Laudatio für Prof. Dr. Yasuo Tanaka aus Anlass der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. am 11. Mai 2012 in Münster

Im Frühjahr 1995 hatte auf Einladung des seinerzeitigen Leiters des JSPS-Büros in Bonn, Herrn Prof. Dr. Eiichi Arai, ein erstes Treffen der ehemaligen Stipendiaten der Japan Society for the Promotion of Science aus Deutschland in Bonn stattgefunden. Auf dieser von über 100 Stipendiaten besuchten Veranstaltung kam die Idee auf, eine Alumni-Vereinigung der ehemaligen deutschen Stipendiaten der JSPS nach dem Vorbild der zahlreichen Humboldt-Vereinigungen zu gründen. Das Vorhaben wurde durch das JSPS-Büro in Bonn personell unterstützt. Im Sommer 1995 kam es daraufhin in den Räumen des alten JSPS-Büros im sog. Bonn-Center, zur Gründungsversammlung der Alumni-Vereinigung, die den Namen Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten, kurz JSPS-Club erhielt. Bei der Gründungsversammlung waren der noch amtierende Leiter des JSPS-Büros, Herr Prof. Arai, dem später vom JSPS-Club die erste Ehrenmitgliedschaft  angetragen wurde, und der schon designierte neue Leiter des Bonner JSPS-Büros, Prof. Tanaka, zugegen. Prof. Tanaka war schon etwa zwei Jahre vorher als Forschungspreisträger der Alexander von Humboldt-Stiftung nach Deutschland gekommen, wo er als Astronom am Max Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München tätig wurde. Dort ist er auch heute noch tätig. Die Abrede zwischen dem JSPS-Club und dem JSPS-Büro sah vor, dass der JSPS-Club das JSPS-Büro als Geschäftsstelle nutzen könne und ein Mitarbeiter des JSPS-Büros, wenn nötig, für die Aufgaben des JSPS-Clubs zur Verfügung gestellt würde.

Als erste und noch immer fortbestehende gemeinsame Aktivität wurde die jährliche Veranstaltung eines Symposiums mit wechselnden aktuellen Themen an wechselnden Standorten in Deutschland entwickelt. Dazu werden nicht nur die Mitglieder des JSPS-Clubs, sondern alle Ehemaligen nebst ihren Partnern eingeladen. Diese Veranstaltungsreihe erfreut sich großer Beliebtheit. Die Anzahl der Teilnehmer schwankt zwischen 200 und 300 Personen, ja nach Veranstaltungsort und Thema. Das Thema selbst wurde immer mit Herrn Tanaka zusammen festgelegt. Angesichts der Herkunft der weit überwiegenden Zahl der Stipendiaten aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften, wurden die Themen überwiegend aus dem Bereich dieser Wissenschaften entnommen. Im Laufe der Zeit wurde aber der Kompromiss gefunden, angesichts der Teilnehmer aus den Geistes- und Sozialwissenschaften wenigstens eine Person zu gesellschaftswissenschaftlichen Aspekten des Themas sprechen zu lassen. Die Zahl der Referenten war stets ausgewogen. Es sprechen drei aus Japan und drei aus Deutschland. Herr Tanaka hat sich immer nach Absprache mit dem JSPS-Hauptstelle in Tokyo um die drei Referenten aus Japan bemüht. Dabei ist im seine lange wissenschaftliche Karriere in Japan selbst sehr hilfreich gewesen.

Zu dieser jährlichen Veranstaltung, ist ab dem Jahre 2003 eine weitere jährliche Veranstaltung hinzugetreten, die nur für Mitglieder des JSPS-Clubs gedacht ist. Sie trägt den Titel „Mitglieder laden Mitglieder ein“. Mitglieder laden also die anderen in ihr Unternehmen, ihr Forschungsinstitut oder an ihren Lehrstuhl ein. Begleitet wird das wissenschaftliche Programm dabei immer auch von japankundlichen Veranstaltungen. In den Jahren, in denen Herr Prof. Tanaka Leiter des JSPS-Büros war, wurde diese Veranstaltung einmal, nämlich im Jahre 2006, in Düsseldorf durchgeführt.

Außerplanmäßig gibt es auch eine Reihe von Veranstaltungen, an denen sich das JSPS-Büro und der JSPS-Club zusammen beteiligt haben. Dazu gehört etwa die Veranstaltung „Akademische Brücken zwischen Japan und Deutschland“ im Juni 2004 im Rahmen des jährlich stattfindenden Japan-Tages in Düsseldorf und die Veranstaltung „Urban Planning – Sustainable Cities“ im Rahmen des Jahres Deutschland in Japan im September 2005 in Tokyo.

Neben den Veranstaltungen sind in enger Zusammenarbeit mit dem JSPS-Büro verschiedene andere Aktivitäten des JSPS-Clubs entwickelt worden. Dazu gehören zunächst die Veröffentlichungen. Abgesehen von den Beiträgen des genannten Symposien wird das Nachrichtenblatt „Neues vom Club“ herausgegeben, welches zusammen mit dem Newsletter des JSPS-Büros versandt wird. Dazu gehört aber auch eine mittlerweile schon in 3. Aufl. vorliegende Broschüre „Japanspezialisten“, in sich die ehemaligen Stipendiaten selbst vorstellen können, um eine Stelle zu finden, oder als Gutachter, Berater usw. beschäftigt zu werden. Die Broschüre wird mit Hilfe des Bundesverbandes der deutschen Industrie, der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan, der Japanischen Industrie- und Handelskammer in Düsseldorf u.a. Organisationen kostenlos verteilt. 

Zu den anderen Aktivitäten des JSPS-Clubs zählt auch die enge Zusammenarbeit mit den deutschen wissenschaftlichen Mittlerorganisationen, die allesamt Partner von JSPS in Deutschland sind, und den japanischen Mittlerorganisationen. Aus historischen Gründen ist dabei die Zusammenarbeit mit der Alexander von Humboldt-Stiftung am engsten, so dass das JSPS-Büro und der JSPS-Club bei den Netzwerktreffen der Humboldt-Stiftung, die seit einigen Jahren nicht mehr nur in Bonn stattfinden, mit dabei und bilden eine eigene Japangruppe für diejenigen, die gerade aus Japan zurückgekehrt sind und diejenigen, die gerade auf dem Sprung nach Japan sind.

Auch bei der Restrukturierung und Überarbeitung von Stipendienprogrammen hat sich die Zusammenarbeit von JSPS-Büro und JSPS-Club als sehr tragfähig erwiesen. Ergebnis einer gemeinsamen Arbeitsgruppe war nicht nur die homepage: Forschen in Japan, sondern auch die Einführung von Schnupper-Stipendien seitens JSPS im Rahmen eines Sommerprogramms für den deutschen Nachwuchs, als auch die Einführung eines Stipendiums für Japan, welches nicht erst für sog. Postdocs zur Verfügung steht, sondern schon für diejenigen, die gerade erst mit der Doktorarbeit selbst befasst sind.

Der JSPS-Club hat mittlerweile eine so große Visibilität erreicht, dass er das Vorschlagrecht für verschiedene wissenschaftliche Preise im deutsch-japanischen Verhältnis erhielt, wie etwa den Seibold-Preis, Sitz und Stimme im Auswahlausschuss des Stipendienprogramms zur Förderung der japanbezogenen Forschung, dass von den beiden japanischen Humboldtvereinigungen vergeben wird, hat, im Japan-Arbeitskreis des BMBF vertreten ist, usw.

Alle diese Aktivtäten und damit verbunden eine erhebliche Steigerung in der Zahl der Mitglieder des JSPS-Clubs wären ohne eine beständige Unterstützung und Förderung durch Herrn Prof. Tanaka nicht möglich gewesen. Er hat den JSPS-Club von Anfang nicht als ein Kind des Vorgängers verschmäht, sondern aktiv gefördert. Er hat sich bei den Budgetverhandlungen in der JSPS-Zentrale in Tokyo für den JSPS-Club stark gemacht, weil JSPS immer noch der größte Geldgeber des JSPS-Clubs ist und weil alle Anläufe zu einer stärkeren Mitfinanzierung durch deutsche Institutionen, im Gegensatz zu den JSPS-Clubs in anderen Staaten, die sich wegen der Aufgabenstellung einer Mitfinanzierung durch den jeweiligen Heimatstaat erfreuen können, bisher gescheitert sind. In aller Regel erfolgte nach der Vorstandssitzung des JSPS-Clubs ein Gespräch mit Herrn Prof. Tanaka und seinen Mitarbeitern in Bonn, um die gemeinsamen Vorstellungen und Ziele abzustimmen. Im Laufe der Jahre ist dabei zwischen dem Vorstand des JSPS-Clubs und Herrn Prof. Tanaka eine enge Vertrauensbasis entstanden. Auch Frau Tanaka ist in dieses Vertrauensverhältnis mit einbezogen worden. Sie hat sich stets auch für die privaten Belange der Mitglieder des Vorstandes des JSPS-Clubs interessiert und versucht zu helfen, wo dies möglich war.

Der JSPS-Club, dessen Mitgliedschaft Herr Prof. Tanaka unmittelbar nach seinem Ausscheiden aus seiner Tätigkeit als Leiter des JSPS-Büros aufgenommen hat, ist ihm für seine Arbeit in den vergangenen 13 Jahren außerordentlich dankbar. Er wünscht dem neuen Ehrenmitglied und seiner Ehefrau einen langen und vor allem gesunden Lebensabend.

Heinrich Menkhaus


Yasuo Tanaka 1931–2018

Nachruf von Joachim Trümper / 30. Januar 2018

Yasuo Tanaka am MPE bei der Feier zu seinem 70. Geburtstag. © MPE

Yasuo Tanaka verstarb am 18. Januar 2018 in Tokio an einem Herzinfarkt, nur drei Monate nachdem er von einem 23-jährigen Aufenthalt am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in sein Heimatland zurückgekehrt war. Am MPE hatte er den größten Teil seines reichhaltigen Lebenswerkes auf dem Gebiet der Hochenergie-Astrophysik vollendet und den wissenschaftlichen Austausch zwischen Japan und Deutschland/Europa gefördert. Er hinterlässt seine Frau Toshiko und drei Söhne mit ihren Familien.

Yasuo Tanaka wurde 1931 in der Nähe von Osaka, Japan, als mittlerer von drei Söhnen geboren. Während des Zweiten Weltkrieges musste er als Kind in einer Fabrik arbeiten und schwere Bombardierungen ertragen, aber auch in den folgenden Jahren litt er Not und Hunger. Er trat 1950 in die Physikabteilung der Universität Osaka ein und promovierte 1961 in Physik, als er gleichzeitig bereits Mitglied einer Arbeitsgruppe um Minoru Oda an dem Luftschauerexperiment am Institute for Nuclear Study (University of Tokyo) war.

Wir trafen uns zum ersten Mal im August 1961 auf der Cosmic Ray-Konferenz in Kyoto; im Anschluss daran zeigte er mir die sehr beeindruckende Luftschaueranlage in Tokio. 1962 nahm er ein Angebot von Satio Hayakawa an, Assistenzprofessor an der Nagoya University zu werden, und nur ein Jahr später folgte er einer Einladung von Jan Oort, in die Niederlande zu kommen. Es war sein erster Kontakt mit der westlichen Astronomie-Gemeinschaft, und später sagte er oft, dass diese vier Jahre sein Leben verändert hätten. Gespräche mit den berühmten Astrophysikern Jan Oort und Henk van de Hulst eröffneten dem jungen Wissenschaftler neue Horizonte, und die fast gleichaltrigen Lo Woltjer und Johann Bleeker wurden zu seinen lebenslangen Freunden. Zusammen mit Bleeker startete er die Nagoya-Leiden-Kollaboration, die das Ziel hatte, Elektronen der kosmischen Strahlung mit Ballon-getragenen Detektoren zu messen.

Zur gleichen Zeit, 1962, entdeckten Riccardo Giacconi und seine Gruppe die erste extrasolare Röntgenquelle Sco X-1 und die weiche Röntgen-Hintergrundstrahlung und veränderten damit das Leben vieler Wissenschaftler, die bisher die kosmische Strahlung untersucht hatten. Dies traf auch auf Tanaka und Bleeker zu, die den Fokus ihres gemeinsamen Ballonprogramms von Elektronen auf den harten Röntgenhintergrund verlagerten. Diese Pionierarbeit wurde fortgesetzt, nachdem Tanaka 1967 nach Nagoya zurückkehrte, wo er sich an dem von seinem Lehrer Oda an der Universität Tokio initiierten Röntgensatellitenprogramm beteiligte.

1974 wechselte Tanaka als Professor an das Institute of Space and Aeronautical Engineering (ISAS), das zur zentralen Einrichtung für Raumfahrtforschung in Japan geworden war. Während seiner 20 Jahre am ISAS gestaltete er das Forschungsprogramm in der Röntgenastronomie. Er war Principal Investigator für vier Röntgensatelliten: Hakucho (gestartet 1979), Tenma (1983), Ginga (1987) und ASCA (1993). Für zwei weitere Missionen, die Beobachtungen der Sonne galten, Hinotori (1981) und Yohkoh war er ein Berater.

Diese eindrucksvolle Serie von Röntgensatelliten führte zu einer langen Liste wichtiger wissenschaftlicher Ergebnisse und Entdeckungen auf verschiedenen Gebieten der Astrophysik. Tanakas eigenes Interesse galt in erster Linie der Beobachtung von Materie-akkretierenden stellaren und massereichen Schwarzen Löchern. Er war Mitautor einer Reihe von Übersichtsarbeiten zu diesem Thema und Hauptautor eines bahnbrechenden Artikels in der Fachzeitschrift Nature, der auf der Entdeckung der breiten und unsymmetrischen Eisen-Ka-Linie im Spektrum der aktiven Galaxie MCG-6-30-15 mit Ginga basierte und eine völlig neue Diagnostik der Akkretionsscheibe nahe am Schwarzen Loch eröffnete. Auch die folgende Mission ASCA war ein großer Erfolg. ROSAT und ASCA, die sich durch ihre komplementären Eigenschaften hervorragend ergänzten, dominierten die Röntgenastronomie in den neunziger Jahren. Tanakas große Leistungen am ISAS waren das Ergebnis seiner organisatorischen Fähigkeiten, gepaart mit Weitsicht und Entschlossenheit.

Nach seiner Pensionierung bei ISAS im Jahr 1994 folgte Tanaka einer Einladung an das MPE, die durch einen Humboldt-Preis finanziert wurde. Während seiner 23 Jahre am MPE setzte er seine wissenschaftlichen Forschungen zusammen mit Wissenschaftlern des MPE, dem MPA und seinen ehemaligen Kollegen in Japan fort. 1995 wurde er zum Direktor des europäisch-deutschen Büros der Japanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (JSPS) in Bonn ernannt, dessen Arbeit er von 1995 bis 2008 weitgehend vom MPE aus leitete.

Für seine Leistungen erhielt Tanaka zahlreiche Auszeichnungen von nationalen und internationalen Organisationen. In Deutschland wurde er mit dem Humboldt-Preis (1994), dem Eugen- und Ilse-Seibold-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1999) und dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Im Jahr 2001 wurde er zum Auswärtigen Wissenschaftlichen Mitglied des MPE ernannt. Die letzte und wichtigste Anerkennung war für ihn die Wahl zur renommierten Japan-Akademie 2012.

Bis zuletzt nahm Tanaka am wissenschaftlichen Leben am MPE und MPA rege teil. Jeden Morgen kam er in das Institut und blieb bis zum späten Abend. Bei unseren täglichen Mittagessen genossen wir es, uns über die neuesten Fortschritte in der Astrophysik und über Themen der Weltpolitik zu unterhalten. Zwischen dem Ehepaar Tanaka und den Ehepaaren einiger MPE- und MPA-Kollegen entwickelten sich enge Freundschaften mit vielen gemeinsamen Treffen. Yasuo Tanaka und seine Frau Toshiko liebten die nahegelegenen Berge und Seen; sie reisten in den Ferien durch ganz Deutschland und an Wochenenden durch Bayern. Sie genossen die reiche Münchner Kulturszene und verbrachten den Jahreswechsel oft in Wien, wobei sie vor allem die „Fledermaus“ von Johann Strauss beeindruckte.

In den letzten Jahren verschlechterte sich Tanakas Gesundheitszustand erheblich und er beschloss schließlich nach langem Kampf, nach Japan zurückzukehren. Anfang Oktober 2017 flogen sie in ihre Heimat zu ihrem Haus in Tokio und zu ihren Söhnen.

Mit Yasuo Tanaka verlieren unser Institut und die astrophysikalische Gemeinschaft einen großen Wissenschaftler und einen Freund mit einer warmen und großzügigen Persönlichkeit. Er wird seinen Kollegen, Freunden und Astronomen auf der ganzen Welt in bester Erinnerung bleiben.

Neues vom Club 03/2018
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Regionales Club-Treffen
München | 13. Jan. 2019
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Symposium „Art, Architecture
and Technology“

Wien | 24.–25 Mai 2019
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