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Neues vom JSPS Club 03/2009

 

14. Treffen ehemaliger JSPS-Stipendiaten im Mai 2009 in Karlsruhe

Etwa 180 Gäste sind der Einladung der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. und des JSPS Bonn Office zu dem Treffen ehemaliger JSPS-Stipendiaten gefolgt und am 22. und 23. Mai 2009 zu dem Symposium „Robotics“ in der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe zusammen gekommen.Dem eigentlichen Tagungsprogramm vorangestellt und thematisch ergänzend fand am Freitagvormittag eine Besichtigung des Instituts für technische Informatik der Universität Karlsruhe statt. Das Symposium begann mit einer Begrüßung der Teilnehmer durch Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, den Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten, gefolgt von Mari Miyoshi, Gesandte der Botschaft von Japan. Es schlossen sich Willkommensgrüße von Dr. Hans-Jörg Stähle vom internationalen Büro des BMBF und Dr. Gisela Janetzke von der Alexander von Humboldt-Stiftung an.

Eine Einführung ins Thema bot Prof. Dr. Hirochika Inoue, JSPS Tokyo. Den ersten Fachvortrag mit dem Thema „From Sensimotor Primitives Learned from Humans to Imitation and Manipulation Strategies in Humanoid Robots” hielt Prof. Dr. Rüdiger Dillmann von der Universität Karlsruhe. Daraufhin folgte der Vortrag „The Nature of the Household and Outdoor Robot Assistants - the Future Musculo Skeletal Design of Robot Kotaro” von Prof. Dr. Masayuki Inaba von der Tokyo University.

Nach einer Kaffeepause sprachen Prof. Dr. Ortwin Renn von der Universität Stuttgart zu „Technical Assistance from Intelligent Robots in Health Care and Household Service: Prospects and Limitation from the Perspective of the Users“ und Prof. Dr. Edgar Körner vom Honda Research Institute Europe GmbH zu „Elements of Brain-like intelligence for ASIMO - Learning visually guided autonomous interaction“.Den Ausklang bildete ein gemeinsames Abendessen im Badischen Brauhaus in gemütlicher Atmosphäre.Am Samstag begann das Programm mit einem Vortrag von Prof. Dr. Hiroshi Ishiguro, Osaka University, zu „Android Robotics - Understanding humans by building robots –“. Leider musste Prof. Ishiguro seinen Vortrag kurzfristig absagen und hatte diesen auf DVD zur Verfügung gestellt. Es folgte Prof. Dr. Michael Beetz, Technische Universität München, zu dem Thema „Cognition, Control and Learning for Everyday Manipulation Tasks in Human Environments”. Abschließend berichteten Dr. Susumu Shimizu von Toyota Motor Europa über „Toyota Partner Robots: An Exploration of the Future Co-Existence with Intelligent and Gentle Robots - Current Status & Future Direction” und Prof. Dr. Sven Behnke von der Universität Bonn über „Humanoid Soccer – A challenge for Al and robotics”. Diskussionen und Zeit für Fragen gab es im Anschluss an die einzelnen Beiträge.Abschließende Worte sprach Prof. Dr. Keiichi Kodaira, Direktor des JSPS Bonn Office. Die fachliche Einführung und die Moderation der Diskussionsrunden wurden von Dr. Wolfgang Staguhn (Daimler AG), Mitglied des Vorstandes des JSPS-Clubs, und Dr. Kay Nottmeyer (Robert Bosch GmbH) übernommen.Am Samstagnachmittag fand traditionsgemäß die Jahresmitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten statt. Außerdem nutzten bei strahlendem Sonnenschein viele der Gäste den Nachmittag für die angebotene Führung durch Karlsruhe.

JSPS Bonn Office

Abstracts der Vorträge können auf www.jsps-bonn.de als PDF eingesehen werden.

 

!! Terminankündigung!!

Mitglieder laden Mitglieder ein“ findet am 16. und 17. Oktober 2009 in Berlin statt.
Bitte merken Sie sich schon jetzt diesen Termin vor.

 

Japanischsprachige Festschrift für Mitglied Prof. Dr. Gerhard Ries

Festschriften sind unter Rechtswissenschaftlern ein probates Mittel ein Jubiläum zu begehen. Dabei geht es in den meisten Fällen um ganz private Anlässe; in Deutschland etwa um die Emeritierung, oder auch das Erreichen eines runden fortgeschrittenen oder gar babylonischen Alters. In Japan ist das ganz ähnlich. Dort wird schon der sechzigste Geburtstag (kanreki) entsprechend gefeiert, oft auch der siebzigste (koki), oder die Emeritierung (taikan). Die Kollegen beglückwünschen den Jubilar in aller Regel in seiner Muttersprache, mitunter auch in einer Fremdsprache, die der zu Ehrende beherrscht.

Selten sind hingegen Festschriften, die dem Jubilar außerhalb seines Heimatlandes in der Sprache der Gratulanten gewidmet werden. Das gilt auch im deutsch-japanischen Verhältnis, obwohl die beiden Rechtsordnungen historisch sehr enge Berührungspunkte aufweisen, und die Rechtswissenschaftler der beiden Länder deshalb einen regen Austausch pflegen. Die deutschsprachigen Festschriften für einen japanischen Kollegen etwa lassen sich schnell aufzählen: Kitagawa Zentaro, Miyazawa Koichi, Nakamura Hideo, Ishikawa Akira, Kigawa Toichiro und Yamauchi Koresuke. Umgekehrt ist es auch sehr übersichtlich. Zwar wurde der große deutsche Rechtsphilosoph Gustav Radbruch von der Universität Hitotsubashi in Tokyo schon in den 1930er Jahren entsprechend geehrt; dies dürfte aber vor allem seinen Grund darin haben, dass dessen Ehrung in Deutschland unmöglich geworden war. In den letzten Jahren sind japanischsprachige Festschriften erschienen für Gerhard Lüke im Jahre 1995, José Llompart 2000 und Georg Ress 2001.

Hier ist nun eine japanischsprachige Festschrift für den Münchener Rechtswissenschaftler Gerhard Ries anzuzeigen, die zum Anlass seiner Emeritierung im September 2008 verfasst wurde. Die über 600 Seiten starke Sammlung von Aufsätzen, die neben einem japanischen (doitsuhō no keiju to gendai nihonhō) auch den deutschsprachigen Titel: „Die Rezeption des Deutschen Rechts und das Japanische Recht der Gegenwart“ trägt, ist im Jahre 2009 im Verlag Nihon Hyōronsha in Tokyo erschienen.

Herausgeber sind die Rechtswissenschaftler Arai Makoto und Yamamoto Keizo. Beide sind als Kenner des deutschen Rechts in Japan bekannt. Arai Makoto, Universität Tsukuba, zur Zeit Dekan jener neuen Form von Rechtsschule, die erst im Jahr 2004 ins Leben gerufen wurde und deren japanischer Titel schwer ins Deutsche zu übersetzen ist, hat als DAAD-Stipendiat von 1977-1979 und als Humboldtianer von 1991-1992 in München studiert und ist dort 1979 zum Doktor der Rechte promoviert worden. Im Jahr 2006 wurde er Humboldt-Preisträger. Yamamoto Keizo, der an der traditionellen Rechtsschule der Universität Kyoto lehrt, hat ebenfalls als Humboldtianer von 1990-1992 in München studiert und in den Jahren 2001/02 noch einmal am Leopold Wenger-Institut der Universität München geforscht.

Wer den Lebenslauf des Jubilars kennt, und damit seine Japanaufenthalte und wissenschaftlichen Schwerpunkte, kann sich den Gegenstand der Festschrift gut vorstellen. Schon von 1983 bis 1985 war Gerhard Ries erstmals in Japan, seinerzeit als Gastprofessor an der Universität Kyoto. 1991 war er an der Universität Kyūshū in der Stadt Fukuoka, 1998 und erneut im Jahr 2004 Gastprofessor an der Universität Meiji in Tokyo, im Jahr 2005 abermals an der Universität Kyūshū und 2008 zuletzt an der Universität Tsukuba in der Präfektur Ibaraki. Alle genannten Rechtsschulen sind in Japan von erheblicher Bedeutung. Seine ihm von der Universität München verliehene Venia umfasst Antike Rechtsgeschichte, Römisches Recht und Bürgerliches Recht. 

So ist es nicht verwunderlich, dass sich alle Beiträge der Festschrift zum Zivilrecht verhalten und in der Regel Ergebnisse einer umfassenden Rechtsvergleichung mit dem deutschen Recht präsentieren. Mitunter findet sich auch ein Blick auf das französische Recht, das der Favorit der japanischen Seite während der ersten Jahre der Rechtsrezeption in der sog. Meiji-Zeit war, und das wegen der Zuwendung zum deutschen Recht ab etwa 1881 von diesem als Modell abgelöst wurde. Neben den Beiträgen japanischer Kollegen sind die Arbeiten zweier Koreaner hervorzuheben, die wegen der langen japanischen Besatzung Koreas heute auch einen intensiven Austausch mit dem deutschen Rechtssystem pflegen.

Die insgesamt 21 Autoren werden angeführt vom Altmeister und Humboldtianer Kitagawa Zentarō, Emeritus der Universität Kyoto und von 1963 bis 1966 in München, mit einer Arbeit über die Geschichte der japanischen Zivilrechtswissenschaft. Arai Makoto widmet sich dem Betreuungsrecht. Für die Beschäftigung mit diesem Thema ist er in Japan sogar in der breiten Öffentlichkeit bekannt. Yamamoto Keizo behandelt die Neuregelung des japanischen Bürgschaftsrechts im Jahre 2004. In den weiteren Beiträgen, die hier nicht alle genannt werden können, wird u.a. die Funktion des Erfüllungsanspruches ebenso besprochen, wie die Bedeutung der Verfügungsmacht, die objektive und subjektive Unmöglichkeit, der Grundsatz der Formfreiheit der Rechtsgeschäfte, das Treuhandkonto, der Regelungsgehalt der Art. 416, 466 Abs. 2, 634 und 719 des japanischen Zivilgesetzes usw. Insgesamt wird deutlich, wie intensiv die Beschäftigung mit dem deutschen Recht bei den japanischen Kollegen immer noch anhält.

Leider ist mit der Emeritierung von Gerhard Ries eine weitere universitäre Anlaufstelle japanischer Rechtswissenschaftler in Deutschland verloren gegangen. Dies ist für ein Land, dessen Rechtssystem mit so großem Interesse in Japan studiert wird, das aber selbst wenig zur Förderung des Studiums des japanischen Rechts in Deutschland tut, ein großer Verlust.     

Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, Meiji University

 

Humanoide Roboter – Roboter der nächsten Generation?

Abbildung 1: Moderner Industrieroboter

Der Begriff Roboter wurde bereits 1921 in dem Theaterstück R.U.R. von Karel Čapek erstmalig für Maschinenwesen genannt. In diesem Science-Fiction-Werk erschuf Čapek menschenähnliche künstliche Arbeiter, die in Fabriken selbständig die Arbeit erledigen. Daher auch das slawische Wort „robota“, welches mit Fronarbeit oder Zwangsarbeit übersetzt werden kann. Heute verrichten Roboter in modernen Fertigungsstraßen häufig wiederkehrende, meist monotone oder für Menschen gefährliche Arbeitsschritte. Dabei sind die Roboter jedoch alles andere als menschenähnlich. Man unterscheidet sie genaugenommen in zwei Arten: Industrieroboter und Serviceroboter. Industrieroboter sind laut ISO 8373: „An automatically controlled, reprogrammable, multipurpose manipulator programmable in three or more axes, which may be either fixed in place or mobile for use in industrial automation applications.” Ein Roboter wird somit erst durch sein Programm zu einer bestimmten Maschine. Serviceroboter sind auch Roboter, wobei sich die Abgrenzung zum Industrieroboter nur durch seine Tätigkeit ergibt: Serviceroboter verrichten Dienstleistungen, und Industrieroboter verrichten handwerkliche Aufgaben. Hierzu sind Industrieroboter häufig dem menschlichen Arm mit Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenk nachempfunden (siehe Abbildung 1). Die ersten Roboter dieser Art wurden bereits in den sechziger Jahren entwickelt. Um jedoch Dienstleistungen am Menschen zu verrichten, ist diese Form meist ungeeignet. Hier bieten sich eher menschenähnliche Maschinen an, wie sie im Theaterstück R.U.R. beschrieben werden. Derartige Roboter bezeichnet man als Humanoide.

Abbildung 2: Humanoider Roboter der Waseda Universität Tokio

Die Forschung beschäftigt sich mit allen Formen der Robotik. Während es bereits Industrieroboter in vielen Formen und Größen gibt, gibt es für Humanoide bis heute jedoch nur einige akademische Beispiele (siehe bspw. Abbildung 2). Die japanischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Firmen sind auf diesem Gebiet weltweit führend. Japan hat zum Ziel, durch moderne Serviceroboter den Problemen einer alternden Bevölkerung zu begegnen. Aus Akzeptanz und Flexibilitätsgründen, sind hier Humanoide deutlich im Vorteil.

An der Waseda Universität in Tokio wird bereits seit 1970 an Humanoiden geforscht. Ein zentrales Thema ist hierbei der Gang auf zwei Beinen. Wie sind die Füße zu platzieren, damit der Roboter geht und nicht stürzt? Das Programm, das die Bewegung der Beine, Arme, Füße etc. eines Schrittes plant, berücksichtigt dazu ein Kriterium, das angibt, ab wann ein Roboter stürzt. Wird hierzu lediglich der Schwerpunkt des Gesamtsystems betrachtet, so ergeben sich Bewegungen bei denen der Roboter sich nur sehr langsam bewegt. Für ein flüssiges und zügiges Gehen auf zwei Beinen sind diese Bewegungen jedoch unbrauchbar. Stattdessen betrachtet man bei der Bewegungsplanung den sogenannten Zero-Moment-Point, der neben den Gewichtskräften auch die Beschleunigungskräfte der Arme, Beine etc. berücksichtigt. Der Roboter fällt damit kontrolliert von Schritt zu Schritt. Man kennt den Unterschied zwischen den beiden Arten von Bewegungen beispielsweise dann, wenn man nach einem Stoß durch heftiges Rudern oder ruckartiges Bewegen der Arme sein Gleichgewicht wiederzuerlangen sucht.

Bisherige Bahnplanungs-Programme berechnen die Bewegungen von Humanoiden, noch bevor der Roboter überhaupt gestartet wird. Diese vorberechneten Bewegungen werden zur „Lauf“-zeit von den Gelenken dann lediglich „abgespielt“. Eine Korrektur aufgrund von Störungen und Hindernissen erfolgt zur „Lauf“-Zeit bisher kaum. Im Rahmen eines JSPS geförderten Forschungsaufenthaltes konnte ich am Takanishi Lab der Waseda Universität in Tokio an einem neuen Programm arbeiten, das die Bewegungsplanung entsprechend des jeweiligen Roboterzustandes zur „Lauf“-zeit berechnet. Wird der Roboter während des Gehens bspw. gegen den Oberkörper gestoßen, so berechnet dieses Programm eine geeignete Schrittfolge, um den Roboter wieder zu stabilisieren. Das Programm basiert auf einem Ansatz, den ich ausgehend vom Zero-Moment-Point bereits in Deutschland entwickelt hatte, der aber noch unvollständig war. Der fehlende Teil war jedoch den japanischen Kollegen gut bekannt, so dass sich unsere Arbeiten perfekt ergänzten.

Heute gehen die Arbeiten auf dem Gebiet der Bewegungsplanung zur „Lauf“-Zeit an der Waseda Universität weiter. Ich setze meine Erfahrungen jedoch in der industriellen Forschung an Industrierobotern ein, die bisher nichts mit Humanoiden zu tun hat. Die Zukunft wird aber zeigen, ob und wie sich Humanoide eines Tages in den Alltag integrieren. Vermutlich werden wir hierzu noch einiges von Japan lernen.

Dr.-Ing. Jens Hofschulte
Gruppenleiter Robotics & Manufacturing am ABB Forschungszentrum, Deutschland

 

Japan und der Internationale Strafgerichtshof

Im Oktober 2007 trat Japan als 105. Vertragsstaat dem Internationalen Strafgerichtshof (International Criminal Court, ICC) bei, der für die weltweite Ahndung und Bestrafung von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen der Aggression zuständig ist. Japan zählt zwar zu den wenigen asiatischen Staaten, die sich dem ICC angeschlossen haben, doch im Vergleich zur Mehrheit der konsolidierten Demokratien und Rechtsstaaten erfolgte sein Beitritt zum ICC mit deutlicher Verspätung. So ratifizierten die Mitglieder der Europäischen Union, aber auch Australien, Kanada und Neuseeland das Römische Statut, die völkerrechtliche Grundlage des ICC, bereits in der Zeitspanne von 1999 bis 2002.

Auf der einen Seite befasst sich zwar seit einiger Zeit ein kleiner Kreis ausschließlich japanischer Rechtswissenschaftler mit der juristischen Dimension des japanischen ICC-Beitrittsprozesses und stellt dabei vor allem die Stärken und Schwächen der „Gesetze zur Kooperation mit dem International Strafgerichtshof“ (kokusai keiji saibanjo ni taisuru kyōryoku nado ni kansuru hōritsu) sowie die Anpassung des japanischen Strafrechts an die Vorgaben des ICC in den Mittelpunkt der Untersuchungen. Der politische Diskurs sowie der politische Prozess, die zu Japans (verzögerter) ICC-Mitgliedschaft geführt haben, finden auf der anderen Seite bisher jedoch nur marginale Beachtung. Fragen nach den am Beitrittsprozess beteiligten politischen Akteuren (national, international, staatlich, nichtstaatlich), nach ihren Positionen sowie nach ihren Verhandlungsstrategien blieben bislang unbeantwortet, so dass aus politikwissenschaftlicher Perspektive hier eine deutliche Forschungslücke auszumachen war/ist.

Dementsprechend bewarb ich mich zu Beginn des letzten Jahres bei der JSPS erfolgreich um ein Postdoctoral Fellowship (short-term), um während der Sommersemesterferien zwei Monate an der Meiji Gakuin Universität in Tokio mit der Unterstützung des Rechtsprofessors und Anwaltes Higashizawa Yasushi den o.g. offenen Fragen nachzugehen. Bei meinen Recherchen in Deutschland war mir Prof. Higashizawa als ideale „Anlaufstelle“ in Japan aufgefallen: Er hatte mehrere wissenschaftliche Artikel und auch eine Monographie zum ICC und auch zum ICC-Beitritt seines Landes verfasst, kurze Abrisse zur Thematik in Tageszeitungen wie der Asahi Shinbun veröffentlicht, Beiträge von seinen Teilnahmen an internationalen Konferenzen zum ICC ins Internet gestellt und war zudem Mitglied des Bürgernetzwerkes Japan Network for ICC (JNICC oder kokusai keiji saibanjo mondai nihon nettowāku). Damit erschien er mir als einer der wenigen, aber dafür gut vernetzten Wissenschaftler auf eben jenem Forschungsgebiet, dem ich während meines JSPS-geförderten Japan-Aufenthaltes meine Aufmerksamkeit widmen wollte. Prof. Higashizawa unterstützte aber nicht nur meine Antragsstellung bei der JSPS aktiv, sondern setzte sich darüber hinaus dafür ein, dass ich an der Meiji Gakuin Daigaku äußerst freundlich aufgenommen wurde. So hatte ich u.a. das Glück, im Internationalen Haus der Universität ein preisgünstiges, aber gut ausgerüstetes und äußerst geräumiges Appartement mieten zu dürfen. Es lag in einer kleinen ruhigen Straße des mondänen Stadtteils Shirokanedai und war nur etwa 10 Gehminuten vom Campus der Meiji Gakuin Daigaku entfernt.

Während der ersten Tage in Tokio konzentrierte ich mich zunächst auf die Sichtung und Durcharbeitung „neuer“, d.h. mir bislang unbekannter, Literatur zur ICC-Thematik. Zudem skizzierte mir Higashizawa-sensei, wie sich der politische Entscheidungsprozess für den ICC-Beitritt seines Erachtens nach dargestellt hatte. Seine Einschätzungen beruhten dabei u.a. auf der eigenen Teilnahme an einem ICC-Beratungs-gremium (kokusai keiji saibanjo giin renmei) der regierenden Liberal-Demokratischen Partei (LDP) sowie auf Informationen, die er im Austausch mit weiteren am ICC interessierten Juristen, Politikern, Ministerialbeamten sowie Aktivisten gewonnen hatte. Da die Anzahl der diesem Kreis zugehörigen Personen letztlich sehr gering ausfiel, hatte ich anschließend Gelegenheit, mit den meisten von ihnen Interviewtermine zu vereinbaren. So konnte ich mit nahezu allen Wissenschaftlern Gespräche führen, die sich in Japan auf den ICC spezialisiert haben. Auch Politiker unterschiedlicher Parteien, die sich persönlich stark für Japans Beitritt zum Internationalen Strafgerichtshof eingesetzt haben, räumten mir trotz ihrer vollen Terminkalender Zeit für Interviews ein. Hierzu gehörten u.a. die ehemalige Justizministerin Moriyama Mayumi, die mittlerweile als „gewöhnliche“ Parlamentarierin (LDP) tätig ist, oder auch Shibayama Masahiko, der gleichzeitig als Parliamentary Vice-Minister for Foreign Affairs im Außenministerium fungiert. Des Weiteren nahm ich erfolgreich Kontakt zu verschiedenen für den ICC zuständigen bzw. am Ausarbeitungsprozess der ICC-Kooperations-gesetze beteiligten Mitarbeitern im Außen- und Verteidigungsministerium auf; nur im Falle des Justizministeriums ließ sich erstaunlicherweise kein Verantwortlicher ausfindig machen. Neben Rechtswissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern und Ministerialbeamten setzte sich die vierte Gruppe von Gesprächpartnern aus Vertretern von NGOs (v.a. Amnesty International Japan) bzw. aus Mitgliedern des Bürgernetzwerkes JNICC zusammen.

Mit Hilfe der Interviews und auch durch Literaturhinweise bzw. den Einblick in verschiedene noch unveröffentlichte Manuskripte konnte ich im Rahmen meines JSPS-geförderten Forschungsaufenthaltes an der Meiji Gakuin Universität ein facettenreiches Bild von den beteiligten politischen Akteuren sowie von ihren Einflüssen auf den politischen Entscheidungsprozess gewinnen. Letztlich ist jedoch eine Drei-Ebenen-Analyse nötig, um das ICC-Beitrittsverhalten Japans erklären zu können. Neben der Akteursebene (agency) müssen daher auch die Struktur des internationalen Systems und seine Veränderungen (structure) sowie der Wandel von relevanten nationalen und internationalen Normen (norms) beleuchtet werden. Ausführliche Forschungsergebnisse sollen in naher Zukunft sowohl in Aufsätzen („Domestic Processes to Meet International Goals: Japan Joins the International Criminal Court“; „Global Goals versus Bilateral Barriers? The International Criminal Court in the Context of the US’ Relations with Japan and Germany“) wie auch in einer Monographie nachzulesen sein wird.

Dr. Kerstin Lukner
Institut für Ostasienwissenschaften/Institut für Politikwissenschaft
Universität Duisburg-Essen

 

Development of Neuropathology in Europe in the Last Half Century – On Occasion of the 50th Aniversary of the Japanese Society of Neuropathology (JSNP)

Neuropathological relationship between the European countries and Japan was described in detail in the special issue of the journal “Neuropathology,” vol. 20, 2000. I do not intend to review the formal history of the neuropathology, but rather review my personal experience and that of the former generation, my teachers, for the future of our Japanese Neuropathology.

In contrast to the modern pathology originating from the Virchow’s cell pathology, neuropathology (NP) has its roots in the psychiatry, “Nervenheilkunde.” One of the first neuropathologists was a psychiatrist named Gudden, who died tragically with the last King of Bavaria, Ludwig II. Gudden was devoted to the research of neural tracts and was first to describe retrograde degeneration of nerve cells after cutting the peripheral facial nerves in animals. The majority of pioneers in NP were distinguished psychiatrists in Germany, including generally well known Alzheimer. When I investigated the clinical significance of the heterotopic nerve cells in the human spinal nerve roots, I came into contact with the work of Sigmund Freud, a famous psychoanalyst, who first discovered the heterotopic nerve cells in the anterior nerve roots of the petromyzon. The tradition that NP came from psychiatry maintained as late as 1960s, when neurosurgery, neurology, and also NP gradually became independent specialized fields of medicine. One might say that this tradition has been held in JSNP as well, however, the reality is that there are extremely a few psychiatrists in JSNP today.

German NP has a dark aspect around the last World War. The victims of “euthanasia” were estimated as many as 100,000 of which 1,000 were neuropathologically examined. Several neuropathologists contributed in the military academy researching war neurotraumatology, air medicine, starvation NP, etc. Even in the 1990s, the criminal aspects against mankind during the war were pursued and histological slides obtained from the euthanasia victims should have been buried. Some related technical terms (that I do not name here) have been elimininated from medical use.

The German Society of Neuropathlogy and Neuroanatomy (Deutsche Gesellschaft für NP und NA=DGNN) was established in 1950; the society was not only for German scientists but also included German-speaking ones such as Austrian and Swiss colleagues. The French Society was officially established in 1989, several years after the European Neuropathology Congress met in Paris though scientific meetings with colleagues world wide were already taking place since 1961. Generally, scientific societies in Europe were primarily international. Prof. Cervós-Navarro from Spain, Prof. Gullotta from Italy, and Prof. Friede from USA/Switzerland were appointed as ordinary directors at German universities who contributed to expand German NP internationally. I personally have no connection to the Russian Neuropathology Society but to the Brain Research Institute in Moscow (Russian Academy of Medicine) which was established in 1928 and whose first Director was Oscar Voigt. He was invited to the Soviet Union together with several psychiatrists/neurologists to the occasion of Lenin’s disease. Voigt investigated more than 30,000 histological slides from the Lenin’s brain that are still kept at the institute where also the brains of distinguished people of the Soviet Union, and later of Russia, have continuously been collected and investigated cytoarchitecturally, also comparing them with the cytoarchitecture of the fetal brains. The review of the NP in other countries including Scandinavia, Benelux countries, etc. reveals that the societies are of international tone without an exception.

During the “Cold War” period, colleagues in Austria, a politically neutral country, annually organized the Danube Symposium on NP, which was a nice occasion of meeting scientists from the East and West. On the first general assembly of DGNN after the “uniting,” the fact became clear that the political tearing between East and West was a tearing at the heart of people - although this was also repaired afterwards.

One fact that should be emphasized on this note is that the colleagues from the UK, assisted by the International Society of NP, were sent to Bosnia-Herzegovina just after the war on the Balkan peninsula to support post-war aids.

Colleagues from the UK had sent the histological slides to all neuropathological institutes on the continent to aid diagnosis and education when the new vCJD (variant Creutzfeldt-Jakob disease) broke out in Britain for the first time. When BSE (bovine spongy encephalopathy) broke out in Germany, it was even associated with some negative social problems. I would like to report on the medico-social problems of Germany in JSNP when there was still no BSE in Japan. At that time, DFG supported me, partly with the resources from the Federal Ministry for Foreign Affairs. I also intended to simultaneously research the NP of intrauterine exposure of the Atomic Bomb victims at Hiroshima with the personal help of my friend in the Ministry of Health, Welfare and Labor. Although I am of Japanese nationality, DFG informed the German Embassy in Tokyo, that a scientist from Germany was being sent to Japan and asked for help if necessary. This gave me a sense of a truly mature “internationality” in politics, science, and basically every field in Germany and probably Europe in general.

Euro-CNS (European Confederation of Neuropathological Societies) was established in 1994. It holds special neuropathological seminars every year on selected topics for young colleagues. Successful young neuropatholgists are recognized as Euro-CNS Fellows and are named in the organ journal “Clinical Neuropathology” and on the Euro-CNS website.

We see here the development of European NP and not the development of an individual neuropathological society associated with a single European country.

In contrast, the Asian Neuropathology Association was born with the initiation of JSPS and the first Asian Neuropathology Conference was held last year. We, too, are international.

Prof. Dr. Akira Hori
Director, Research Institute for Longevity Medicine (Choju Medical Institute)
Fukushimura Hospital, Toyohashi, Japan

 

Dunkle Materie und Dunkle Energie im Universum

Eine internationale Konferenz zu diesem Thema – DARK 2009 – wurde kürzlich (18.–23.1.2009) in Christchurch, Neuseeland, durchgeführt (als siebte in einer Serie von Tagungen zu diesem Thema, die in Heidelberg 1996 ihren Anfang nahm). Die 56 Teilnehmer repräsentierten die wissenschaftlichen Aktivitäten in der ganzen Welt, insbesondere auch in Japan und Deutschland (siehe Bild).

Dunkle Materie und dunkle Energie im Universum nehmen zusammen ca. 95% der Masse des Universums ein (die dunkle Energie 80%, die dunkle Materie ca. 15%). Ihre Zusammensetzung ist bislang unbekannt – obwohl es etliche Hypothesen und Theorien gibt – und stellt damit eine der gegenwärtig größten Herausforderungen der Teilchenphysik dar. Die uns aus der täglichen Erfahrung ‚vertrauten‘ Protonen und Neutronen bilden nur ca. 5% der Masse des Universums.

Als Kandidaten für so genannte ‚kalte‘ dunkle Materie kommen hauptsächlich Teilchen in Betracht, die in Supersymmetrischen Theorien der Elementarteilchenphysik auftreten: Neutralinos und Gravitinos, als ‚heiße‘ dunkle Materie Neutrinos, deren Existenz man erstmals 1956 nachgewiesen hat. Als Quelle der dunklen Energie hat man bislang bevorzugt die Energiedichte des Vakuums bzw. kosmologische Konstante der allgemeinen Relativitätstheorie betrachtet.

Der Anteil der ‚heißen‘ dunklen Materie konnte über die letzten 20 Jahre aus dem Doppelbetazerfall von Atomkernen, einer extrem seltenen radioaktiven Zerfallsart der Atomkerne, bestimmt werden. Letztere wurde erstmalig nachgewiesen mittels des Heidelberg-Moskau Doppelbeta-Experiments, das im Zeitraum 1988 bis 2004 im Gran Sasso Untergrundlabor in Italien bei Rom, dem weltweit besten Untergrundlabor, unter Leitung des Autors dieses Berichts, durchgeführt wurde. Neutrinos haben danach eine Masse von mindestens 0,2 eV, was bei ihrer Dichte im Universum von ca. 300 /cm3 einem Anteil an der dunklen Materie von 4,7% entspricht.

Eines der aufregenden Ergebnisse, auf der obigen Konferenz von einem Kollegen aus Los  Alamos (USA) vorgestellt, war: auch dunkle Energie, erstmals identifiziert aus Beobachtungen von Supernovae Ia  vor nunmehr gut 10 Jahren, läßt sich eventuell mit einer Neutrinomasse von ca. 0,3 eV erklären, wie sie aus dem Heidelberg-Moskau Doppelbeta-Experiment bestimmt wurde.

Einmalige Besonderheit dieses Experiments war, daß ca. 20 kg an im Isotop 76Ge hoch angereicherten Germaniums (praktisch unbezahlbar) von der russischen Seite unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden – 76Ge ist ein potentieller Doppelbeta-Emitter. Dies trug maßgeblich zu der konkurrenzlosen Empfindlichkeit dieses Experiments bei.

Die zur Auswertung des Experiments im Hinblick auf die Neutrinomasse benötigten sogenannten Kernmatrixelemente für diesen Prozeß wurden bereits vorher in langjähriger Zusammenarbeit mit japanischen Kollegen erarbeitet (Prof. Masato Morita, Dep. of Physics, Univ. of Osaka, Prof. Eichi Arai, Prof. Takeshi Oda, Prof. Kazuo Muto, alle vom Tokyo Institute of Technology, alle am MPI für Kernphysik Heidelberg mehrfach in den Jahren 1978–1991), sowie dem Autor dieses Berichts, 1988 über JSPS in Japan (Gastgeber Prof. M. Morita, Osaka, sowie Tokyo TIT), 1991 als Visiting Research Scholar am Yukawa Institute for Theoretical Physics in Kyoto, sowie 1997 über das Excellence Programm in Osaka (Prof. Hiro Ejiri), und viele weitere wissenschaftliche Aufenthalte in Japan.

Eine weitere Zusammenarbeit mit den japanischen Kollegen auf dem theoretischen Sektor zur Verschärfung der Bestimmung der Neutrinomasse aus dem Experiment wäre sinnvoll.

Die Ergebnisse des Heidelberg-Moskau Experiments werden wegen ihrer Bedeutung für die Elementarteilchenphysik und Kosmologie (Nichterhaltung der Leptonenzahl und Majorana-Natur des Neutrinos) als fundamental angesehen.

Die Proceedings von DARK 2009 werden bei World Scientific, Singapore, veröffentlicht. Die Vorträge sind sämtlich bei www.klapdor-k.de/Conferences/Program09.htm einsehbar. Für einen kurzen Bericht verweisen wir auch auf den CERN-Courier, Mai 2009.

Prof. Dr. rer.nat. habil. Hans V. Klapdor-Kleingrothaus
Universität Heidelberg (bis 2007 MPI für Kernphysik, Heidelberg),
Leiter des Heidelberg-Moskau Experiments 1988- 2007,
Chairman der DARK 2009 Konferenz in Christchurch
www.klapdor-k.de

 

Impressum

Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
Redaktion: Ingrid Fritsch
Mitarbeit: Meike Albers
Verantwortlich:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
c/o JSPS Bonn Office, Ahrstr. 58, 53175 Bonn
Tel.: 0228/375050, Fax: 0228/957777
E-mail

Die in den Beiträgen geäußerten Ansichten geben nicht
unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.

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