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Neues vom JSPS Club 01/2009

 

JSPS Junior Event in Bochum (18. Okt. 2008)

Im Anschluss an das „Mitglieder laden Mitglieder ein“-Treffen an der Ruhr-Universität Bochum im Oktober 2008 fand erstmalig ein JSPS Junior Treffen statt. Die Idee, eine Veranstaltung speziell für die jüngeren Mitglieder des JSPS-Clubs bzw. für Club-interessierte JSPS-Stipendiaten durchzuführen, war im Mai auf dem JSPS-Symposium in Rostock geboren worden. Die Planung des Events wurde durch den Vorstand des JSPS-Clubs tatkräftig unterstützt. Der Einladung zu einem breit gefächerten wissenschaftlichen und informativen Programm von fünf Referenten waren 13 Teilnehmer/innen der JSPS-Summer Programs der Jahre 2005 - 2008 gefolgt.

Zu Beginn der Veranstaltung wurden die anwesenden JSPS-Summer Program-Teilnehmer/innen und Mitglieder des JSPS-Club-Vorstandes von Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, dem Vorsitzenden des JSPS-Clubs, herzlich begrüßt.

Auf seine ausführliche Vorstellung der Arbeit und der Ziele des Clubs folgte Miriam Unger mit ihrem Erfahrungsbericht über das JSPS-Summer Program 2008. Frau Unger ist als Doktorandin im Institut für physikalische Chemie an der Universität Duisburg-Essen beschäftigt. Im Rahmen des JSPS-Summer Programs besuchte sie die Arbeitsgruppe von Prof. Ozaki an der Kwansei Gakuin Universität in Sanda, Hyogo. Zu Beginn ihres Japanaufenthaltes fand eine einwöchige Einführungsveranstaltung an der Sokendai Universität, Kanagawa statt, deren Teilnahme für alle Stipendiaten des JSPS-Summer Programs verbindlich ist. Ziel dieser Veranstaltung ist die erste „Kontaktaufnahme“ der JSPS-Stipendiaten mit dem Gastland, und so beinhaltet sie Sprachkurse, Vorlesungen unterschiedlicher wissenschaftlicher Fachrichtungen sowie eine Einführung in die japanische Kultur, z.B. durch Kalligraphie, Teezeremonien u.a. Höhepunkt der Einführungswoche war nach den Worten von Frau Unger für die Mehrheit der Stipendiaten der zweitägige Aufenthalt bei einer japanischen Gastfamilie. Dieses „Erlebnis“ vermittelt den Teilnehmern einen direkten Einblick in das tägliche Leben einer japanischen Familie. Mit den Gastfamilien wurden Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung (Tempel und Schreine in Kamakura) unternommen, so dass über den direkten Aufenthalt bei den Gastfamilien auch  die japanische Kultur „hautnah“ erlebt werden konnte. Schließlich berichtete Frau Unger über ihren auf die Einführungswoche folgenden zweimonatigen Aufenthalt am Gastinstitut von Prof. Ozaki. Im Rahmen ihrer Dissertation beschäftigt sich Miriam Unger mit IR-spektrographischen Untersuchungsmethoden an biologisch-abbaubaren Polymeren. Die Durchführung von PCMW-2D Korrelationsspektrographien zur verbesserten Darstellung ihrer in Deutschland gewonnenen Ergebnisse stand im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Aufenthaltes am Gastinstitut. Durch die in Japan angewandte Methode bot sich für Frau Unger die Möglichkeit, ihre Daten in enger Kooperation mit den japanischen Kollegen und deren Erfahrung gemeinsam auszuwerten. In ihrem Fazit betonte Frau Unger die sehr gute und gemeinschaftliche Zusammenarbeit mit den japanischen Kollegen.

Im nächsten Vortrag stellte Roman Bartnik die Eindrücke seiner Japanaufenthalte im Rahmen des JSPS-Summer Program 2005 und eines JSPS-Fellowships (8 Monate, 2006/2007) an der Hitotsubashi Universität Tokyo vor. In Deutschland ist er an der Mercator School of Management und am Institut für Ostasiatische Studien an der Universität Duisburg-Essen beschäftigt. Sein Promotionsthema beschäftigt sich mit der innerbetrieblichen Stellung von Forschung und Entwicklung (F/E) im Blick auf japanische und europäische Firmen. Herr Bartnik erläuterte, dass eine Reihe von japanischen Unternehmen in den vergangenen Jahren aus ihren Spitzenpositionen auf dem Weltmarkt verdrängt (Bsp. Halbleiterindustrie) bzw. auf dem inländischen Markt durch ausländische Konzerne in starke Bedrängnis gebracht wurden und Marktanteile verloren (Bsp. Pharmabranche). Seine Studien, die er vor allem in Form von Interviews mit den für Forschungs- und Entwicklungsetat verantwortlichen Mitarbeitern bzw. Managern der Unternehmen in Japan und Deutschland führte, zeigen, dass die Stellung der F/E-Abteilungen in japanischen Firmen schwächer ist als jene von ausländischen Unternehmen. Japanische Unternehmen entwickeln auch in geringerem Umfang eigenständige F/E-Abteilungen im Ausland bzw. halten sie unter starker Abhängigkeit bzw. Kontrolle vom Mutterkonzern. Bei der Planung der Durchführung von Interviews in Japan sind Roman Bartnik die nachfolgenden Punkte aufgefallen. Die Kontaktaufnahme mit Personen im F/E-Management der Firmen über die offiziellen Wege (Kommunikationsabteilung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) dauerte häufig sehr lange bis zum Erreichen des zuständigen Ansprechpartners. Daher war es oft günstiger, die Entscheidungsträger im Bereich F/E direkt anzusprechen bzw. anzuschreiben. Um seine Interviewintentionen besser umzusetzen und seine Forschung zu fokussieren, konnte er durch die Unterschrift seines japanischen Professors auf den Anschreiben seine Vorhaben den Firmen gegenüber glaubhafter präsentieren. Oftmals waren japanische Unternehmen aber auch an Gesprächen mit nicht-japanischen Studenten stark interessiert. Abschließend wies Herr Bartnik noch darauf hin, dass er die meisten Kontakte zu den jeweiligen japanischen Firmen bzw. Niederlassungen deutscher Konzerne über die Vertretung der IHK in Tokio erhalten hatte. Die Wirtschaftsabteilung der deutschen Botschaft konnte ihm hingegen nur sehr begrenzte Unternehmensdaten zukommen lassen.

Nach einer kurzen Kaffee- und Kekspause präsentierte als vierter Redner Dr. Nobuo Watanabe aus der Biofluidmechanics Group des Charité Universitätsklinikums Berlin seine Sichtweise auf die Unterschiede zwischen Deutschland und Japan. Dr. Watanabe ist als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung in Deutschland und JSPS-Club Mitglied. Im ersten Abschnitt seiner Präsentation beschrieb Dr. Watanabe die länderspezifischen Unterschiede, die ihm innerhalb der täglichen Laborarbeit aufgefallen waren. Einige dieser Unterschiede sind in der nachstehenden Tabelle gegenübergestellt:

Deutschland

Japan

Doktoranden können auf technisches Personal (Spezialisten) zurückgreifen

Keine technischen Angestellten; alle Doktoranden müssen die Techniken selbst erlernen

Bezahlung von Doktorandenstellen
Grund: Tätigkeit wird als Arbeit angesehen

keine Bezahlung von Doktorandenstellen
Grund: Tätigkeit wird als Ausbildung oder Studium angesehen

Pünktlicher Feierabend

Feierabend nachdem der Chef gegangen ist

Diese Unterschiede ließen Dr. Watanabe zur Schlussfolgerung kommen, dass die japanischen Doktoranden einen höheren Erkenntnisgewinn während des Doktorandenstudiums erzielen können, da sie sich mit allen auftretenden Problemen aufgrund der fehlenden technischen Experten selbst auseinandersetzen müssen. Allerdings sind eine schlechte finanzielle Absicherung, kein Urlaub und höhere Stressbelastung negative Eigenschaften dieses japanischen Systems. Die Nachteile des deutschen Systems liegen seiner Meinung nach hingegen in der geringen Flexibilität und dem starren Festhalten an systematischen Prozessen, welches zu einer Vernachlässigung des eigenständigen Denkens bei den Doktoranden führen kann.

Im fünften und letzten Vortrag des JSPS Junior Events stellte Dr. Thomas Parkner von der Universität Bonn (Abt. Geomorphologie) seinen „japanischen“ Werdegang vor. Dieser begann über einen dreijährigen englischsprachigen internationalen PhD-Kurs des Mombukagakusho (MEXT) an der Shinshu Universität und schloss mit einem PhD in Forstwissenschaften ab. Anschließend konnte er seine Studien mit einem zweijährigen long-term Fellowship des JSPS an der Hokkaido Universität fortsetzen. Das zentrale Forschungsthema seiner über fünfjährigen wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigte sich mit der Entwicklung von Gullsystemen (geologische Rinnensysteme, über die Sedimente aus höheren Berglagen ausgewaschen und in die Täler geschwemmt werden) in geologisch ähnlichen Landschaften Japans und Neuseelands. Während in Japan durch die starke Verbauung der Umwelt, die natürliche Entwicklung solcher Rinnensysteme nur sehr schwer zu verfolgen ist, können auf der neuseeländischen Nordinsel bei ähnlichen geologischen Bedingungen diese Prozesse in einer vom Menschen nur gering beeinflussten Natur untersucht werden. Aus den Ergebnissen der Studien lassen sich Rückschlüsse über den natürlichen Sedimenttransport ziehen, welche bei der Umsetzung von neuen Konzepten zum kontrollierten und dosierten Sedimentabtransport eingesetzt werden können. Bislang werden in Japan jedes Jahr Milliarden Steuergelder in Betonverbauungen und Sedimentrückhaltedämme investiert. Diese Dämme erfüllen ihren Zweck jedoch zumeist nur für eine Taifunsaison, bevor sie mit abgetragenen Sedimenten zugefüllt sind. Gelänge es den Sedimentabtransport ganzjährig zu dosieren, wären geringere Eingriffe in die Natur notwendig bei einem gleich bleibenden Sicherheitspotential für die am Fuße der Berge liegenden Siedlungen. Zum Abschluss seines Vortrages verdeutlichte Dr. Parkner, dass nicht nur aktuelle Zustände eine hohe Relevanz zur Erforschung von Gullsystemen aufweisen, sondern auch historische Geländedaten wichtige Informationen enthalten. Aus diesem Grund fand im Jahr 2007 in Sapporo ein erster deutsch-japanischer Workshop zu diesem Themengebiet statt. Im Vergleich zur japanischen Seite, die sich vor allem mit hochaktiven geologischen Prozessen beschäftigt, hat auf der deutschen Seite die Erhebung langfristiger geomorphologischer Daten oftmals im Vordergrund der Forschung gestanden. Die Kombination der unterschiedlichen Forschungsansätze in einem gemeinsamen Workshop kann somit zu einer gemeinsamen Entwicklung neuer Forschungsansätze dienen. Ein weiterer gemeinsamer Workshop ist für das Jahr 2009 in Planung.

Im Anschluss an die Veranstaltung konnten sich alle Redner und Teilnehmer beim gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Zur Uhle“ besser kennenlernen und über ihre Japanerfahrungen austauschen. Aus Sicht aller Teilnehmer/innen und der Organisatoren Frau Ganter-Richter, Dr. Christian Vogel und Prof. Dr. Menkhaus hat sich die Veranstaltung gelohnt, und sie soll im nächsten Jahr im Anschluss an das „Mitglieder laden Mitglieder ein“-Treffen in Berlin wiederholt werden. Ein besonderer Dank gilt abschließend auch dem Bochumer Organisationsteam, dass die Veranstaltung in den Räumen der Ruhr-Universität ermöglicht hat.

Dr. Matthias Hofmann (Dipl.-Biol.), Zentrum der Dermatologie und Venerologie, Goethe-Universität Frankfurt/M

 

Nominierung des Vorstandsmitglieds Dr. Jäger-Waldau zum Lead Author for the IPCC Special Report on Renewable Energies Sources and Climate Change Mitigation

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wurde gemeinsam von der  World Meteorological Organisation (WMO) und dem United Nations Environment Programme (UNEP) etabliert, um die verfügbaren wissenschaftlichen Informationen sowie die Konsequenzen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels zu sammeln und zu analysieren und mögliche Vermeidungsstrategien zu erarbeiten. Auf Anfrage berät das IPCC in wissenschaftlichen/technischen sowie sozio-öko-nomischen Fragestellungen die Conference of the Parties (COP) to the United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC).

Seit seiner Gründung hat das IPCC eine Anzahl von Assessment Reports, Special Reports, Technical Papers, Methodologie Papers und andere Publikationen erstellt, die in der Zwischenzeit Standardwerke für Politiker, Wissenschaftler und andere Experten geworden sind.

Ausdruck der internationalen Wertschätzung der Arbeit des IPCC ist die Tatsache, dass das IPCC zusammen mit Al Gore den Friedensnobelpreis 2007 für die Arbeiten zum Klimawandel erhalten hat.

Auf der Plenartagung des IPCC in Mauritius im April 2006 wurde beschlossen, einen Special Report über Energy Sources and Climate Change Mitigation zu erstellen, da dieses Thema im vierten Assessment Report nur sehr begrenzt behandelt wurde. Dieser Special Report soll 2010 verfügbar sein, um dann im fünften Assessment Report als Grundlage zu dienen.

Der Special Report soll zum besseren Verständnis folgender Punkte beitragen:

  • resources by region and impacts of climate change on these resources;
  • the mitigation potential of renewable energy sources;
  • the linkages between renewable energy growth and co-benefits in achieving sustainable development by region;
  • the impacts on global, regional and national energy security;
  • the technology and market status, future developments and projected rates of deployment;
  • the options and constraints for integration into the energy supply system and other markets, including energy storage options;
  • the economic and environmental costs, benefits, risks and impacts of deployment;
  • capacity building, technology transfer and financing in different regions;
  • policy options, outcomes and conditions for effectiveness; and
  • the accelerated deployment could be achieved in a sustainable manner.

Der Report ist in zehn Kapitel gegliedert, wobei sich fünf Kapitel mit den verschiedenen erneuerbaren Energien beschäftigen, während die anderen Kapitel Fragen der Integration der erneuerbaren Energien in das existierende Energiesystem, wirtschaftliche und regionale Konsequenzen der Nutzung lokaler erneuerbarer Energien und die Auswirkungen auf den Klimawandel selbst behandeln.

Ich wurde für das Kapitel "Solarenergie" als Lead Author nominiert und werde vom 25. bis 30. Januar am ersten Treffen der Lead Authors in San Jose dos Campos, Brasilien, teilnehmen, wo die Struktur des Reports festgelegt werden soll.

Dr. Arnulf Jäger-Waldau
European Commission, DG JRC, Institute for Energy, Ispra (VA), Italien
www.ipcc.ch/ipccreports/index.htm

 

Gemeinsame Untersuchungen zu Seenzirkulation und Klimafolgen

Japan besitzt mit den Seen Ikedako (Kyushu), Tazawako, Towadako (beide in Tohoku), Toyako, Kuttarako und Shikotsuko (letztere drei auf Hokkaido), eine Serie von sehr tiefen (bis 423 m) Kaldera-Seen, die auf der Erde einzigartig sein dürfte. Bald werden jedoch Seen von ähnlicher Form und Tiefe in aufgegebenen Tagebauen an vielen Stellen der Erde entstehen. Die Wasserqualität wird eine andere sein, aber das soll uns hier nicht beschäftigen. Das lange Band vom warmen Südzipfel Kyushus, der Satsuma-Halbinsel, bis nach Hokkaido, wo es zumindest im Frühjahr noch empfindlich kalt ist, bot die Möglichkeit, Seeschichtung und -zirkulation in sehr tiefen und steilen Seen über verschiedene Klimaregionen zu betrachten.

Toyako auf Hokkaido ist einer der untersuchten tiefen Kalderaseen

Kollegen, die das wissenschaftliche Interesse an Seen teilen und mich tatkräftig bei den Arbeiten unterstützten, waren Prof. Chikita von der Hokkaido Universität, Dr. Fukuyama vom Hokkaido Institute for Environmental Sciences und Prof. Kikukawa von der Kagoshima Universität; letzterer ist mittlerweile emeritiert. Zum Ende des Winters – das ist auf Kyushu Ende März und auf Hokkaido im Mai – wurden mit präzisen Sonden hoch aufgelöste Profile von Temperatur, elektrischer Leitfähigkeit, pH, Sauerstoffkonzentration und anderen Größen durch die gesamte Wassersäule gemessen, um die Erneuerung von Tiefenwasser durch frisches sauerstoffreiches Oberflächenwasser zu verifizieren. Die Tiefenwassererneuerung ist für die Verteilung von Sauerstoff und Nährstoffen im Wasser von zentraler Bedeutung. Veränderungen der Tiefenzirkulation beeinträchtigen die Wasserqualität und stellen Organismen vor Probleme, die zumindest einige Arten nicht verkraften.

Die genannten Seen sind mit dem Auto erreichbar. An manchen kann man sich auch Ausflugsboote oder Fischerboote mieten, aber auch dem Rudern kann man im Sommer eine interessante Seite abgewinnen. Die Ergebnisse waren überwältigend. Nur im Towadako lag eine Salzschichtung vor, die die Tiefenzirkulation ver- oder behinderte. Das war auch schon vorher bekannt. Die anderen Seen verhielten sich als wäre reines Wasser im Seebecken. Die Tiefenzirkulation war allein durch die Temperatur kontrolliert, und die Profile waren Musterbeispiele für die verschiedenen Klimazonen. So klar hatte man die Zusammenhänge vorher noch nicht gesehen und deshalb auch nicht so klar verstanden.

Eingesetzte Sonden, mit denen Profile von physikalischen und chemischen Größen in den sehr tiefen Seen gemessen wurden.

Fällt in den wärmeren Seen die Wassertemperatur im Winter nie unter 4 °C, dann dringt das kälteste Wasser des Winters in die tiefsten Bereiche des Seebeckens vor. Der See konserviert also die Wintertemperatur, bis ein erneuter kalter Winter Temperaturen erzeugt, die das alte Tiefenwasser, das sich zwischenzeitlich durch diffusiven Wärmeeintrag etwas erwärmt hat, wieder verdrängen können. So weit, so einfach. Seen, die an der Oberfläche kälter werden als 4 °C, erneuern ihr Tiefenwasser nahe dem Durchgang durch 4 °C; so ist es zumindest gemeinhin bekannt. Süßwasser hat allerdings nur bei Atmosphärendruck seine höchste Dichte bei 4 °C. Auf einer Wassertiefe von 150 m zum Beispiel ist dort vorhandenes 3,7 °C kaltes Wasser dichter und lässt sich nicht verdrängen. Die Tiefenwassererneuerung ist also komplizierter, und das Tiefenwasser in diesen sehr tiefen Seen ist messbar kälter als 4 °C. Die Tiefenwassertemperatur ist bei reinem Wasser aus Stabilitätsgründen ab einer gewissen Tiefe konstant und ergibt sich als die Temperatur der maximalen Dichte bei der (windgetriebenen) Mischungstiefe im Winter. Das ist zugegebenermaßen etwas sperrig, wir können aber festhalten, dass das Tiefenwasser keine witterungsbedingte Temperatur konserviert, sondern eher eine Materialkonstante.

Damit ergeben sich simple Schlussfolgerungen für die Klimasensitivität. Werden Winter wärmer, dann steigt die Tiefenwassertemperatur der sehr tiefen Seen in wärmeren Klimazonen, in den kalten Klimazonen hingegen nicht. Eine Literaturrecherche brachte Einzelmessungen mit Kippthermometern aus den 1930er Jahren an das Tageslicht, die diesen Trend bestätigten. Damit ergibt sich auch, dass die Tiefenwassererneuerung vor allem in wärmeren Seen durch steigende Temperaturen beeinträchtigt wird. Ganz dramatisch wird es, wenn die Wintertemperaturen von Jahr zu Jahr ähnlich schnell steigen wie die Temperatur des Tiefenwassers durch diffusiven Wärmeeintrag. Dann kommt es zu keiner Tiefenmischung mehr. In kalten Klimazonen hingegen ist die Tiefenwassererneuerung nicht essentiell beeinträchtigt, solange sich die Veränderungen in einem gewissen Rahmen bewegen.

Die Zusammenarbeit hat sich über die Jahre 2005 bis heute bewährt. Die Ergebnisse wurden in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Interessierte können sich gerne bei mir weiter informieren.

Bertram Boehrer, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

 

Stephan Köhn: Traditionen idealisierter Weiblichkeit. Die „Kostbare Sammlung von Vorbildern weiblicher Weisheit“ (Joyô chie kagami takaraori) als Paradebeispiel edo-zeitlicher Frauenbildung.

Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2008
375 Seiten + 1 CD-ROM
ISBN: 978-3-447-05811-7
Preis: 76 Euro

Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert wurde in Japan eine unüberschaubare Anzahl an Lehr­büchern gedruckt, die sich erstmals einem über Jahrhunderte hinweg völlig vernachlässigten Bereich näher widmeten: dem Thema Frauenbildung. Weit mehr als 1500 Titel sind heutzutage bekannt, einige davon nur wenige Seiten dick, andere hingegen ein paar hundert Seiten stark. Die im Jahr 1769 im Verlag Shôkôdô (i.e. Kashiwaraya Sei’emon, Ôsaka) erschienene „Kost­bare Sammlung von Vorbildern weiblicher Weis­heit“ stellt mit ihren 246 Seiten dabei nicht nur einen der mit Abstand umfangreichsten Titel dar, sondern zweifelsohne auch einen der vielseitig­sten, denn das Themenspektrum erstreckt sich von moralischen Belehrungen, Wahrsagerei oder Astrologie über Hochzeits-, Brief- und Tischetikette bis hin zu Haushaltsfragen, Spielanleitungen zur Wölbbrettzither oder medizinischen Ratschlägen zur Behandlung spezifischer Frauenkrankheiten, zu Schwangerschaft und Säuglingspflege.

Die mit diesem Band erstmals vorliegende vollständige Edition, annotierte Übersetzung und Interpretation dieses äußerst facetten- und umfangreichen Werkes wurde durch ein JSPS Stipendium am Art Research Center der Ritsumeikan Universität in Kyoto im Jahr 2006 ermöglicht. Die Publikation gibt nicht nur Aufschluss über Bedeutung und Funktion dieser bislang zu Unrecht vernachlässigten vormodernen Printmedien, sondern eröffnet auch wertvolle neue Einblicke in das bürgerliche Alltagsleben der Edo-Zeit. Nach einigen kurzen bibliographischen Vorbemerkungen zum zugrunde liegenden Originaltext in Kapitel 1 steht eine eingehende Betrachtung des kulturhistorischen Kontextes von Frauenbildungsbüchern (ôraimono bzw. jokun­mono) im Mittelpunkt von Kapitel 2. Dabei werden sowohl die Entstehungsgeschichte des Lehrbuchs in Japan, der Transformationsprozess zur vormodernen Bildungsgesellschaft und die gesellschaftliche Stellung der Frau näher beleuchtet, als auch ein kritischer Blick auf die Produzenten dieser im wahrsten Sinne des Wortes Bestseller des vormodernen Druck- und Verlagsgewerbes geworfen. Kapitel 3 enthält die annotierte und mit den Schwarzweißillustrationen des Originals versehene Übersetzung des Textes; die dazugehörige Edition befindet sich zusammen mit dem Faksimile im PDF-Format (insg. 493 Seiten) auf beiliegender CD-ROM. Das abschließende Kapitel 4 greift noch einmal die zentralen Aspekte des im Joyô chie kagami takaraori vorgestellten Bildungsprogramms für Frauen auf, beleuchtet die jeweiligen soziokulturellen Hintergründe und Kontexte, fragt nach Funktion bzw. Nutzen für die Leserinnen und verdeutlicht durch Vergleiche mit anderen zeitgenössischen Publikationen den sicherlich überraschend hohen Grad der Professionalisierung und Kommerzialisierung dieses Marktsektors. Die Idealisierung und Normierung vormoderner Weiblichkeit, die im Joyô chie kagami takaraori und anderen Lehrwerken dieser Zeit zu finden ist, weist dabei, wie im Resümee kurz gezeigt, interessante Parallelen zu zeitgenössischen deutschen „Reallexika“ und „Hausvätern“ auf. Für eine weiterführende komparatistische Studie, die sich erstmals näher der Untersuchung solcher transnationaler und transkultureller Symmetrien widmet, ist zumindest mit dem vorliegenden Band ein erster wichtiger Schritt gemacht.

Stephan Köhn (Universität Erlangen-Nürnberg)

 

HWADJ-Fond des JSPS Clubs: nächste Antragsfrist 31. März 2009

Der von der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. eingerichtete Hilfsfond fördert den wissenschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und Japan durch die Übernahme von Reise- und Kongresskosten japanischer Wissenschaftler im Zusammenhang mit Vorträgen an deutschen Forschungseinrichtungen und auf Kongressen oder der Durchführung oder Vorbereitung gemeinsamer Forschungsvorhaben mit anderen Wissenschaftlern innerhalb Deutschlands. Die Antragstellung kann ausschließlich durch ein ordentliches Vereinsmitglied für einen japanischen Wissenschaftler erfolgen.

Antragsformulare finden sich auf www.jsps-club.de

 

!! Terminankündigung!!

Das nächste Treffen ehemaliger JSPS-Stipendiaten findet am 22. und 23. Mai 2009 im Rahmen des 14. deutsch-japanischen Symposiums zum Thema „Robotics“ in Karlsruhe statt. Bitte merken Sie sich schon jetzt diesen Termin vor.

 

Impressum

Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
Redaktion: Ingrid Fritsch
Mitarbeit: Meike Albers
Verantwortlich:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
c/o JSPS Bonn Office, Ahrstr. 58, 53175 Bonn
Tel.: 0228/375050, Fax: 0228/957777
E-mail

Die in den Beiträgen geäußerten Ansichten geben nicht
unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.

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