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Nachlese von Ludger Neumann

„Mitglieder laden Mitglieder ein“

Das Japan-Zentrum der Philipps-Universität Marburg besuchten Mitglieder des JSPS-Clubs und die Mitarbeiter des Bonner JSPS-Büros auf Einladung von Herrn Prof. Menkhaus am 21. und 22.11.2003. Die Tradition der Japanwissenschaften an der Philipps-Universität geht auf das Jahr 1878 zurück, in dem J. J. Rein eine Vorlesungsreihe über die Geographie Japans begann. Heute sind vier Fachrichtungen am Japan-Zentrum vertreten: Rechtswissenschaft, Religion und Geistesgeschichte Japans, Gesellschaft und Geschichte sowie Wirtschaft. Die vier Professoren sind in ihrem jeweiligen Fachbereich verankert, wo die Studenten die Grundlagen und Methoden ihres Fachs erlernen. Das Japan-Zentrum verfügt an zentralen Einrichtungen über ein Sprachenzentrum, wo in 10 Semesterwochenstunden intensiv Japanisch gelehrt wird, über einen Bereich für Information und Dokumentation sowie über eine umfangreiche Bibliothek mit 34.000 Bänden und über 340 laufenden Zeitschriften. Der Anteil japanischsprachiger Literatur beträgt etwa 70% und versetzt die Studenten am Japan-Zentrum in die Lage, nach Absolvieren von Sprachkurs und Japan-Aufenthalt im Hauptstudium Arbeiten auf der Basis von japanischer Originalliteratur durchzuführen.

Während am Nachmittag des 21.11. interessierten Professoren und Dozenten der Philipps-Universität von den Mitarbeitern des Bonner JSPS-Büros Förderungsmöglichkeiten durch die JSPS vorgestellt wurden, konnten die Mitglieder des JSPS-Clubs mehr über die Arbeit im Japan-Zentrum erfahren.

Herr Prof. Pauer sprach über Japans industrielle Revolution. Er wies nach, dass Japan nach 1853 nicht wie häufig behauptet einen Sprung vom „finsteren Mittelalter“ in die Neuzeit tat. Vielmehr wurden vom Ausgangspunkt eines hohen wissenschaftlichen und kulturellen Niveaus in der Meijizeit nach der Öffnung des Landes ausländisches Wissen und Technologie übernommen und rasch weiterentwickelt.

Über Pilgerfahrten in Japan referierte Herr Prof. Pye. Noch heute existieren zahlreiche Pilgerwege in Japan, wobei wie auf Shikoku oder in der Kanto-Region meist 33 Orte besucht werden müssen. Die teils religiös, teils touristisch motivierte Fahrt nahm früher für Fußreisende etwa 60 Tage in Anspruch. Heute reichen 2 bis 3 Wochen aus, wobei detaillierte Karten und Führer eine effiziente Bewältigung der Wege fördern. Bei jedem Besuch lässt der Pilger ein Bittkärtchen zurück, er führt eine religiöse Handlung aus, und er erhält nach jedem Besuch gegen Bezahlung einen Stempel.

Herr Prof. Menkhaus stellte in seinem Vortrag die Frage: Japanisches Recht – Made in Germany? Im Vertrag von Kanagawa von 1853 war Japan kein souveräner Status zuerkannt worden. Die Signatarstaaten, zu denen ab 1861 auch Preußen gehörte, waren aber bereit, diesen Status zu ändern, wenn Japan ein modernes Rechtssystem einführte. Das französische Recht wurde lange als Grundlage für ein neues japanisches Rechtssystem studiert. Doch dann beeindruckten der Sieg Preußens über Frankreich sowie die Rolle des deutschen Kaisers die Japaner so stark, dass Elemente des preußischen Rechts übernommen wurden. Allerdings traten damals bereits entscheidende Abweichungen vom preußischen Recht auf. Der Einfluß deutschen – genauer preußischen Rechts – blieb zeitlich und inhaltlich begrenzt.

Ein Empfang im Gewölbekeller mit einem gemeinsamen Abendessen sowie eine Stadtführung durch die traditionsreiche Stadt Marburg, deren Leben auch heute noch stark von der Universität geprägt wird, rundeten die beiden Tage ab.

Leider waren nur wenige Mitglieder des JSPS-Clubs dieser ersten Einladung eines der Mitglieder gefolgt. Die beiden interessanten Tage in Marburg sollen nur der Auftakt weiterer Einladungen von Mitgliedern für Mitglieder sein, denen eine weitaus stärkere Beteiligung zu wünschen bleibt.

Ludger Neumann

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