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Neues vom JSPS Club 06/2002


Walzenaufnahmen japanischer Musik (1901–1913)

Privatdozentin Dr. Ingrid Fritsch ist Gründungsund Vorstandsmitglied des Vereins. Im WS 2002/03 vertritt sie den Lehrstuhl für Japanologie in Frankfurt. Seit ca. zwei Jahren ist sie mit der Durchsicht und wissenschaftlichen Bearbeitung historischer Walzenaufnahmen japanischer Musik aus dem Berliner Phonogrammarchiv betraut. Das Projekt, das mit der Herausgabe einer CD Anfang 2003 ein erstes Ergebnis zeigen wird, soll hier kurz vorgestellt werden.

Das vor hundert Jahren begründete Berliner Phonogramm-Archiv verfügt über die weltweit größte Sammlung von Edison-Zylindern mit mehr als 16.500 originalen Phonogrammen, die zwischen 1893 und 1943 in den verschiedensten Regionen der Welt aufgenommen worden sind. Die Bestände des Archivs, die nach dem Krieg erst nach Leningrad und dann in die DDR gelangten, konnten 1991 in das Museum für Völkerkunde in Berlin-Dahlem zurückgeführt werden.

In der Abteilung Musikethnologie wird nun an dem Projekt "Rettung der größten Sammlung ältester Klangdokumente von traditioneller Musik aus aller Welt – Restaurierung und Überspielung der berühmten Sammlungen von Walzen und Schellackplatten des Berliner Phonogramm-Archivs" gearbeitet. Ziel ist die Erfassung sowie wissenschaftliche Aufarbeitung und Kommentierung der historischen Tondokumente und ihre Übertragung auf digitale Tonträger. Das Vorhaben stößt international auf großes Echo. Dabei wird auch die moralische Verpflichtung Deutschlands betont, diese nicht nur für die Fachgeschichte, sondern vor allem für die jeweiligen Länder selbst so wertvollen historischen Tondokumente nun auch den Völkern zugänglich zu machen, bei denen sie aufgenommen wurden.

Unter den 315 Walzen-Sammlungen gibt es fünf, im Zeitraum zwischen 1901 und 1925 aufgenommene Konvolute japanischer Musik mit 132 Wachszylindern, von denen 111 Zylinder ausfindig gemacht werden konnten. Bearbeitet wurde bisher der Zeitraum von 1901 bis 1913.

Die erste Sammlung, "Archiv I", wurde von Otto Abraham und Erich v. Hornbostel mit der bekannten Theatertruppe von Kawakami Otojirô und Sada Yacco 1901 in Berlin aufgenommen, erweitert durch Shakuhachi (Bambusflöten)- und Liedaufnahmen japanischer Gaststudenten. “Archiv II“ besteht aus sechs Zylindern mit Aufnahmen einer in Berlin konzertierenden Geisha-Truppe, aufgenommen von Erich Fischer. Die dritte Sammlung, urspr. 35 Walzen mit japanischer Musik verschiedener Gattungen, wurde von Erwin Walter und Heinrich Werkmeister 1911/1913 in Japan auf Wachszylindern festgehalten.

Auch wenn die Sichtung des Materials mangels Tonqualität und Dokumentation recht mühselig war, erwiesen sich die Recherchen oft als spannend und brachten manche Überraschung. Bei einigen der ausgewählten Aufnahmen handelt es sich um wirklich außerordentliche historische Tondokumente, die bisher weder in Europa noch in Japan bekannt waren.

So ist etwa die legendäre Sada Yacco, von der man bisher aus so früher Zeit (1901!) keine Aufnahmen kannte, mit Gesang und Koto-Spiel zu hören. Dies stellte sich aber erst nach langwierigen Untersuchungen heraus. Bisher hatte man aus Unkenntnis der adäquaten Geschwindigkeit die Walze zu langsam abgespielt und so eine sonore Männerstimme erhalten!

Nun ist, nach mehr als 100 Jahren, die Stimme auf CD zu hören, die in so vielen zeitgenössischen europäischen und amerikanischen Berichten staunend bejubelt wurde und u.a. Isodora Duncan, Toulouse-Lautrec und Picasso beeindruckte.


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