PD Dr. Hajo Zeeb

Fachgebiet: Epidemiologie

Wo kommt der Krebs her?

Die Krebsepidemiologie hat zum Ziel durch Bevölkerungsstudien herauszufinden, welche Faktoren zu Krebs führen. Dazu werden Krebserkrankungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern registriert. Einer der größten Erfolge der Krebsepidemiologie war die Identifikation von Tabak als Ursache für Lungenkrebs. In letzter Zeit wurden bestimmte Infektionen identifiziert, die zu Krebs führen, was interessante Perspektiven für die Krebsvorsorge durch Immunisierung eröffnet. Ernährung und Umweltfaktoren sind weiterhin der Kern der aktuellen Krebsforschung und großangelegte Untersuchungen wie die EPIC-Studie erweitern die Kenntnis der Beziehung zwischen Ernährung und Krebs.

Hajo Zeeb von der World Health Organization (WHO) beschäftigt sich mit Strahlung und Gesundheit. Dazu untersucht er z. B. beruflich strahlenexponierte Personengruppen wie  Piloten und Kabinenpersonal, da sie einer erhöhten kosmischen Strahlung ausgesetzt sind. In großen epidemiologischen Studien, die mit Forschern aus vielen anderen europäischen Ländern durchgeführt werden, beschäftigt er sich mit der Frage, ob bei diesen Personen gesundheitliche Folgen durch Strahlung auftreten.

Ein weiterer Bereich ist die Untersuchung von Radon. Dies ist ein radioaktives Gas, das aus dem Erdreich in Gebäude aufsteigt und das Lungenkrebsrisiko der Bewohner erhöht. Mit seinem Team stellt er internationale Studienergebnisse zusammen, ermittelt die weltweite Krankheitslast und entwickelt Empfehlungen zum Schutz vor Radonbelastungen. Weiterhin beschäftigt er sich mit gesundheitlichen Wirkungen der Sonnenstrahlung (UV-Strahlung), die zu Hautkrebs führen kann. In diesem Kontext ist zurzeit die Diskussion interessant, ob UV-Strahlung und Vitamin D gegebenenfalls aber vor anderen Krebsarten schützen.

Ein anderer Forschungsschwerpunkt von Zeeb ist Krebs und Migration: Bei der Migration wandern nicht nur Menschen, sondern auch ihre speziellen Gesundheitsrisiken - allerdings treffen Migranten auch auf viele neue Umstände, die ihre Gesundheit beeinflussen. Zeeb untersucht das Krebsrisiko von Migranten in Deutschland. Derzeit läuft eine Untersuchung im Deutschen Kinderkrebsregister, bei der Neuerkrankungsrisiken deutscher und türkischer Kinder verglichen werden.

In diesen Forschungsbereichen bestehen gute internationale Kontakte. Eine Zusammenarbeit mit japanischen Kollegen ist für Zeeb in vieler Hinsicht interessant, denn in der Krebsepidemiologie stehen Japan und Deutschland vor ähnlichen Aufgaben.

Hajo Zeeb, geboren 1963, studierte Medizin und Philosophie an der RWTH Aachen (Promotion 1990) in Dundee (Schottland) und an der Universität Heidelberg, wo er sich im Jahr 2003 habilitierte. Zeeb forschte u. a. am Walsgrave Gen. Hospital in Coventry (Großbritannien), am Engela Hospital in Namibia (Afrika), am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und an der Universität Bielefeld. Seit 2005 arbeitet Zeeb bei der WHO in Genf (Schweiz).

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