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Neues vom JSPS Club 03/2019

 

EDITORIAL

Wissenschaft in den Angeboten der Deutsch-Japanischen Gesellschaften

von Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, Vorsitzender und Landesbeauftragter Japan

Unmittelbar vor dem 25. Gründungsjubiläum des JSPS-Clubs im Jahre 2020 und vor Erreichen einer Mitgliederzahl von 500 Mitgliedern, liegt es nahe, auch einmal über die Rolle von Mitgliedern in einem Verein nachzudenken. Ein Verein ist eine Rechtsform, bei der es ganz entscheidend auf die Mitglieder ankommt. Sie sind nicht nur Beitragszahler und üben in der Mitgliederversammlung ihr Stimmrecht aus. Sie gestalten vielmehr die Tagesarbeit des Vereins aktiv mit. Insofern gibt es beim JSPS-Club eine fast unübersehbare Fülle von Aufgaben, in die sich die Mitglieder aktiv einbringen können.

Das beginnt schon mit den jährlichen Veranstaltungen. Da braucht es eine Hochschule oder Forschungseinrichtung als Tagungsort und ein Mitglied, das die Veranstaltung gern an seiner Alma Mater ausgerichtet sehen möchte, jemanden im Scientific Committee, das die Veranstaltung wissenschaftlich betreut, und jemand, der sich als Vorsitzende(r) des Local Organising Committee um die nötigen Räume, Hotels, Catering usw. kümmert.
Selbstverständlich sind gerade die Mitglieder gefragt, diese Veranstaltungen thematisch festzulegen und auch selbst Vorträge aus ihren eigenen Arbeitsgebieten zu halten. Sie sind auch die geeigneten Ansprechpartner für die Auswahl der japanischen Kolleginnen und Kollegen, die zum Thema etwas sagen können.

Auch bei der Benennung geeigneter Kandidaten für akademische Preise sind die Mitglieder in besonderer Weise angesprochen. Der JSPS-Club hat für einige dieser Preise das Vorschlagsrecht. Dieses nutzt der Vorstand, indem er nach der Ausschreibung von Preisen die Mitglieder um Vorschläge für geeignete Kandidaten bittet. Diese Vorschläge sind dann besonders gut weiterzugeben, wenn sie nach den jeweils unterschiedlichen Anforderungen der Preise gut dokumentiert sind. Es ist auch höchst wünschenswert, dass sich die Mitglieder melden, die einen Preis erhalten haben, um diesen Umstand durch den Newsletter bzw. die Homepage des JSPS Clubs bekanntzumachen.

Im vierteljährlich erscheinenden Newsletter haben alle Mitglieder jederzeit die Möglichkeit, geeignete Artikel unterzubringen, ihre neuesten Veröffentlichungen vorzustellen, oder einfach entweder persönliche oder institutionelle japanbezogene Informationen weiterzugeben. Letzteres geht natürlich auch mittels der eigens dafür eingerichteten Rundmail-Adresse.

Auf der Verbandstagung der Deutsch-Japanischen Gesellschaften hat der JSPS-Club in diesem Jahre erneut dafür geworben, dass die lokalen Deutsch-Japanischen Gesellschaften die Mitglieder des JSPS-Clubs für ihre Vortragsveranstaltungen berücksichtigen. Dem kann der JSPS-Club nachkommen, wenn er die aktuellen Forschungsthemen der Mitglieder kennt und entsprechend das richtige Mitglied für das nachgefragte Thema benennen kann. Das gilt in gleicher Weise für den Fall, dass Medien den JSPS-Club um den Nachweis einer Person bitten, die sich zu einer bestimmten Frage äußern kann.

Das Netzwerk, welches die Mitglieder bilden, kann über die regelmäßig versandte aktuelle Ausgabe des Mitgliederverzeichnisses aktiviert werden, aber es ist natürlich effektiver, an den Veranstaltungen persönlich teilzunehmen und mit den anderen Mitgliedern das Gespräch zu suchen. Nur so kann der interne Arbeitsmarkt, den der JSPS-Club bildet, funktionieren und nur so werden Entwicklungen erkennbar, die sich das einzelne Mitglied nutzbar machen kann.

Bald blicken wir auf 25 Jahre zurück, in denen sich viele Mitglieder in den oben beschriebenen Bereichen aktiv eingebracht haben. Wir möchten uns deshalb bei all diesen Aktiven herzlich bedanken. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz wären die vielen Veranstaltungen, Vorträge, Artikel, Kontakte etc. nicht möglich gewesen. Sie sind großartige Vorbilder und wir hoffen, dass sich auch in Zukunft viele Clubmitglieder finden, die durch ihre aktive Beteiligung zum internen Austausch und zur Außenwirkung des JSPS-Clubs beitragen.

 

VERANSTALTUNGSBERICHTE

13. Deutsch-Japanischer Youth Summit
22.08.-01.09.2019, Frankfurt, Weimar, Berlin

von Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, Vorsitzender und Landesbeauftragter Japan

Beim deutsch-japanischen Youth Summit handelt es sich um eine Begegnung zwischen jungen Leuten aus Deutschland und Japan. Er wurde anlässlich der Weltausstellung in Hannover im Jahre 2000 ins Leben gerufen und setzt sich seit einer längeren Unterbrechung, die sowohl auf finanzielle als auch organisatorische Engpässe zurückging, in den letzten Jahren jährlich fort. Die Treffen finden abwechselnd in Deutschland und Japan statt. Wenn sie, wie in diesem Jahr, in Deutschland stattfinden, werden sie Hallo Deutschland genannt, werden sie in Japan organisiert, heißen sie Hallo Japan. Die Organisation liegt seit einigen Jahren in den Händen der Deutsch-Japanischen Jugendgesellschaft auf deutscher Seite und dem Japanisch-Deutschen Jugendnetzwerk auf japanischer Seite.

Das diesjährige Treffen fand vom 22.08. bis zum 01.09. in Frankfurt, Weimar und Berlin statt und wurde in Frankfurt und Weimar von den örtlichen Deutsch-Japanischen Gesellschaften mitgetragen. In Berlin war das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin, wo auch die Abschlussveranstaltung stattfand, Mitveranstalter. Wieder hatten sich je 25 Jugendliche auf deutscher und japanischer Seite in die fünf Gruppen Politik, Bildung, Kultur, Umwelt und Gesellschaft aufgeteilt und waren einem bestimmten Thema nachgegangen. Die Gruppen selbst wurden von ehemaligen Teilnehmern des Youth Summit geleitet. Die Ergebnisse wurden auf der Abschlussveranstaltung präsentiert, diesmal nicht nur in verbaler Form, sondern auch durch eine Posterausstellung, bei der Interessierte sich mit den Teilnehmern der jeweiligen Gruppen unterhalten, Fragen stellen und Ergebnisse diskutieren konnten. Der Anreiz dazu wurde dadurch gesteigert, dass jeder Teilnehmer die Möglichkeit erhielt, mit einer Glasperle für eine Gruppe zu votieren. Gewinner war die Umweltgruppe.

Wie schon im letzten Jahr in Japan fiel die hohe Sprachkompetenz der Jugendlichen auf, viele der japanischen Teilnehmer konnten sich sehr gut auf Deutsch verständigen, viele der deutschen Teilnehmer sprachen sehr gut Japanisch. Auffällig war auf deutscher Seite erneut die Beteiligung nicht-deutschstämmiger Jugendlicher, was die gegenwärtige Situation in Deutschland gut widerspiegelt. Für den Verfasser bot die Gruppe Gesellschaft den interessantesten Gegenstand. Es ging um so genannte Soziale Jahre von Jugendlichen für die Gesellschaft, etwas, was in Japan fast gänzlich fehlt, und in Deutschland infolge der Abschaffung der Wehrpflicht und des damit einhergehenden Ersatzdienstes auch ziemlich zum Erliegen gekommen ist. Dabei bietet das Soziale Jahr eine für alle Seiten willkommene Möglichkeit, die Engpässe z.B. bei der Altenbetreuung zu überwinden.

Da der Club diese Veranstaltung schon seit längerem finanziell unterstützt, hatte der Verfasser die Gelegenheit bei der Abschlussveranstaltung ein Grußwort zu sprechen und mit vielen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen.

 

JSPS-Abend und Verleihung des Eugen und Ilse Seibold-Preises 2019
9. September 2019, Bonn

von Vorstandsmitglied Prof. Dr. Anke Scherer

Die beiden Preisträger Prof. Dr. Harald Baum (links) und Prof. Dr. Koichiro Agata (rechts)

Im Rahmen des diesjährigen JSPS-Abends fand die Preisverleihung für den Eugen und Ilse Seibold-Preis 2019 an JSPS-Clubmitglied Prof. Dr. Harald Baum vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Recht und an Prof. Dr. Koichiro Agata, Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaft an der Waseda Universität, statt. Nachdem der Stellvertretende Leiter der JSPS, Noriyoshi Masuko, das Programm eröffnet hatte, würdigten Prof. Dr. Katja Becker (DFG-Vizepräsidentin und designierte DFG-Präsidentin) und Prof. Dr. Dr. h. c. Michael Hoch (Rektor der Universität Bonn) die beiden Preisträger in einer jeweils ausführlichen Laudatio.

Nach einer kurzen musikalischen Einlage sprachen Vertreter verschiedener Organisationen über die Wichtigkeit des Japanisch-Deutschen Wissenschaftsaustauschs. Die an das Abendessen anschließenden Kurzvorträge der beiden Preisträger waren dann lebendige Beispiele für den vorher angesprochenen Austausch. Prof. Dr. Agata sprach auf Deutsch über insgesamt drei Bereiche, in denen seiner Ansicht nach japanische Verwaltungsstrukturen und -praktiken durch Lernen vom deutschen Beispiel verbessert werden könnten. Prof. Dr. Baum wiederum zeigte in einer auf Englisch gehaltenen Rede, warum die Beschäftigung mit dem japanischen Rechtssystem für den internationalen Vergleich ein ausgesprochen wichtiges Thema ist.

Der Abend, bei dem die hochbetagte Witwe Ilse Seibold persönlich anwesend war, diente auch bei den vielen Anwesenden, die im Bereich des japanisch-deutschen Wissenschaftsaustauschs tätig sind, zur Kontaktpflege und Ausbau ihrer Netzwerke und klang nach einer weiteren musikalischen Darbietung mit Abschiedsworten von Vertretern der DFG und JSPS aus.

 

Mit BRIDGE-Fellowship in Japan

von Prof. Dr. Annette Leonhardt, LMU München

Prof. Dr. Annette Leonhardt während eines Vortrags in Japan

Nach zwei von JSPS geförderten Aufenthalten in Japan – 2002 mit dem JSPS Bilateral Program und 2005 mit JSPS Inivitation Fellowship Program for Research – und daraus entstandenen drei DAAD-Projekten[1], bestand im Juli dieses Jahres die Möglichkeit, über das BRIDGE-Fellowship die Kontakte zu vertiefen und neue aufzubauen. Der gastgebende Professor war Tsuneo Harashima von der Tsukuba Universität, Faculty of Human Sciences.

Aus den fast 20 Jahre lang bestehenden Kooperationen sind viele langjährige Freundschaften entstanden. Zu wissenschaftlichen Konferenzen und Symposien wird sich gegenseitig eingeladen. Nach der Dreifachkatastrophe von 2011 führten wir Anfang 2012 eine fünftägige Gordonkonferenz in Eresing (bei München) zum Thema „Impact of catastrophes on the education for the hearing impaired – Recommencements and orientation after extreme changes“ mit Teilnehmern aus Japan, der Slowakei und Deutschland durch. Nicht zuletzt gehört inzwischen auch der Austausch von Studierenden dazu. Immer wieder freut es uns, wenn für ein Semester (was mitunter dann vor Ort um ein weiteres verlängert wird) Studierende der Tsukuba-Universität an die LMU nach München kommen oder wir Studierende an die Tsukuba-Universität nach Japan entsenden können. Für die Studierenden ist es zweifelsfrei nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine große kulturelle Herausforderung. Alle kamen hochbegeistert zurück.

Der Einstieg in meinen BRIDGE-Aufenthalt war unkompliziert, da sich alle Beteiligten seit vielen Jahren kennen und eine kontinuierliche Zusammenarbeit durch die genannten Projekte besteht. Das bereits zur Antragstellung von mir erarbeitete und mit dem japanischen Gastgeber abgestimmte Programm ermöglichte einen sofortigen Arbeitsstart: Am 1. Juli kam ich in Tsukuba an; am 2.Juli fanden die ersten Treffen statt!

Wissenschaftlich gesehen verfolgte ich während des Aufenthaltes drei fachliche Schwerpunkte:

  1. Die International und Interkulturell Vergleichende Sonderpädagogik,
  2. Schulische Inklusion (in Verbindung mit dem Artikel 24 der UN-BRK) und
  3. (Re-)Habilitation nach Cochlea Implantat-Versorgung.

Während die letzten beiden Themenschwerpunkte zu den aktuellen Themen des Faches weltweit gehören, ist der erste für jeden international Forschenden Grundvoraussetzung, um Zusammenhänge erkennen und interpretieren zu können. Nicht zuletzt waren die gemeinsamen DAAD-Projekte immer zugleich auch komparative Studien, so dass auch auf diesem Gebiet eine langjährige Zusammenarbeit besteht. An dem vom Lehrstuhl für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik 2013 organisierten 6. Symposium für Internationale Heil- und Sonderpädagogik nahmen auch mehrere Kollegen aus Japan als Teilnehmer (und Referenten) teil.

Alle bisherigen Aufenthalte und Projektaktivitäten fanden stets an zwei bzw. drei Universitäten und dem National Institute of Special Needs Education (NISE) in Yokosuka City statt. Zu den Universitäten gehören die Shiga-Universität in Otsu (nahe Kyoto) – von der meine Forschungen in Japan ihren Ausgang nahmen – und die Tsukuba-Universität in Tsukuba Science-City. Nicht nur aus beruflichen und fachlichen Gründen sondern aus echtem Interesse gehörte auch stets ein Besuch an der Tsukuba University of Technology zum Programm. Hierbei handelt es sich um eine ebenfalls in Tsukuba ansässige Universität für Hörgeschädigte (Gehörlose) (vergleichbar mit der Gallaudet Universität in Washington) und Blinde. Der BRIDGE-Aufenthalt sollte auch genutzt werden, um die langjährigen Kontakte, die zum National Institute of Special Needs Education (NISE) in Yokosuka City, dem staatlichen Forschungsinstitut für Sonderpädagogik, bestehen, nach Pensionierung des bisherigen Kontaktpartners, Dr. Kimihito Harada, unter seinen Nachfolgern Frau Yoko Hoshi und Herrn Akira Yamamoto neu zu beleben. Es war natürlich mein Anliegen, diese für die sonderpädagogische Forschung so maßgebende staatliche Forschungseinrichtung auch weiterhin als Ansprechpartner zu behalten und mögliche zukünftige Kooperationen und gemeinsame Handlungsfelder zu eruieren und auszuloten.

Erstmalig fand hingegen ein Besuch an der International University of Health and Welfare in Tochigi statt. Das dortige Department of Speech and Hearing Sciences beschäftigt sich mit der Cochlea Implantat Rehabilitation bei Kindern und bot daher unmittelbaren Anschluss an eines meiner Forschungsfelder.

An jeder der besuchten Universitäten hielt ich eine Vorlesung über die Sonderpädagogik (unter besonderer Beachtung der Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik) in Deutschland; am National Institute of Special Needs Education waren es zwei: eine für die Abteilung Hörgeschädigtenpädagogik (zum aktuellen Stand der Hörgeschädigtenpädagogik in Deutschland) und eine weitere für alle Mitarbeiter des Hauses und geladene Gäste (Lehrkräfte) aus umliegenden Schulen; hier wiederum zur Sonderpädagogik in Deutschland.

Was waren die wesentlichen Erkenntnisse zu den Themen „schulische Inklusion“ und „CI-(Re-)Habilitation“?

Schulische Inklusion

Während in Deutschland mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahre 2007 (2009 trat sie in Kraft) hektische Aktivitäten in Gang kamen – einige Bundesländer strebten die Auflösung aller Sonderschulen an –, ging Japan das Thema deutlich gelassener an. Japan unterzeichnete die Konvention ebenfalls 2007. Eine Ratifizierung erfolgte erst 2014, einen Monat später (im Februar 2014) trat sie in Kraft. Die in Deutschland auf schulpolitischer Ebene geführten Diskussionen lösen in Japan bestenfalls Erstaunen aus. Viele Japaner sehen ihre Schulen schon jetzt als inklusiv an: 99,38% der Schüler mit Behinderung lernen bereits derzeit in den Allgemeinen Elementar- und Sekundarschulen (Junior High Schools) oder besuchen den Regelvorschulbereich. Von den Schülern mit Behinderung, die eine Allgemeine Schule besuchen, werden 1,47% in Sonderklassen, die zu den Allgemeinen Schulen gehören, unterrichtet. Schüler mit Behinderung, die nicht Sonderschulen oder Sonderklassen besuchen, erhalten individuelle Unterstützung im Rahmen der regulären Klassen. Ein Modell, welches insbesondere im Großraum Tokyo umgesetzt wird, ist das der Ressource-Rooms. Es handelt sich dabei um zentrale Einrichtungen (einen Raum in einer Schule), in die die Schüler mit Behinderung ein bis zwei Mal pro Woche kommen und spezifische Unterstützung erhalten, sonst aber an den Allgemeinen Schulen lernen. Ressource-Rooms und Sonderklassen sind jeweils nur für eine Behinderungsart zuständig.

Geprägt vom japanischen Denken und der Kultur werden alle Menschen als gleich angesehen. Jeder hat zudem den Anspruch auf eine ihm gemäße und passende Unterstützung und Förderung, wobei der Lernort nachrangig ist. Inklusion wird von den meisten Lehrkräften und Eltern als etwas Selbstverständliches, „Normales“ angesehen. Die Beziehungen zwischen den Schülern sowie zwischen dem Schüler und dem Lehrer sind in den japanischen Schulen bedeutungsvoller als die Schulleistungen; Kameradschaft und Freundschaft sind das Wichtigste.

Der wohl gravierendste Unterschied – der sich auf die Umsetzung von Inklusion unmittelbar auswirkt – besteht in den unterschiedlichen Schulsystemen der beiden Länder: Das japanische ist für den Pflichtschulbereich (also die ersten neun Schuljahre) eingliedrig, während das deutsche mehrgliedrig ist. Alle Kinder in Japan besuchen zunächst die sechsjährige Elementarschule, auf die die dreijährige Sekundarschule (Junior High School) aufbaut. Während der Pflichtschulzeit gibt es (de facto) kein Wiederholen eines Schuljahres; alle Schüler werden am Ende des Jahres in die nächsthöhere Klassenstufe versetzt. Die Schule wird also unabhängig vom erreichten Leistungsniveau und den Noten absolviert. In Deutschland erhalten die Schüler nach der Grundschulzeit – die je nach Bundesland zwischen vier und sechs Schuljahre umfasst – entsprechend ihrer Schulleistungen (also dem Notendurchschnitt) eine Empfehlung für die Mittel-, die Realschule oder das Gymnasium.

Cochlea Implantat Versorgung

In Deutschland wurde 1988 das erste Kleinkind mit Cochlea Implantat versorgt. Die CI-Versorgung von Kindern hat sich hier relativ schnell etabliert, obwohl in der Anfangszeit Langzeitstudien fehlten und keine Erfahrungen bzgl. der Tragedauer, möglicher technischer Ausfälle und dadurch bedingter Reimplantationen vorlagen. Der Wunsch der zu über 90% normal hörenden Eltern, ihr von Geburt an gehörloses bzw. hochgradig hörgeschädigtes Kind sich mit Hilfe dieser Innenohrprothese „ein Stück näher zu holen“ und ihm das Hören zu eröffnen, besiegte rasch Bedenken. Nach ersten Erfolgen wählten viele Eltern den Weg der CI-Versorgung. Eine der ersten Erkenntnisse war, dass der Hör-Sprech- und Sprachlernprozess umso besser in Gang kommt, je jünger das Kind zum Zeitpunkt der CI-Versorgung ist, also je näher man an der natürlichen Entwicklung bleibt. Heute hat sich ein Implantationsalter „um das erste Lebensjahr“ durchgesetzt. Begünstigend wirkt das 2009 flächendeckend eingeführte universelle Neugeborenen-Hörscreening. Dieses ermöglicht, die beim Screening als „hörauffällig“ erfassten Säuglinge spätestens zum 3./4. Lebensmonat zu diagnostizieren.

Obwohl es keine offiziellen Statistiken gibt, lässt sich aus Erfahrung sagen, dass gegenwärtig ca. 98% der hörenden Eltern und ca. 60% der gehörlosen bzw. hörgeschädigten Eltern sich für eine Implantation ihres Kindes entscheiden.

Für Japan, als Hightech-Land und als hoch technikaffin bekannt, erscheint es dem Außenstehenden zunächst als ein Widerspruch, dass man hier sehr viel zögerlicher mit den CI-Versorgungen von Kindern begann. Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts bildete eine CI-Versorgung eines Kindes mit hochgradiger Hörschädigung die Ausnahme. Dem „Einoperieren“ von Technik, die zwar die Lebensqualität steigert, nicht aber zum Lebenserhalt zwingend notwendig ist, stand man lange Zeit abwartend und verhalten gegenüber. Erst in jüngster Zeit verändert sich das: Im Jahr 2014 waren in Japan 6.500 Personen mit CI versorgt, davon 2.500 im Alter von 0 bis 18 Jahren. Anzumerken ist, dass das Implantationsalter (gegenwärtig noch) deutlich höher als in Deutschland ist: Es liegt etwa beim 3. bis 4. Lebensjahr. Doch nicht nur die Cochlea Implantationen „an sich“ nehmen zu, es gibt noch einen weiteren Trend: Hochgradig hörgeschädigte und gehörlose Kinder im Kindergartenalter sind zu 30% mit CI versorgt; bei der Gruppe der unter 3-Jährigen sind es inzwischen 60%. Das Neugeborenen-Hörscreening greift zwar auch in Japan, da aber die Präfekturen für deren Finanzierung zuständig sind und nicht alle die Kosten übernehmen, bleibt ein Teil der Neugeborenen ungescreent, was zu deutlich späteren Diagnosen führt. Aktuell nehmen 60 bis 70% am Neugeborenen-Hörcreening teil.

Und was gab es noch?

Nicht „eingeplant“ war die Anfrage vom JSPS-Büro in Tokyo zu einem Interview, mit dem das Ziel verfolgt wurde, das BRIDGE-Programm zu evaluieren, da dieses nun seit zehn Jahren besteht. Nach Terminfindung besuchten mich Frau Mihoko Toyoshima und Frau Akiko Tatsuta in Tsukuba. Ging ich noch davon aus, dass die Anfrage an mich auf Grund der Nähe Tsukubas zu Tokyo und der superguten verkehrstechnischen Anbindung hier eine Rolle spielte, bekam ich dann eine ganz andere Erklärung: „Wir haben sonst immer nur Techniker und Ingenieure; Sie machen mal was anderes.“ In Japan „tummeln“ sich zweifelsfrei Wissenschaftler aus den genannten Bereichen und den Naturwissenschaften. Wie aber die Einführung und der Stand der CI-Versorgung in Japan zeigt, ist für den Japaner Technik eben nicht gleich Technik…

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[1] 2006–2010 „Das Hörgeschädigtenwesen in Deutschland und Japan – eine Studie zur vergleichenden Hörgeschädigtenpädagogik im internationalen Kontext“, 2012–2015 „Die Auswirkungen des Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention [UN-BRK] auf die Beschulung und individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Hörschädigung – ein Vergleich zwischen Japan und Deutschland“ und 2017–2018 „Roles and Agenda of Special Schools within the Inclusice Education System: Based on the Unique Implementation of Japan and Bavaria, Germany“, wobei letzteres im Rahmen der Ausschreibung „DAAD-Tsukuba Universität“ umgesetzt wurde.

 

RÜCKBLICK AUF EIN LEBEN ALS WISSENSCHAFTLER

Elementarteilchen, Spinpolarisation und Kulturelles –
Motoren einer 50-jährigen deutsch-japanischen Zusammenarbeit (Teil 3)

von Clubmitglied Prof. Dr. Werner Meyer

Die dritte Phase der deutsch-japanischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Teilchenphysik läuteten Horikawa-san und ich nun aus Bochum ein. Die Aktivitäten an polarisierten Targets in Deutschland wurden durch die neuen Standorte Bochum und auch Mainz, wo mein Postdoc Dr. A. Thomas ein polarisiertes Target aufgebaut hatte, intensiviert. In Bonn leitete Dr. H. Dutz die Forschungsarbeiten u.a. mit Fokus auf die Entwicklung miniaturisierter supraleitender Magnete für den Einbau innerhalb der Kryostate. Hierfür hatte Herr Peschel einen He3/He4-Mischkryostat gebaut, in dem die bereits erwähnten „dünnen“ supraleitenden Haltespule integriert waren. Mit den von Nakanishi-san und seinen Mitarbeitern in Nagoya entwickelten Gallium-Arsenid-Superlattice-Kristallen, die eine noch höhere Polarisation von Elektronenquellen garantierten, waren in der Gesamtschau nun die „Zutaten“ vorhanden, um die schon sehr früh formulierte sog. Gerasimov-Drell-Hearn (GDH)-Summenregel experimentell im Rahmen einer internationalen Kollaboration (Bochum, Bonn, Erlangen, Gent, Glasgow, Nagoya, Mainz, Miyazaki, Moskau, Pavia, Saclay, Tübingen) zu überprüfen.

Am CERN mit dem weltweit größten polarisierten Target (2 Liter Target Volumen im Gegensatz zu den nur einige Kubikzentimeter großen Targets in Bonn bzw. Mainz) diskutierten die Kollegen u.a., ob es möglich sei, einen größeren supraleitenden Magneten mit verbesserter Raumwinkelakzeptanz zu bauen, um die Effizienz der Messungen zu erhöhen. Horikawa-san brachte frühzeitig nicht nur den Mut auf – vielleicht gestählt durch die früheren im Bonner Labor gemachten Erfahrungen –, die Verantwortung für ein solches ambitioniertes Projekt zu übernehmen, sondern er konnte in Japan auch die nötigen Geldgeber finden. Es dauerte allerdings noch einige Zeit, ehe die mit dem Bau beauftragte englische Firma den supraleitenden Magneten mit allen spezifischen Anforderungen ausliefern konnte.

Nach meinen Forschungstätigkeiten am SLAC mit der gleichen physikalischen Zielsetzung wie am CERN – Frage nach dem Beitrag der elementaren Bausteine Quarks (Spin1/2) und mittlerweile auch deren Bindeteilchen Gluonen (Spin1) zum übergeordneten Nukleonen-Spin (1/2) – wurde Bochum wie auch Nagoya im Jahre 1998 ein Gründungsmitglied der SMC-Nachfolgekollaboration am CERN. Diese Kollaboration wird bis heute unter dem Namen COMPASS (Common Muon Proton Apparatus for Structure and Spectroscopy) fortgeführt und vereint über 200 Kollegen aus 14 Ländern. Durch die intensiven Messprogramme (bis heute 12 Jahre mit jeweils achtmonatigen Messperioden) wurden mit Blick auf die deutsch-japanische Zusammenarbeit die entsprechenden Kontakte am CERN zur Normalität. Im Rahmen der COMPASS-Aktivitäten führten die häufigen Reisen der am Experiment beteiligten japani-schen Kollegen auch nach Bochum, wo Horikawa-san in den Jahren 2007 und 2008 als von der AvH-Stiftung eingeladener Alumni-Research-Fellow wieder längere Aufenthalte in Deutschland hatte. In Bochum an der Ruhr-Universität waren die am COMPASS-Experiment permanent beschäftigten Kollegen Dr. N. Doshita und Dr. K. Horikawa-Kondo angestellt und überbrückten so die Phase der personellen Veränderungen in Nagoya. Horikawa-san war nach seiner Pensionierung ab 2003 an der Chubu-Universität in Nagoya tätig und Prof. T. Iwata wechselte 2002 aus Nagoya an die Universität Yamagata, wo er 2006 „full professor“ wurde. Die Universität Miyazaki war durch die Berufung von Prof. Matsuda – 1986 als Master-Student geduldiger Begleiter meines japanischen Führerscheinerwerbs – als dritte japanische Universität am COMPASS-Experiment tätig.

Im Bochumer Labor standen ab dem Jahr 2002 die Entwicklungen neuer deuterierter Targetmaterialien im Vordergrund. Für die Entwicklungsarbeiten und nachfolgenden Messungen mit polarisiertem Lithiumdeuterid am COMPASS-Experiment zeichnen in erster Linie Priv.-Doz. S. Goertz mit den weiteren Gruppenmitgliedern Dr. G. Reicherz, Dr. A. Meier und Dr. J. Heckmann aus Bochum sowie im Rahmen ihrer Doktorarbeiten T. Takabayashi, N. Doshita, K. Horikawa-Kondo aus Nagoya und die Chinesin Li Wang, die ich in Nagoya als Master-Studentin kennengelernt hatte, verantwortlich. Radikalerzeugung mittels intensiver Vorbestrahlung war wie im Falle von NH3 auch für die Präparierung von deuteronenreichem Lithiumdeuterid erfolgreich. Größte Beachtung erzielten wir mit den Entwicklungen von deuterisiertem Butanol (s. CERN Courier Vol.43 Nr.7/2003 – „Bochum breaks deuteron polarization records“). Ein neuartiges Radikal war der Schlüssel zum Erfolg. Auf dieses Radikal in Pulverform hatten wir seit unserer Zusammenarbeit mit Kollegen aus Malmö (Schweden) unter der Leitung von Dr. K. Golman Zugriff. Hier hatte ich auch die langersehnte Schnittstelle der physikalischen Grundlagenforschung zu möglichen Anwendungen in der Medizin gefunden.

Dazu eine mir am Herzen liegende Erläuterung für sozusagen ein „Fremdgehen“ von unserer deutsch-japanischen Zusammenarbeit und den sog. Polarisierbaren Substanzen „anderswo“:

Alle Atomkerne, die einen Spin besitzen, werden in einem Magnetfeld ausgerichtet und erhalten in Abhängigkeit von Magnetfeldstärke und Temperatur eine „natürliche“ Polarisation. Diese Polarisation wird als elektrisches Signal mittels Kernspinresonanz nachgewiesen. Bei der „klassischen“ Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, die zur Darstellung von Struktur und Funktion der Gewebe und Organe im menschlichen Körper eingesetzt wird, kommt das Signal von den Protonen im Wasser. Bei der Lunge als luftgefülltes Organ versagt diese MRT-Methode. Hier kommt das Isotop Helium3 (Spin1/2) zum Zuge und wird als „hyperpolarisiertes“ (d.h. „natürliche“ Polarisationswerte werden weit überschritten) Gas vom Patienten gefahrlos (außer das man kurzfristig eine merkwürdig hell klingende Stimme beim Ausatmen hat) ein- und ausgeatmet. Diese He3-MRT ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie sich aus wissenschaftlicher Grundlagenforschung in der Physik innovative Anregungen für die Medizin ergeben können. An dieser Grundlagenforschung – Messungen der Neutronen-Spinstruktur mit einem hyperpolarisierten He3-Target – konnte ich mich während meines Aufenthalts am SLAC einbringen.

Wie aber polarisierte Festkörpersubstanzen in lebenden Organismus einbringen? Die Lösung kam aus Malmö Anfang der 2000er Jahre. Der Schlüssel hierfür ist die altbekannte Methode der dynamischen Kernpolarisation (DNP), die seitdem eine unglaubliche Renaissance erfährt. Schlagwort ist „Hyperpolarisation“ mittels DNP, anschließendes Lösen und Verflüssigen der gefrorenen polarisierten Substanzen und sofortiges Einspritzen in den zu untersuchenden Organismus. Als Beispiel sei nach mehr als 10-jähriger Entwicklungsarbeit die phantastische Möglichkeit erwähnt, in einem für die Onkologie geeigneten Kohlenstoff 13 (Spin1/2)-Molekül (Brenztraubensäure) mit Hilfe der DNP – und einem direkt! nachfolgenden C13-MRT – Tumore in der menschlichen Prostata aufzuzeichnen und damit ohne medizinischen Eingriff frühzeitig zu erkennen. Endlich kann ich jetzt auf die Fragen „Was macht ihr da eigentlich am CERN und wofür ist die Grundlagenforschung mit Quark-Spins nützlich?“ den Hinweis auf den von mir seit vielen Jahren erwünschten praktischen (medizinischen) Anwendungsbereich geben. Im Laufe meiner wissenschaftlichen Tätigkeit habe ich in viele skeptische Gesichter blicken müssen. Es macht schon Spaß und gibt mir eine gewisse Genugtuung, wenn die Arbeit von vielen Jahren nun hier ihre Früchte trägt und für die Menschen einen praktischen Nutzen bringt. Ich bin im Übrigen davon überzeugt, dass wir die Grundlagenforschung fortsetzen müssen, um die Welt (weiter) besser verstehen zu können.

Die Jahre 2004 bis heute bezeichne ich als vierte Phase der deutsch-japanischen Zusammenarbeit. Durch die federführende Verantwortung (Bochum-Nagoya-Yamagata) für das Projekt COMPASS und sein polarisiertes Target – häufig als dynamisches Herzstück des riesigen Experimentaufbaus bezeichnet – ist eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Japan und Deutschland entstanden. Der Kontakt mit Japan wurde durch weitere längerfristige Aufenthalte (JSPS-Stipendien von Dr. G. Reicherz und mir) sowie mehrere kurzfristige Konferenz- und Workshop-Besuche auch durch Doktoranden intensiviert. Nagoya als übliche Anlaufstadt wurde zwischenzeitlich durch Yamagata ersetzt und seit meiner Pensionierung im Jahr 2014 wird die deutsch-japanische Zusammenarbeit federführend von Dr. G. Reicherz und Prof. T. Iwata in der dritten Generation fortgesetzt. Die Laborarbeiten in Yamagata konzentrieren sich auf Polarisationsmessungen spezieller Kristalle, die in die Rubrik „polarisierbare Substanzen anderswo“ gehören. Vorträge und Vorlesungsreihen für jüngere Studierende von Dr. G. Reicherz – 2012 als JSPS-Bridge Fellow – und mir runden die bisherige Zusammenarbeit ab.

Im Jahr 2021 wird mit dem jetzt schon terminierten COMPASS-Experiment meine wissenschaftliche Arbeit, die vor 50 Jahren in Bonn als Diplomand begonnen hat, als „Bochumer Seniorprofessor“ offiziell enden. Die Kontakte zu den japanischen Kolleginnen und Kollegen – viele darf ich jetzt Freunde nennen – werden danach bestimmt spärlicher ausfallen. Mein Trost ist, dass diese durch die jährlichen JSPS-Alumni-Klub- und MlMe-Treffen zumindest eine kleine Fortsetzung erfahren werden. Mein Dank geht hier an Prof. H. Menkhaus und den Vorstand unseres JSPS Alumni-Klubs für die Einladungen zum 10-jährigen Klub-Jubiläum in Bonn (zusammen mit Horikawa-san) wie auch zum 20-jährigen Klub-Jubiläum in Tokyo, bei denen wir die wissenschaftlichen Aspekte unserer Arbeit detaillierter vortragen konnten. Danken möchte ich insbesondere Frau S. Ganter-Richter, die mich zu Beginn meiner Bochumer Zeit nach Einladung meines dortigen Kollegen Prof. U. Czarnetzki für den JSPS-Alumni-Klub geworben hat. Mittlerweile ermöglicht sie mir als Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Bonn weitere Kontakte nach Japan.

Zum Abschluss möchte ich noch einige Begebenheiten aufzählen, die für mich den anfangs erwähnten Pfeiler einer erfolgreichen Zusammenarbeit – Vertrauen und Freundschaft – auf einem unerschütterlichen Fundament haben wachsen lassen: Gastfreundschaft und Höflichkeit haben meine Familie und ich nicht nur bei unseren Ausflügen aufs Land, sondern auch bei den hier bislang nicht erwähnten Besuchen der „Touristikzentren“ wie Nara, Kyoto, Hiroshima, Kamakura, Nikko und Tokyo, wo Tradition und Stille ganz nahe an die Moderne mit Schrillem grenzen, immer aufs Neue erfahren. Bei Familie Horikawa erhielten wir bei einem Besuch in deren Haus zum ersten Mal einen Vorgeschmack auf die japanische Küche. Später waren die von Kollegen häufig nach getaner Arbeit ausgesprochenen abendlichen Einladungen immer kulinarische Reisen nicht nur für den Gaumen, sondern auch für das Auge. Als Gastgeber in Deutschland ist es da mehr als schwierig auf diesem Gebiet mitzuhalten. Familie Nakanishi (leider ist Nakanishi-san schon 2012 verstorben) hat uns öfters bei gemeinsamen Wanderungen in die Stille der naheliegenden Berge Nagoyas mit Hilfe von Feldstechern Nahblicke auf die japanische Vogelwelt ermöglicht. Unvergessen ist auch die von Frau Nagase (Bibliothekarin und Tischtennisspielerin) in ihrem Haus mit ihren Freundinnen perfekt arrangierte Teezeremonie mit anschließendem Betrachten dicker Mappen mit Ukiyoe Büchern und Farbholzschnitten. Horikawa-sans Besuch mit mir als erstem Ausländer in seinem Elternhaus nahe Ena habe ich als einen Bewies unserer tiefgehenden Freundschaft empfunden. Die dort befindlichen Hausaltäre erinnerten mich an meine Versuche, im Literaturstudium über Japan die Verflochtenheit der Parallelwelten von Shintoismus und Buddhismus mit deren indischen, chinesischen und japanischen Göttern zu durchdringen. Später konnte ich mich bei Horikawa-san revanchieren und mit ihm meine Eltern in meinem Eifeler Heimatort besuchen.

Meine Sehnsucht nach „Japanischem“ habe ich dann teilweise eigenhändig nach Bonn in mein Haus und Garten transportiert. Dazu gehören Kokeshi-Puppen, für den Transport als Handgepäck zerlegte japanische Laternen sowie kostenfrei als Handgepäck deklarierte voluminöse Pakete mit eigens auf europäische Länge angefertigten Futons – von der JAL in den 1980iger Jahren vom erstaunt schauenden Abfertigungspersonal freundlichst akzeptiert. Heutzutage – nach dem am Morgen genossenen grünen Tee – lädt ein „Tatami-Zimmer“ neben meinem Arbeitszimmer (s. Foto oben) häufig dazu ein, mich an die unzähligen schönen Erlebnisse in Japan zu erinnern und vor allen Dingen die „japanischen Wellness-Oasen“ herbeizuwünschen. Das Foto (s. unten) meiner – freundlicherweise kürzlich vom Alumni-Klub-Mitglied Prof.W. Bürger umfangreich ergänzter Kreiselsammlung – von Horikawa-san einmal als „Spielzeug für Erwachsene“ bezeichnet – steht symbolhaft für die Motoren unserer Zusammenarbeit „Spin“ und „Polarisierte Festkörpertargets“.

Am Ende meines Berichts möchte ich mich ganz herzlich bei den anfangs erwähnten Institutionen und allen japanischen und deutschen Kolleginnen und Kollegen für ihre Hilfe, Unterstützung und gute Zusammenarbeit bedanken.

DANKE Japan, für mich ein Land voller Zauber.



 

JSPS Alumni Club Norway

by Anders Øverby, PhD, President of JSPS Alumni Club Norway

We are happy to finally become an officially rec-ognized JSPS Alumni Club after almost 2 years of planning. The club comprises a growing network for researchers relevant for Norway-Japan collab-orations. The club was established in close collab-oration with the Research Council in Norway and Innovation Norway, with JSPS Stockholm Office assisting us along the way. Currently, the club holds 60 members and we have already con-ducted two events prior to becoming official. The first event was a kick-off event with presentations and discussion forum, and the second one also in-cluded a “match-making session” where scientists from different fields were given the task to come up with new and bright ideas in groups. The club aims to connect Norway and Japan through build-ing an arena in Norway where interested scientist may network, share experiences and find new col-laborations. The club is not limited to a certain sci-entific field, but rather focuses on keeping scien-tific diversity. We encourage anyone residing in Norway who is interested in Norway-Japan collab-oration to contact us!

Anders Øverby, PhD
Project Leader
Høgskolesenteret i Kongsvinger (Norway)
Mail: anders.overby@inn.no
Phone: (+47) 624 30 796 or (+47) 997 78 490
www.hik.no

 

PUBLIKATIONEN VON CLUB-MITGLIEDERN

Florian Meißner
Kulturen der Katastrophenberichterstattung
2019, 464 Seiten
ISBN: 978-3658261269

Florian Meißner befasst sich mit der Fukushima-Katastrophe und der entsprechenden Berichterstattung deutscher und japanischer Medien. Der Autor geht der Frage nach, warum über die Ereignisse des Jahres 2011 in beiden Ländern sehr unterschiedlich berichtet wurde und welche Rolle dabei insbesondere kulturelle und historische Prägungen spielten. Auf diese Weise rekonstruiert der Autor nicht nur völlig unterschiedliche Kernkraft-Diskurse in Deutschland und Japan, sondern auch divergente journalistische Rollenverständnisse. Dabei verfolgt er einen kultursensiblen Untersuchungsansatz, der einen tiefen Einblick in das Denken deutscher und japanischer Journalisten erlaubt.





Harald Meyer, Reinhard Zöllner (Hrsg.)
Die Sammlung Trautz: Visuelle Schätze aus dem Nachlass des Japangelehrten Friedrich M. Trautz (1877–1952)
2019, 344 Seiten
ISBN: 978-3862052196

Friedrich Max Trautz (1877–1952) war ein Pionier der deutschen Japanforschung, der neben seiner wissenschaftlichen Arbeit auch eine Vielzahl visueller Quellen zusammentrug. Seine im Laufe von Jahrzehnten entstandene Sammlung reicht von historischen Buchdrucken mit Szenerien der Tokugawa-Zeit (1603–1868) über Fotografien der japanischen Frühmoderne und zeitgeschichtliche Bilddokumente aus Japan, Korea und China bis hin zu Postkarten. Ein großer Teil des Nachlasses wird heute an der Universität Bonn verwahrt. In der Ausstellung „Die Sammlung Trautz – Visuelle Schätze aus dem Nachlass des Japangelehrten Friedrich M. Trautz (1877–1952)“ im Universitätsmuseum Bonn wurden von Januar bis April 2019 einige der schönsten Stücke dieser in Deutschland einmaligen Sammlung zum ersten Mal öffentlich präsentiert. Dieser illustrierte Begleitband – ebenso wie die Ausstellung ein Gemeinschaftsprojekt der Bonner Abteilung für Japanologie und Koreanistik – bietet zusätzlich zu einer Auswahl der Ausstellungsstücke vertiefende Aufsätze zu Trautz und seinem Nachlass.
(Siehe ebenfalls Rezension von Heinrich Menkhaus in OAG Notizen 10 (2019) S. 39 ff.)

 

Repräsentation des Clubs auf externen Veranstaltungen

  • 12.07.2019: Empfang des japanischen Botschafters in Österreich anlässlich des Japan Cultural Festivals | Matthias Hofmann

  • 30.08.2019: Abschlusstreffen Hallo Deutschland, Berlin | Prof. Dr. Heinrich Menkhaus

  • 09.09.2019: JSPS-Abend und Verleihung Seibold Preis 2019 | gesamter Vorstand

  • 20.09.2019: Empfang der Konrad Adenauer Stiftung Tokyo zur Vorstellung der neuen Direktorin Frau Rabea Brauer | Heinrich Menkhaus

  • 20./21.09.2019: Teilnahme an Konferenz der EJEA (European Japan Experts Association) e.V. zu „Human-Centered Digitalization“ in Graz (Österreich) | Sabine Ganter-Richter

 

Neue Clubmitglieder

  • Harald Bayerlein
    Institut Eurécom
    University of Tokyo 2019*

  • Andreas Besginow
    Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe
    Toyota Technology Institute 2019*

  • Prof. Dr. Siegfried RCT Enders
    Präsident des ICOMOS

  • Maximilian Hamm
    Universität Potsdam
    Chiba Institute of Technology 2017*

  • Dr. Beate Heissig
    Juntendo University
    Juntendo University 2003*

  • Rebecca Querfeld
    Universität Hannover
    Fukushima University 2019*

  • Falk Seidel
    University of Tokyo 2017–2020*

  • Fernando Wirtz
    Universität Tübingen
    Kyoto University 2019*

* von JSPS/STA geförderter Forschungsaufenthalt in Japan

 

Termine

  • 07.10.2019: 8. Club-Treffen in Japan, Tokyo

  • 01. + 02.11.2019: Mitglieder laden Mitglieder ein, Lübeck, Organisation Prof. Dr. Rüdiger Reischuk

  • 02.11.2019: 11. Junior Forum, Lübeck

  • 15. + 16.05.2020: JSPS Symposium „Bio-Economics and Food-Resources“ in Berlin

Wenn Sie Beiträge zu Veranstaltungen, Publikationen etc. im Newsletter veröffentlichen möchten, wenden Sie sich bitte an Dr. Anke Scherer. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

 

Impressum

Herausgeber:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
Redaktion: Dr. Anke Scherer
Mitarbeit: Caroline Hoffmann
Verantwortlich:
Deutsche Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V.
c/o JSPS Bonn Office, Ahrstr. 58, 53175 Bonn
Tel.: 0228/375050, Fax: 0228/957777
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unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.

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Alumni Club Award 2020
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Treffen der Regionalgruppe
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Berlin | 2. Dez. 2019
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JSPS Alumni Club Award 2019
an Prof. Dr. Peter Hennicke

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Club-Mitglied Prof. Dr. Harald
Baum erhält den „Eugen und
Ilse Seibold-Preis“ 2019
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