“ eine vorläufige Personenzahlüberprüfung. Man stellte fest, daß das Mobilfunksystem auf dem Gelände von JAEA teilweise nicht funktionierte. Klar, wenn die Gebäude keinen Strom mehr haben, dann können die Basisstationen nicht mehr arbeiten, sofern sie keine Unterbrechungsfreie Stromversorgung mit Backup-Batterie haben. Private Mobiltelefone konnte man noch benutzen, um kurze emails zu schicken, aber telefonieren war wegen Netzüberlastung nicht möglich.

Manche Mobiltelefone (auch meines) haben einen eingebauten TV-Tuner, dann konnte man die Live-Berichte vom NHK-Fernsehen verfolgen. Aber nur für kurze Zeit, denn man sollte Batteriestrom sparen – wer weiß, was noch kommt.

Dann teilweise Check der Anlage – der Boden hatte sich an einigen Stellen bis zu einem Meter gesenkt (Abb. 3 + 4)!

Der Tsunami kam, aber er hat uns nicht erreicht, da J-PARC an einer Steilküste liegt. 10 Meter waren hoch genug. Dafür hat es die benachbarten Häfen in Hitachinaka und Ooarai getroffen. Auf dem Gelände von JAEA / J-PARC gab es keine Verletzten.

Um ca. 17 Uhr – nach einigen Nachbeben – gab es die Erlaubnis, nach Hause zu gehen. Mit dem Auto nach Hause zu fahren gab ich auf, als ich die lange Schlange sah, die sich nicht fortbewegte. Also mit dem Fahrrad.

Zuhause angekommen waren meine Frau und Kinder gesund und einigermaßen munter. Die Kinder waren, wie sie es gelernt hatten, unter den Wohnzimmertisch gekrochen, und ihnen war nichts passiert. Meine Frau hatte in der Küche dafür gesorgt, dass Spülmaschine und Küchenschrank sich nicht selbständig machen.

Im Haus sah es wüst aus – aber die echten Schäden hielten sich in Grenzen. Im wesentlichen waren Kinderspielzeug und Bücher nebst ihren Schränken auf dem Boden gelandet (Abb. 5). Dabei waren dann auch einige Trinkgläser zerbrochen.

Da das Haus selber aus Stahlbeton besteht, hatte die Struktur anscheinend keinen Schaden genommen. Aufgrund der vielen Nachbeben war es aber keine ruhige Nacht. Dann Samstag und Sonntag aufräumen. Da wir Samstag und Sonntag keinen Strom hatten, konnten wir auch kein Fernsehen schauen, und waren auf Radio (mit Batterie) angewiesen. Deswegen war uns zunächst nur die Lage nach dem Erdbeben klar, nicht aber die noch viel größeren Schäden, die der Tsunami z.B. in Fukushima angerichtet hatte. Am Sonntag hatte meine Frau einen Bericht über den Tsunami im Fernsehen des Navigationssystems in ihrem Auto gesehen und war entsetzt. Sie hatte sich mit den Kindern für einige Zeit ins Auto gesetzt und den Motor laufen lassen, um es etwas warm zu haben. Dann Sonntag Nacht, als der Strom wieder da war, konnten wir das Ausmaß der Schäden ermessen.

Wie reagierten die japanischen Kollegen auf das Beben?

Sie gaben Warnungen heraus, wo die Anlage unsicher geworden ist, und machten Pläne, wie man die Situation auf sichere Weise untersucht. Diese Arbeiten haben am Mittwoch, 23. März, begonnen, und ich bin auch involviert.

Wie reagierten die ausländischen Forscher am J-PARC?

Nachdem der Strom und die Kommunikation über Internet wieder möglich wurden, konnte ich auf die offiziellen Informationen des Labors zugreifen. Konferenzteilnahmen und Dienstreisen sind erst mal abgesagt. Die ausländischen Forscher, die sich kurzzeitig bei J-PARC oder KEK (Tsukuba) aufhalten, sind gebeten worden, an ihre Heimatinstitute zurückzukehren. Besuche bei KEK oder J-PARC sind derzeit nicht hilfreich, da ausländische Forscher nicht angemessen betreut werden können.

Natürlich haben die Probleme der Tsunami-Opfer und die Situation im Kernkraftwerk Fukushima eine höhere Priorität. Und das ist auch verständlich und richtig.

Wie verlief die Wiederherstellung der Infrastruktur nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe?

Nach dem Erdbeben gab es erst mal nichts: keinen Strom, kein Wasser, kein Gas, keine Kommunikation per Handy, Telefon oder gar email. Glücklicherweise war unser Kühlschrank voll, weil meine Frau für das Wochenende vorgesorgt hatte. Ohne Strom tauen die Lebensmittel auf, als erstes bekamen die Kinder deshalb Freitagabend Eis am Stiel. Brot und gekochten Reis hatten wir noch, also gab es Samstag und Sonntag kaltes Essen – was eben gerade aus dem Kühlschrank auftaute.

Am Sonntag, dem 13. März gab es wieder Gas zum Kochen und nachts ab 21:30 h dann auch Strom. Dadurch funktionierten nach einiger Zeit Telefon, Internet und Kommunikation per Mobiltelefon, weil die Basisstationen wieder arbeiten konnten.

Trinkwasser gab es ab Sonntag im Community-Center, Wasser für die Toilette haben wir aus einer großen Pfütze auf einem nahen Baugrundstück geschöpft. Und natürlich musste man Anstehen für Lebensmittel und Wasser.

Heizöl und Benzin gab es rationiert dann ab Montag 14. März, als der Strom wieder da war. Ohne Strom funktionieren die Pumpen der Tankstellen nicht. Auf fließendes Wasser musste ich bis Samstag, den 19. warten. Und das reichte auch nur zum Händewaschen und zum Spülen. Für Baden, Toilette oder Waschmaschine reichte der Druck erst mal nicht. Ausreichend Wasser kam dann am Sonntag, dem 20. März.

Im Ort Tōkaimura stellt sich inzwischen langsam der Normalbetrieb ein. Post, Banken und Geschäfte stellen von Notbetrieb wieder auf Normalbetrieb um. Die Rationierung von Lebensmitteln und Wasser hat aufgehört. Benzin ist am 25. März immer noch knapp.

Wie ist die Situation jetzt an Ihrem Arbeitsplatz?

Der Arbeitgeber (JAEA, Japanese Atomic Energy Agency) hatte uns nach dem Beben vorläufig frei gegeben, das lässt sich am besten mit dem englischen Ausdruck "home standby" beschreiben. Es ist eine Art Rufbereitschaft, wo man darauf achten muss, erreichbar zu sein – man muss nicht immer zuhause sein, solange man z.B. per Handy erreichbar ist. Dann bekommt man die Mitteilung, wann man wieder zur Arbeit kommen soll.

Ich war heute am Dienstag, den 22. März morgens von 9 bis ca. 12 h erstmals wieder bei der Arbeit und habe meinen Platz im Büro aufgeräumt. Im J-PARC gibt es derzeit nur Strom für die Beleuchtung, aber keinen Strom für Steckdosen, Computer oder Heizung, und auch kein Wasser.

Abb. 6: Gebrochene Betonbodenplatte an einem von 12 Trafos (je 10 t schwer)

Ab Mittwoch, dem 23. März haben wir Kollegen dann verschiedene Bereiche des Beschleunigers auf Beschädigungen untersucht. An vielen Stellen hat sich die Erde gesenkt und Betonbodenplatten zeigen Risse (Abb. 6). Vermutlich muss man erst die Wege reparieren. Dann kann man mit Kränen die schweren Elemente wie Trafos und Schaltschränke, die selber keinen Schaden genommen haben, abbauen, die Betonplatten entfernen, die Erde wieder auffüllen und die Installationen neu vornehmen.

Kabeltrassen sind verbogen, Kabel müssen auf Schäden überprüft werden und das Kühlsystem hat gebrochene Rohre.

Vom Linac her ist bekannt, dass es größere Schäden an der Klystrongalerie gegeben hat. Alles das lässt sich reparieren, aber wie lange das dauern wird, und was für ein Budget notwendig wird, das wird erst noch ermittelt. Die Schäden in den unterirdischen Beschleunigertunneln von RCS und MR kann man erst in der nächsten Woche untersuchen, wenn Strom für die Beleuchtung da ist.

Es gibt einen schriftlichen Bericht des J-PARC Direktors Nagamiya Shōji auf der improvisierten Homepage vom 21. März: http://j-parc.jp/en.html. Darin gibt er seine ersten Eindrücke von den Schäden an J-PARC wieder.

Natürlich muss man erst herausfinden, wie sich die Bodensenkungen auswirken, d.h. die Frage ist, ob die Magnete und das Beschleunigerstrahlrohr noch einigermaßen in Sollposition sind. Man strebt eine Toleranz in der Größenordnung von 0.1 mm an. Ob das noch so ist, muss man noch herausfinden.

Seit Montag, den 28. März gelten wieder reguläre Arbeitszeiten, allerdings gibt es nur Nottoiletten und die Mensa des Labors ist noch geschlossen – man soll sich also etwas zu essen mitbringen (bentō).

Die vorläufige Planung sieht so aus, daß man versuchen wird, J-PARC innerhalb eines halben Jahres so zu reparieren, so dass man im Herbst vielleicht teilweise wieder Strahlbetrieb testen kann. Ein generelles Problem ist, daß man im Sommer mit hohem Strombedarf für Klimaanlagen und im Winter mit hohem Strombedarf für Heizung rechnen muß, was sich auf die Stromversorgung für J-PARC auswirken könnte.


Wie schätzen Sie als Ingenieur der Elektrotechnik die Situation in Fukushima ein?

Abb. 7: Alexander und Sachiko Schnase mit ihren Kindern René (2), Tobias (6) und Erika (3)

Ich arbeite am J-PARC zwar in zuweilen radioaktiver Umgebung, bin aber kein Fachmann für Kernkraftwerke. Ich weiß, wie ein Kernkraftwerk arbeitet und verstehe auch die meisten ingenieurtechnischen Grundlagen, aber sprachlich bin ich bei der Beurteilung der Lage auf die Informationen von NHK, Daily Yomiuri und Japan Today (Internetnachrichten) angewiesen.

Wenn ich mir die deutschen Informationen im Internet ansehe, bin ich besonders bei N-TV unangenehm überrascht, wie negativ die Situation dargestellt wird. So stelle ich fest, dass viele negative Superlative auftauchen, wo einfache klare Aussagen reichen würden. Also zu viel "Panikmache" in manchen deutschen Medien.

Fukushima ist allerdings der Grund, warum meine Frau sich mit unseren drei kleinen Kindern seit Donnerstag, 17. März bei ihrer Mutter in Yokohama aufgehalten hatte. Eine größere Entfernung hilft, die Strahlenbelastung zu reduzieren – wichtig bei Babys und Kleinkindern. Ich bin in Tōkaimura geblieben, da ich etwas älter bin (46 Jahre), und damit das Strahlenrisiko kleiner ist.

Am Freitag, den 25. kam meine Frau mit unseren drei Kindern (Abb. 7) zurück nach Tōkaimura, weil unser ältester, der am Wochenende 6 Jahre alt geworden ist, am Samstag die Abschiedszeremonie vom Kindergarten besuchen sollte. Ob meine Frau danach wieder nach Yokohama zurückfährt ist noch offen, das hängt von der Lage in Fukushima und auch von den Risiken mit verstrahlten Lebensmitteln ab.

Ich sollte dazu sagen, dass Tōkaimura ebenfalls ein Kernkraftwerk besitzt, und dazu gibt es noch einen Forschungsreaktor auf dem JAEA-Gelände. Die beiden Reaktoren in Tokaimura scheinen sicher zu sein – aber etwas mehr Vorsicht kann nicht schaden.

Die Lage der Reaktoren in Fukushima macht mir etwas Angst, weil die Gefahren derzeit zwar reduziert, aber noch lange nicht gebannt sind. Eine genaue Einschätzung fällt mir schwer, da die Lage sich zuweilen stündlich, auf jeden Fall aber täglich ändert.

 

Global 30 Aktivitäten an der Meiji

Die Universität Meiji in Tokyo, an der Verfasser als ordentlicher Professor für Deutsches Recht lehrt, gehört zu den ältesten privaten Universitäten in Japan. Wegen ihrer Gründung als Rechtsschule des französischen Rechts im Jahre 1881 feiert sie in diesem Jahr ihr 130. Jubiläum, in dessen Rahmen auch Veranstaltungen zu und mit Deutschland stattfinden. Seit dem letzten Jahr ist sie die beliebteste private Universität in Japan, gemessen an der Zahl der Bewerber für die Eintrittsprüfungen. Zusammen mit fünf anderen privaten Hochschulen wurde sie vom japanischen Ministerium für Erziehung und Wissenschaft im Jahre 2009 in die Förderung nach dem Global 30 Programm aufgenommen.

Das gesamte Programm wird von der Idee beherrscht, die japanischen Universitäten für ausländische Studierende außerhalb des asiatischen Raumes attraktiver zu machen. Entsprechend sind die Aktivitäten der Meiji ausgerichtet. Sie lassen sich in drei Kategorien aufteilen: Angebote im Bereich der Vermittlung der japanischen Sprache und Studienprogramme sowohl für nicht graduierte als auch graduierte Studierende. Alle Programme sind offen, stehen also auch Studierenden zur Verfügung, die nicht von einer der zahlreichen Partnerhochschulen stammen.

Das Meiji University Summer Language Program www.meiji.ac.jp/cip/international/sjlp.html sieht gestufte Kurse der japanischen Sprache und Schrift vor, die vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen reichen und neben der reinen Sprachvermittlung eine ganze Anzahl anderer Aktivitäten umfassen.

Im Bereich der Studienprogramme für nicht Graduierte sind insbesondere Folgende zu nennen: Das Meiji University Law in Japan Program bietet seit dem Jahr 2009 in einem zweiwöchigen Sommerkurs auf Englisch die Möglichkeit, sich mit den Grundlagen des japanischen Rechtssystems vertraut zu machen. Es nimmt aber nicht nur Jurastudenten auf, sondern auch Studierende angrenzender Disziplinen wie Politik, Wirtschaft, Sozialwissenschaften usw. www.meiji.ac.jp/hogaku/law_jp/2010/index.html.

Das im Jahre 2010 als Sommerschule implementierte englischsprachige Programm Cool Japan, wendet sich an alle, die an den neuen und alten populären Ausprägungen der japanischen Kultur interessiert sind www.meiji.ac.jp/cip/english/cooljapan/prog2011.html. Im Jahre 2011 wird eine neue Sommerschule hinzukommen, das Meiji University Summer Program in the Social Sciences. Diese ist insbesondere gedacht für Personen, die schon Japanisch können und etwa als Japanologen oder als Angehörige anderer Studiengänge sich mit Japan auseinandersetzen. Auf Japanisch werden Einblicke ins Recht, in die Politik und die Wirtschaft Japans vermittelt.

Im Bereich der Postgraduiertenstudien ist zwischen Magisterkursen und Doktorkursen zu unterscheiden. Ein zweijähriger Magisterkurs wird seit April 2010 von der Graduate School of Governance Studies auf Englisch angeboten www.meiji.ac.jp/cip/english/graduate/governance/index.html.

Ein einjähriger Magisterkurs auf Englisch, der den Erwerb des Titels LL.M. (Master of Laws) ermöglicht, wird von der Rechtsgraduiertenschule für die Zeit ab April 2012 vorbereitet. Ein Doktorkurs auf Englisch wird ab April 2011 von der Graduate School of Advanced Mathematical Science angeboten www.meiji.ac.jp/cip/english/graduate/ams/index.html.

Besondere Attribute der genannten Programme dürften sein, dass der Unterricht im Zentrum der Metropole Tokyo erfolgt und die Meiji Universität seit April 2009 über ein neues Gästehaus verfügt, das auch Familien beherbergen kann.

Heinrich Menkhaus

 

HWADJ-Fond des JSPS Clubs

Der von der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. eingerichtete Hilfsfond fördert den wissenschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und Japan durch die Übernahme von Reise- und Kongresskosten japanischer Wissenschaftler im Zusammenhang mit Vorträgen an deutschen Forschungseinrichtungen und auf Kongressen oder der Durchführung oder Vorbereitung gemeinsamer Forschungsvorhaben mit anderen Wissenschaftlern innerhalb Deutschlands. Die Antragstellung kann ausschließlich durch ein ordentliches Vereinsmitglied für einen japanischen Wissenschaftler erfolgen. Antragsformulare finden sich auf www.jsps-club.de.

 

!!Termine!!

  • 22. April 2011: Wissenschaftlicher Gesprächskreis Tokyo mit Dr. Sven Stadlbauer, JSPS-Club, über die Wirkstoffe im Grünen Tee

  • 20./21. Mai 2011:
    16. deutsch-japanisches Symposium des JSPS Bonn Office und der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. „Japan-German Science Cooperation: Past-Present-Future”
    In Zusammenarbeit mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Botschaft von Japan
    Ort: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin

  • 21./22. Oktober 2011:
    Mitglieder laden Mitglieder ein“
    Auf Einladung der Mitglieder Thomas Berberich und Matthias Hofmann
    Senckenbergmuseum, Frankfurt am Main

 

Impressum

Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
Redaktion: Prof. Dr. Katja Schmidtpott
Mitarbeit: Sabine Ganter-Richter, Meike Albers
Verantwortlich:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
c/o JSPS Bonn Office, Ahrstr. 58, 53175 Bonn
Tel.: 0228/375050, Fax: 0228/957777
E-mail

Die in den Beiträgen geäußerten Ansichten geben nicht
unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.

 

Spendenaufruf

Wir alle verfolgen die Geschehnisse in Japan mit Bestürzung und großer Anteilnahme. Es erreichen uns immer wieder Anfragen von Wissenschaftlern, die angesichts dieser Katastrophe ihre Unterstützung und Hilfe in verschiedenster Form anbieten.

Darauf wollen wir nun reagieren.
Unter dem Stichwort "Spenden Japan Erdbeben" nehmen wir Spenden auch von Nichtmitgliedern auf folgendem Konto entgegen:

Kontoinhaber: Dt. Ges. der JSPS-Stipendiaten e.V.
Kontonummer: 2896508
Bank: Badische Beamtenbank Karlsruhe, BLZ 660 908 00

Spendenquittungen werden auf Anfrage ausgestellt. Bitte wenden Sie sich dazu an den Schatzmeister Dr. Arnulf Jäger-Waldau.

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. trägt dafür Sorge, dass die Spenden für den Aufbau und Erhalt des wissenschaftlichen Austausches mit betroffenen Wissenschaftlern in Japan eingesetzt werden. Über die konkrete Verwendung der gespendeten Beträge wird der Vorstand informieren.

Für Rückmeldungen wenden Sie sich bitte an spenden@jsps-club.de.

Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie Kollegen und am Austausch mit Japan interessierte Wissenschaftler in Ihrem Umfeld über diese Unterstützungsmöglichkeit informieren.

Für Ihre Mithilfe herzlichen Dank!

Der Vorstand
der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.

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Club-Mitglied Prof. Dr. Harald
Baum erhält den „Eugen und
Ilse Seibold-Preis“ 2019
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8. Club-Treffen in Japan
Tokyo | 7. Okt. 2019
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14. Mitglieder laden
Mitglieder ein

Lübeck | 1.–2. Nov. 2019
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11. Junior Forum
Lübeck | 2. Nov. 2019
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Nominierung für den JSPS
Alumni Club Award 2020
bis 15. Nov. 2019
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